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„Wir hätten uns sehr einen anderen Weg gewünscht“

Evangelische Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahl gibt mehrere Gebäude auf – Margarethenkirche und Kita-Arbeit bleiben im Fokus

Nach einem langen und intensiven Entscheidungsprozess stellt die Evangelische Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahl ihre Gebäude- und Strukturplanung grundlegend neu auf. Nach zahlreichen Gesprächen, Gemeindeversammlungen, einer Gemeindebefragung sowie der Prüfung verschiedener Finanzierungskonzepte hat das Presbyterium beschlossen, mehrere Kirchen- und Gemeindegebäude sowie die
Kindertageseinrichtung „Villa Regenbogen“ aufzugeben. Die Margarethenkirche in Kierspe bleibt als zentraler Standort der kirchlichen Arbeit erhalten.

„Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, sondern aus großer Verantwortung heraus. Wir hätten uns sehr einen anderen Weg gewünscht – doch die finanzielle Realität hat uns am Ende keine Wahl mehr gelassen“, erklärt Pfarrer George Freiwat, Vorsitzender des
Presbyteriums.

Ein intensiver Entscheidungsprozess

Bereits seit rund zwei Jahren befasst sich das Presbyterium intensiv mit der Frage, wie die kirchliche Arbeit langfristig gesichert und die vorhandenen Gebäude nachhaltig finanziert werden können. In zahlreichen Gesprächen und unter Einbindung der Gemeindeglieder sowie der Bürgerinnen und Bürger wurden unterschiedliche Zukunftsszenarien entwickelt und geprüft.
Im Laufe des Prozesses wurde deutlich, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen: Notwendig ist ein ganzheitliches Konzept für den gesamten Gebäudebestand. Insbesondere weil der aktuelle Haushalt nur unter der Voraussetzung genehmigt wurde, dass bis 2030 ein ausgeglichener Haushalt erreicht wird. Ohne grundlegende strukturelle Veränderungen ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Die finanzielle Ausgangslage

Die Entscheidung ist maßgeblich durch die angespannte finanzielle Situation geprägt. Die Zahl der Gemeindeglieder ist seit Jahren rückläufig: Von 8.419 Mitgliedern im Jahr 2000 ist sie bis Mai dieses Jahres auf 4.843 gesunken – nahezu eine Halbierung. Gleichzeitig ist der Gebäudebestand unverändert geblieben, während die Kosten kontinuierlich steigen.

Verschärft wird die Lage durch die neue Finanzsatzung der Landeskirche: Zuweisungen orientieren sich künftig ausschließlich an der Mitgliederzahl, nicht mehr an den vorhandenen Gebäuden.

„Wir haben verschiedene Szenarien geprüft. Selbst mit dem jetzt beschlossenen Konzept können wir das Haushaltsdefizit nicht vollständig ausgleichen“, so Freiwat. Ohne eine klare Fokussierung auf wenige Standorte wäre die Gemeinde langfristig nicht mehr handlungsfähig.
Er macht die Konsequenzen einer Nicht-Entscheidung deutlich: „Ohne diese Schritte würde unser Defizit weiter anwachsen. In einigen Jahren könnten wir nicht einmal mehr selbst bestimmen, wo Gottesdienste stattfinden oder ob wir die Kindergartenarbeit fortführen dürfen.“

Zukunft der Kirchenstandorte

Die Margarethenkirche in Kierspe Dorf bleibt erhalten und wird künftig den zentralen kirchlichen Standort bilden. Die Gemeindebefragung im letzten Jahr hat die hohe emotionale Verbundenheit der Bevölkerung mit diesem Gebäude bestätigt. Auch lassen sich mit der Margarethenkirche viele Menschen erreichen – Gemeindeglieder und Kiersper Bürgerinnen und Bürger. So organisiert die Kirchengemeinde dort gemeinsam mit der Stadt Kierspe den jährlichen Weihnachtsmarkt, und auch heute schon finden regelmäßig nicht-kirchliche Veranstaltungen in der Kirche statt. Die Christuskirche in Kierspe Bahnhof sowie die Servatiuskirche in Rönsahl werden hingegen
aufgegeben – eine Entscheidung, die dem Presbyterium besonders schwergefallen ist. Jedoch ist auf Dauer nur eine Kirche aus dem Gemeindehaushalt finanzierbar.

„Die Servatiuskirche ist das Wahrzeichen von Rönsahl, und viele Menschen fühlen sich ihr eng verbunden. Dennoch haben am Ende die strukturellen Argumente für den Erhalt der Margarethenkirche gesprochen“, erklärt Freiwat. „Der Abschied von der Servatiuskirche fällt uns jedoch sehr schwer. Daher möchten wir bei der Auswahl eines Erwerbers diejenigen Interessenten bevorzugen, die auch künftig eine – wenn auch eingeschränkte – kirchliche Nutzung der Kirche ermöglichen würden.“

Darüber hinaus sollen weitere Gebäude und Grundstücke – insbesondere das komplette Areal in Kiersper Bahnhof – abgegeben werden.

Für die Margarethenkirche werden nun konkrete Zukunftskonzepte entwickelt. Hierzu gab es bei der Gemeindebefragung viele Anregungen. Diese Vorschläge werden nun geprüft. Nachdem die Entscheidung gefallen ist, soll das beste Konzept ausgearbeitet und bei Bedarf mit der Oberen
Denkmalbehörde abgestimmt werden. Angedacht ist hier unter anderem eine multifunktionale Nutzung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch die Gründung eines Fördervereins zur langfristigen Sicherung der Finanzierung.

