Kirchliche Träger schildern beim Austausch mit Dr. Gregor Kaiser massive Probleme bei der eigenen Kita-Finanzierung
Auf Einladung des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg trafen sich kirchliche Vertreter mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Gregor Kaiser (Bündnis 90/Die Grünen) zum Thema „Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz)“. Im Evangelischen Familienzentrum „Schatzkiste am Annaberg“ in Lüdenscheid schilderten sie eindrücklich die existenziellen Herausforderungen der kirchlichen Kita-Arbeit.
Der Kirchenkreis betreibt im Trägerverbund 17 Kindertagesstätten mit 280 Beschäftigten und über 1.000 Betreuungsplätzen, hinzu kommen noch weitere Einrichtungen von Kirchengemeinden. Doch die Finanzierung gerät zunehmend unter Druck: Der Trägeranteil liegt bei 10,3 Prozent. Ohne die freiwillige Unterstützung vieler Kommunen müsste der Kirchenkreis von den 11 Millionen Euro Kirchensteuermitteln jährlich zwei Millionen Euro in die Kita-Arbeit investieren. Mit diesen Zuschüssen sind es immerhin noch ca. 1,2 Million pro Jahr.
Als sog. „reicher Träger“ wird der Kirche dieser hoher Eigenanteil zugerechnet. Das ist unter den veränderten Rahmenbedingungen zunehmend problematisch und stellt das kirchliche Engagement in diesem Bereich infrage. Dafür sorgen die sinkenden Kirchensteuern, welche die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden und des Kirchenkreises seit Jahren deutlich weniger werden lässt. Rückläufige Kinderzahlen schmälern die KiBiz-Mittel zusätzlich.
Freiwillige kommunale Zuschüsse sind zudem befristet, unterschiedlich hoch und unsicher, da viele Kommunen selbst vor der Haushaltssicherung stehen. „Der finanzielle Kuchen wird nicht größer, ganz im Gegenteil. Die Existenz unserer Kitas ist gefährdet“, warnt Dirk Cechelius, Geschäftsführer des Trägerverbunds der Evangelischen Kindertageseinrichtungen.
Auch die Gebäudefrage verschärft die Lage. Eigene Immobilien können nicht auf den Trägeranteil angerechnet werden, obwohl die Kirche für Sanierungen oft hunderttausende Euro stemmen muss. Dies fällt umso schwerer, als der Kirchenkreis und seine Gemeinden in den letzten Jahren zahlreiche Kirchen schließen mussten, weil sie finanziell nicht mehr tragbar waren.
„Uns ist die Kita-Arbeit sehr wichtig, und wir wollen sie in der Fläche weiterhin gut leisten“, betont Superintendent Pfr. Dr. Christof Grote. „Doch die finanzielle Gesamtentwicklung ist für Kirchenkreis und Gemeinden sehr schwierig geworden. Ohne Änderungen stehen wir irgendwann vor der Wahl: Kita-Arbeit fortführen oder eine Kirche offenhalten. Beides wird dann nicht mehr möglich sein.“ Grote engagiert sich daher mit Gesprächen auf allen Ebenen: „Die drohende Problematik muss allen Beteiligten klar sein. Noch können wir gemeinsam Lösungen finden – dafür brauchen wir die Unterstützung der politisch Verantwortlichen.“
Dr. Gregor Kaiser nahm die kirchlichen Sorgen ernst. Für ihn steht fest: Wenn die Kirche ihre Kitas aufgeben muss, wird die Betreuung für Kreise und Kommunen deutlich teurer, da diese die Aufgaben dann vollumfänglich übernehmen müssten. Er versprach das Anliegen des Kirchenkreises in Düsseldorf noch einmal zur Sprache zu bringen und auf die möglichen Entwicklungen und Gefahren angemessen hinzuweisen.

