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Kirchenkreis erhält Kinder- und Jugendvertretung

Kinder- und Jugendarbeit, Prävention und Schutzkonzepte, Personalentwicklung und Haus Alter Leuchtturm auf Borkum – Synode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg behandelt verschiedene Themen

Kinder und Jugendliche sollen in den Gemeinden und Kooperationsräumen des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg stärker mitreden können. Der Jugendausschuss bereitet deshalb die Gründung einer Kinder- und Jugendvertretung vor.

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Johannes Seidel, Leiter des Kinder- und Jugendreferates
des Kirchenkreises, stellte auf der Synode den Plan einer neuen Kinder- und Jugendvertretung vor und gab wichtige Einblicke in die Überarbeitung der Grundsätze zur Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen im Kirchenkreis (Foto: EKKLP)

Live, direkt und schnell: Bei der Sommersynode in Meinerzhagen nutzten Vertreter des Jugendausschusses ein neues Umfrageformat. Die Synodalen konnten per Handy ein Fragenpaket zum Thema beantworten, nachdem sie einen QR-Code gescannt hatten. Die Antworten wurden zeitnah über einen Beamer projiziert. Das Ergebnis: Die Synodalen stehen hinter der Einführung einer Kinder- und Jugendvertretung, wünschen sich aber noch weitere Informationen.

Das neue Gremium soll im Februar 2027 ins Leben gerufen werden. Zwei Drittel der Mitglieder werden jünger als 27 Jahre sein. Am 16. Juli sind alle, die sich für das Thema interessieren, zu einem weiteren Vorbereitungstreffen eingeladen. Wer in der Kinder- und Jugendvertretung mitarbeiten möchte, kann sich schon jetzt bei Johannes Seidel, Leiter des Kinder- und Jugendreferates des Kirchenkreises, melden.

Johannes Seidel und weitere Mitwirkende haben bereits Vorarbeit geleistet. Sie haben die Grundsätze zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg überarbeitet. „Das war notwendig“, erklärte Johannes Seidel. Die alte Fassung stammt aus dem Jahr 2002. Sie musste in vielen Bereichen angepasst werden. „Das war ein spannender und sehr guter partizipativer Prozess unter hoher Beteiligung“, sagte der Referatsleiter. Die neue Fassung tritt am 1. Juli 2026 in Kraft.

Grundsätzlich soll die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf christlichen Grundwerten wie Respekt, Demokratie, Inklusion, Diversität, Sicherheit, Schutz, Freiheit, Offenheit, Lernkultur und Verantwortung für die Schöpfung basieren und die offene Auseinandersetzung mit Glauben, Zweifeln und Perspektiven fördern. Hoher Wert wird auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gelegt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen entsprechend geschult werden.

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Arbeit zählen Glaubenserleben durch Gottesdienste, Freizeiten und geistliche Angebote, Gemeinschaft durch Gruppen, Projekte und Veranstaltungen. Weitere Punkte sind Bildung durch Schulungen, Fortbildungen und
Qualifizierungen, die verantwortliche Nutzung digitaler Medien sowie gesellschaftliche Verantwortung durch Demokratie- und Klimabildung.

Diese Arbeit soll durch Pauschalen, Eigenmittel und Drittmittel, inklusive Landes- und kommunaler Zuschüsse gefördert werden. Dabei können die Landeskirche, Kreise und Gemeinden mit externen Jugendverbänden zusammenarbeiten. Ziel ist eine enge Kooperation bei der Jugendarbeit im kirchlichen Rahmen.

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Pfarrer i. R. Matthias Schwarz ging in einem sehr persönlichen und beeindruckenden Vortrag auf das Thema ein. Er Eindringlich appellierte eindringlich an die Synodalen, die Berichte Betroffener ernst zu nehmen (Foto: EKKLP)

Schutzkonzepte gehören nicht in Schubladen, sondern in die Köpfe
„Schutzkonzepte gehören nicht in die Schubladen, sondern in die Köpfe“. Pfarrer i. R. Matthias Schwarz machte als Gast der Sommersynode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg deutlich, dass aus seiner Sicht der Kampf gegen sexuelle Gewalt in der Kirche stärker verankert werden müsse. Schwarz ist Betroffenenvertreter in der Fachstelle Sexualisierte Gewalt der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. Er selbst erlitt als Kind sexuelle Übergriffe und sagt: „Ich kann dem Täter nie vergeben.“

Eindringlich appellierte er an die Synodalen, die Berichte Betroffener ernst zu nehmen. Bei der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt könne die Kirche nur lernen. Seine These: „Jeder, der Täter schützt, schädigt die Kirche.“

Sein beeindruckender Vortrag und der Besuch von Dr. Charlotte Nieße, zeigen, dass der Kirchenkreis seine Verantwortung gegenüber Opfern sexualisierter Gewalt ernst nimmt. Dr. Charlotte Nieße ist Kriminologin und arbeitet seit Januar 2026 als Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung in der Ev. Landeskirche von Westfalen.

