Fachvorträge im St. Martinus-Hospital Olpe rücken das Thema Inkontinenz in den Mittelpunkt
Beim Informationsnachmittag der GFO Kliniken Südwestfalen zum Thema Inkontinenz konnten sich die Besucherinnen umfassend informieren. Die Veranstaltung im Verwaltungsgebäude des St. Martinus-Hospitals Olpe wurde gemeinsam von der Frauenklinik sowie der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie organisiert.
Im Mittelpunkt standen Ursachen, Diagnostik und moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Harn- und Stuhlinkontinenz. In ihren Vorträgen erklärten Dr. Jürgen Schwickerath, Dr. Viorel Fetcu, Dr. Adrian Miclea sowie Meike Beyer, dass Betroffene mit ihren Beschwerden nicht allein sind und es heute vielfältige Therapieansätze gibt, die die Lebensqualität deutlich verbessern können.
Bereits zu Beginn stellte Dr. Schwickerath, Chefarzt der Frauenklinik der GFO Kliniken Südwestfalen, die Bedeutung des Themas heraus: „3 bis 4 Millionen Frauen in Deutschland leiden an Harninkontinenz.“ Darum sei es wichtig, die Inkontinenz aus der Tabu-Zone zu holen: „Wir müssen darüber sprechen. Sie müssen darüber sprechen“, erklärte der renommierte Gynäkologe. Denn: „Die Harnblase bringt einen nicht um, hindert aber am Leben.“ Dr. Schwickerath spannte in seinem Vortrag einen Bogen von der Begriffsbestimmung über die verschiedenen Arten der Harninkontinenz: „Die drei häufigsten Arten der Inkontinenz, Belastungs-, Drang- und Mischinkontinenz haben verschiedene Ursachen und benötigen spezielle Therapiemaßnahmen.“ Daher sei es wichtig, zuvor die richtige Diagnose zu stellen. Auch auf diese ging der Chefarzt im Folgenden ein.
Meike Beyer von der Firma tic Medizintechnik stellte den Besucherinnen die Wirkung von Biofeedback- oder Elektrostimulationsgeräten vor. Diese können als Hilfsmittel von einem Facharzt verordnet werden, „wenn eine Physiotherapie oder ein Beckenbodentraining nicht mehr helfen“. Elektrostimulationsgeräte dienen primär dem Muskelaufbau im Beckenboden, während Biofeedbackgeräte unbewusste Körperreaktionen bewusst machen sollen, indem sie auf Aktivitäten im Beckenboden reagieren. Der Therapiezeitraum mit diesen Geräten beträgt meist 3 Monate und kann bei Bedarf verlängert werden. Aber auch danach sollte man mit gezieltem Training „den Beckenboden wieder auf Vordermann bringen“.
Dr. Adrian Miclea, Leitender Oberarzt der Frauenklinik, erklärte die Anatomie und Funktionsweise der Blase und des Beckenbodens, das „Trampolins im Becken“, der Blase, Gebärmutter und Darm an Ort und Stelle hält. Er stellte insbesondere den Weg zur Diagnose und die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Inkontinenz vor: „Die Therapie folgt immer einem Stufenplan“, so Dr. Miclea. Neben der erwähnten konservativen Therapie mit Beckenbodentraining, Physiotherapie und Hilfsmitteln gebe es auch die Lokale Hormontherapie und die Operative Therapie. „Es gibt für jedes Stadium die passende Lösung“, führte der Oberarzt aus. Und: „Niemand muss sich mit den Beschwerden abfinden.“
Doch nicht nur die Harninkontinenz war Thema bei der Veranstaltung. Dr. Viorel Fetcu, Chefarzt der Allgemein-und Viszeralchirurgie der GFO Kliniken Südwestfalen, referierte über die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Stuhlinkontinenz. „Heutzutage kann man fast alles wieder in Ordnung bringen“, sagte Dr. Fetcu. Entscheidend dabei: darüber zu reden. „Sprechen Sie es an. Sie sind nicht schuldig. Sie müssen sich nicht schämen.“ Er beleuchtete die verschiedenen Ursachen und Risikofaktoren von Stuhlinkontinenz und erläuterte wie eine Untersuchung Schritt für Schritt abläuft. Auch bei der Stuhlinkontinenz gibt es konservative Therapiemöglichkeiten, wie eine Ernährungsumstellung, Physiotherapie, Hilfsmittel oder Medikamente. Wenn diese nicht ausreichen, kommen aber in diesem Fall ebenfalls operative Verfahren zum Tragen.
Auch die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und direkt mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen, wurde von den Teilnehmenden intensiv genutzt. Die positive Resonanz zeigte, wie groß der Informationsbedarf rund um das Thema ist. Der wichtigste Schritt bei der Diagnose und Therapie von Inkontinenz, so die Aussage der Expert:innen: „Sprechen Sie darüber.“