Die für die Gemeindearbeit benötigte Anzahl von Gruppenräumen sowie der Wunsch nach wohnortnahen Angeboten macht es erforderlich, dass die Kirchengemeinde auch noch zwei Gemeindehäuser behält. „Auch wenn es sehr schmerzt, dass wir die Servatiuskirche nicht halten können, wollen wir in Rönsahl weiterhin mit unseren Angeboten nah bei den Menschen sein. Deswegen werden wir das Gemeindehaus dort behalten. Ebenso wie das Lutherhaus in Kierspe Dorf, um dort mit der Margarethenkirche ein Zentrum der Gemeindearbeit bilden zu können.“, so der Vorsitzende des Presbyteriums.

Kita-Arbeit bleibt wichtiger Bestandteil

Trotz der strukturellen Veränderungen bleibt die Kindergartenarbeit ein zentraler Bestandteil der Gemeindearbeit. Allerdings sind die Kosten für den Betrieb sowie die erforderlichen Sanierungen beider Kitas auf Dauer eine zu große Belastung für den Haushalt der Kirchengemeinde.

Die Kindpauschalen nach dem Kinderbildungsgesetz NRW (KiBiz) sind seit Jahren unverändert bei gleichzeitig steigenden Erhaltungs-, Betriebs- und Personalkosten. Darüber hinaus gelten Kirchengemeinden als ‚reiche Träger‘, deren Eigenanteil an den Kosten mit 10,3% fast dreimal so hoch ist wie der ‚armer Träger‘. Damit steht die Kirchengemeinde in Kierspe und Rönsahl vor derselben großen Herausforderung wie viele andere Kirchengemeinden im Kirchenkreis: Eine Fortführung der Kita-Arbeit ist nur noch mit einer angemessenen Unterstützung durch die jeweilige Kommune möglich. Bleibt diese Unterstützung aus oder fällt sie zu gering aus, kann die Kirchengemeinde die Kita-Arbeit aus eigenen Mitteln kaum noch umfassend tragen.

„Die Kindergartenarbeit bleibt uns wichtig“, betont Freiwat. „Allerdings sind die finanziellen Rahmenbedingungen für kirchliche Träger in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden.“

Entsprechend hat sich die Gemeindeleitung entschlossen, die Zahl der angebotenen Plätze zu verringern und die Kindergartenarbeit an einem Standort zu konzentrieren. Mit der Wahl der Margarethenkirche als zentralem kirchlichen Standort fiel die Entscheidung für den Erhalt der Kita „Abenteuerland“. Die Kita „Villa Regenbogen“ wird – wie der gesamte Standort Kierspe Bahnhof – aufgegeben. Die Trägerschaft soll aus Gründen der Planungssicherheit – gerade für Eltern und Mitarbeitende – bis zum 31. Juli 2028 beendet werden. Details wie der Umfang von Umbaumaßnahmen und die künftige Zahl der angebotenen Plätze in der Kita „Abenteuerland“ werden noch ausgearbeitet.

Auswirkungen auf Gemeindeleben und Gottesdienste

Langfristig sollen Gottesdienste ausschließlich in der Margarethenkirche stattfinden. Bis zur endgültigen Aufgabe der anderen Standorte werden einstweilen auch dort noch Gottesdienste gehalten.

Für einige Gemeinde-Angebote und das Gemeindebüro müssen neue Räumlichkeiten gefunden werden, um das bestehende Angebot vollständig zu erhalten.

„Diese Entscheidung hat uns viel Zeit, Energie und Kraft gekostet“, sagt Freiwat. „Nun möchten wir den Blick wieder stärker auf die inhaltliche und strategische Weiterentwicklung unserer Gemeindearbeit richten. Das ist für die Gemeinde wichtig.“

Umsetzung und Ausblick

Die Umsetzung der meisten Maßnahmen wird 2027 beginnen. Bereits kurzfristig soll die Gründung eines Fördervereins für die Margarethenkirche angestoßen werden. Auch die geplanten Immobilienverkäufe werden zügig vorbereitet. Um das verbleibende Haushaltsdefizit zu verringern, müssen zudem Konzepte entwickelt werden, die weitere Einsparungen ermöglichen und zusätzliche Einnahmen generieren.

Gemeinde weiterhin auf Unterstützung angewiesen

Trotz der weitreichenden Einsparmaßnahmen bleibt die Kirchengemeinde auf Unterstützung angewiesen. Für die Umsetzung des Konzepts sind Hilfe und Flexibilität durch Kirchenkreis und Landeskirche ebenso wie Engagement aus der Bevölkerung erforderlich. Klar ist bereits jetzt: Ohne einen Förderverein für die Margarethenkirche, der zusätzliche Finanzen generieren kann, wird es nicht gehen. Ohne ihn wäre die Gefahr groß, dass die Kirchengemeinde trotz aller Anstrengungen in Zukunft handlungsunfähig wird.

„Wir brauchen Unterstützung, Flexibilität und den Einsatz unserer Gemeindeglieder sowie der Bürgerinnen und Bürger in Kierspe und Rönsahl“, so Freiwat. „Nur gemeinsam können wir die Zukunft unserer Gemeinde sichern.“

Die Gemeinde steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Wer sie bei der Umsetzung der Entscheidungen unterstützen möchte, kann sich gerne an das Presbyterium wenden.

Kontakt
Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahl:
https://ev-kirche-kierspe.de/staff/
https://www.kirche-roensahl.com/ansprechpartner.html

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