Der Kirchenkreis nimmt das Thema ernst. So untermauerten die Synodalen ihre Haltung mit einem einstimmigen Votum. Danach bekennt sich die Synode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg zu ihrer Verantwortung für die Aufklärung begangener sexueller Gewalt und die Verpflichtung zu umfassender Prävention in ihren Gemeinden und Einrichtungen. Die dafür notwendigen Mittel sollen bereitgestellt werden. Darüber hinaus wird der Superintendent gebeten, für den Kirchenkreis einen Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung der Betroffenenperspektive zu gestalten. „Dieser Gottesdienst muss keine einmalige Veranstaltung sein. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt“, antwortete Superintendent Dr. Christof Grote auf eine Nachfrage aus der Versammlung.

Zuvor hatte Jutta Tripp, Präventionsbeauftragte des Kirchenkreises, eine Bilanz ihrer Arbeit vorgelegt. Danach haben alle Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Schutzkonzepte erstellt. Rund 80 Prozent aller hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen haben eine erste Schulung durchlaufen. „Das sind immerhin 2414 Menschen“, betonte Jutta Tripp.

So seien die Arbeitsverträge für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zwei Präventionsteams um drei Jahre bis 2029 verlängert worden. Damit seien weitere Schulungen gesichert. Außerdem werde an der Weiterentwicklung der Schutzkonzepte gearbeitet. Ziel sei es auch, die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Netzwerkpartnern zu verstetigen, erklärte Jutta Tripp.

Die Ausstellung „Angefasst“ mit Bildern des Fotografen Thomas Groth hinterließ bei den Synodalen einen starken Eindruck. Sie zeigt Fotos von Menschen, die Grenzverletzungen und Machtmissbrauch erlitten haben. Zu sehen sind Frauen und Männer hinter einer mit Wasser
besprühten Glasscheibe. Die Tropfen verzerren den Blick – wie Erinnerungen – und lassen die Menschen dennoch sichtbar bleiben. „Angefasst“ versteht sich als Teil einer Erinnerungskultur, die das Erlebte nicht abschließt, sondern weiterträgt.

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Martin Pogorzelski, Vorsitzender des Struktur- und Perspektivausschusses, zeigte den Synodalen die dramatische Personalentwicklung im Kirchenkreis auf. Bis 2031 steht der Abbau des
pfarramtlichen Personals um 75 Prozent bevor (Foto: EKKLP)

Gemeinden brauchen neue Konzepte für den pastoralen Dienst
Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg steht vor einer dramatischen Entwicklung. Die Zahl der Pfarrstellen wird bis 2031 bis auf elf sinken, weil eine Reihe von Pfarrpersonen in den Ruhestand gehen und in den vergangenen Jahren Pfarrerinnen und Pfarrer den Kirchenkreis verlassen haben.

„Wir werden bis 2031 einen Abbau des pfarramtlichen Personals um 75 Prozent erleben“, stellte Martin Pogorzelski, Vorsitzender des Struktur- und Perspektivausschusses, bei der Sommersynode des Kirchenkreises in Meinerzhagen fest. Der Ausschuss war von einer der vorausgegangenen Synode beauftragt worden, die Entwicklung zu analysieren und Wege zu finden, mit denen unter diesen Extrembedingungen die Versorgung und Seelsorge im Kirchenkreis aufrechterhalten werden kann.

Die Schlussfolgerung Pogorzelskis, der selbst 2028 aus dem Pfarrdienst ausscheidet: „Wir stehen vor enormen Herausforderungen, was die Zusammenarbeit in den Gemeinden und Kooperationsräumen betrifft.“ Klar sei, dass die Interprofessionellen Pastoralteams (IPT) gestärkt werden müssten. Dabei geht es um die Zusammenarbeit von Pfarrpersonen mit Gemeindepädagoge/innen beziehungsweise Diakonen/innen. Sie soll die Handlungsfähigkeit der Gemeinden und Kooperationsräume sicherstellen.

Vor diesem Hintergrund fasste die Synode einen Beschluss, in dem die Gemeinden insbesondere in den Kooperationsräumen 2, 3, 4, und 6 gebeten werden, bis zum 31. Dezember dieses Jahres gemeinsame Konzepte für den pastoralen Dienst zu entwickeln und dabei auch
Stellenbeschreibungen für Gemeindepädagogen/innen und Diakone/innen zu erstellen. Diese Beschreibungen sollen danach mit dem Kirchenkreis abgestimmt und veröffentlicht werden.

„Schon die Besetzung möglicher Stellen ist eine Herausforderung“, sagte Martin Pogorzelski. Andere Kirchenkreise seien für Bewerber/innen möglicherweise attraktiver. Darauf hatte zuvor schon Susanne Falcke, Theologische Vizepräsidentin der Ev. Kirche von Westfalen, hingewiesen. Zu ihrer Zeit als Superintendentin im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, einer ländlichen Region, habe sie immer ein wenig neidvoll nach Münster geschielt.

Martin Porgorzelski und der Struktur- und Entwicklungsausschuss sehen eine Chance darin, bei Bewerber/innen mit exakt auf den künftigen Arbeitsbereich abgestimmten Ausschreibungen Interesse zu wecken.

Angesichts der dramatischen Personalentwicklung sei schnelles Handeln erforderlich. „Die Zeit bis 2031 ist begrenzt.“ Bis dahin gilt als Personalschlüssel eine Pfarrstelle für 4000 Gemeindeglieder. Danach soll auf Beschluss der Ev. Kirche von Westfalen eine Pfarrstelle auf dann 5000 Gemeindeglieder kommen.

Wie unter solchen Bedingungen ausreichende kirchliche und gemeindliche Angebote sichergestellt werden können, fragte Steffen Pogorzelski, einer der jüngeren Pfarrer im Kirchenkreis, während der Synode. Er wisse ebenso wie viele Kolleginnen und Kollegen nicht, was
werden solle. „Entweder leidet die gemeindliche Arbeit oder unsere klassischen Aufgaben kommen zu kurz“, sagte er. Steffen Pogorzelski äußerte auch die Befürchtung, dass sich Pfarrpersonen umorientieren könnten. Ein Beispiel dafür ist Simon Schupetta, der 2024 als Pfarrer die Gemeinde Brügge-Lösenbach verlassen hat und jetzt in Ostfriesland tätig ist.

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Geschäftsführerin Claudia Adams-Kuhbier informierte die Synodalen über den aktuellen Stand des Hauses „Alter Leuchtturm“ auf der Nordesseinsel Borkum. Eine neue Machbarkeitsstudie hat nun ergeben, dass das Haus unter einem erheblichen Sanierungsstau leidet (Foto: EKKLP)

Haus „Alter Leuchtturm“: Neues Sanierungskonzept erforderlich
Die Zukunft des Hauses „Alter Leuchtturm“ auf der Nordesseinsel Borkum ist wieder ungewiss. Die Ferienstätte des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg leidet unter einem erheblichen Sanierungsstau. Im Zuge einer neuen Machbarkeitsstudie sind neue Mängel entdeckt worden. Jetzt wird an einem Konzept gearbeitet, das die Basis für die Finanzierung der notwendigen Arbeiten und die Zukunft des Personals sicherstellen soll.

Zahlen und eventuelle Schließungszeiten nannte Geschäftsführerin Claudia Adams-Kuhbier bei der Sommmersynode des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg nicht. „Es macht keinen Sinn, schon jetzt irgendwelche Zahlen in den Raum zu stellen“, sagte sie auf Nachfrage. Dazu sei es noch zu früh. Zurzeit befinde man sich in einer intensiven Planungsphase. Und könne nicht auf belastbare Zahlen zurückgreifen. Sicher sei nur: Alle Maßnahmen fielen deutlich umfangreicher aus als ursprünglich vorgesehen. Ziel sei es aber nach wie vor, die Sanierung ohne Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln durchzuziehen. Das neue Konzept wird Claudia Adams-Kuhbier voraussichtlich bei der Finanzsynode am 11. November vorstellen.

Bislang war der Kirchenkreis davon ausgegangen, dass nach dem jüngsten Sanierungsmodell alle Schäden (Setzrisse in der Fassade, Abplatzungen im Klinkerbereich und mehr) in kleinen Schritten behoben werden könnten und die Ferienstätte die Renovierung aus eigener Kraft stemmen könne. Bei der Finanzsynode im November 2025 hatte Geschäftsführerin Claudia Adams-Kuhbier erklärt, aufgrund der hohen Belegungszahlen und der guten Buchungslage könne sogar Geld an den Kirchenkreis abgeführt werden. Für die Jahre 2026 und 2027 sind im Doppelhaushalt Jahresüberschüsse von 74.650 Euro beziehungsweise 41.300 Euro eingeplant. Mit diesen Beträgen soll das Eigenkapital der Ferienstätte aufgestockt werden.

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Superintendent Dr. Christof Grote (Mitte) betonte noch einmal, dass auch unter den veränderten Rahmenbedingungen klar sein müsse, dass die Sanierung des Hauses „Alter Leuchtturm“ ohne Kirchensteuermittel erfolgen soll (Foto: EKKLP)

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