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Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt

Das Beratungsjahr auf dem Ausbildungsmarkt hat eine wichtige Wegmarke erreicht: Es ist Halbzeit. Die Agentur für Arbeit Siegen zieht eine erste Bilanz und blickt auf die aktuellen Entwicklungen im Agenturbezirk. Weiterhin gilt: Noch ist vieles in Bewegung.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich ein leichter Rückgang bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern. 1.506 Ausbildungsinteressierte haben sich bislang an die Agentur für Arbeit gewandt. Das sind 60 Personen weniger als noch im letzten Jahr.

Bei den Ausbildungsstellen zeigt sich ein deutlicher Rückgang in den gemeldeten Stellen. Zum Stichtag im März waren 2.960 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind rund 11% oder 374 Stellen weniger als im Vorjahr. Im März des vergangenen Jahres waren es 3.334 Stellen.

Hinweis in eigener Sache: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist aktuell unterzeichnet. Es wird geschätzt, dass in Siegen rund 120 Ausbildungsstellen untererfasst sind. Hintergrund sind veränderte Prozesse in Fachverfahren der Bundesagentur für Arbeit. Diese müssen noch in die statistische Erhebung integriert werden, dies wird im Sommer abgeschlossen sein.

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Gemeldete Bewerberinnen und Bewerber sowie betriebliche Ausbildungsstellen
Datenquelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Auch wenn die Zahl der gemeldeten Stellen aktuell noch nicht vollständig ist, ist gleichwohl von einem signifikanten Rückgang auszugehen. Die derzeit ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prägen den Ausbildungsmarkt spürbar.

„Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sehen sich angesichts unsicherer Auftragslagen gezwungen, Entscheidungen zur Ausbildung und Fachkräftesicherung zunächst aufzuschieben oder in geringerem Umfang auszubilden“, erläutert Simone Stuhrmann. „Auch wenn dies nachvollziehbar ist, besteht die Gefahr, dass in drei bis vier Jahren, wenn immer mehr erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen, die Nachwuchskräfte fehlen.“

Unverändert bleibt die grundlegende Marktsituation: Es gibt weiterhin deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. Rein rechnerisch stehen für  für jeden gemeldeten Jugendlichen zwei Ausbildungsstellen zur Verfügung. Der Ausbildungsmarkt ist somit nach wie vor ein Bewerbermarkt – mit guten Chancen für junge Menschen, die aktuell noch auf der Suche sind oder bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Die Agentur für Arbeit unterstützt hier aktiv mit Beratungs- und Orientierungsangeboten. Flexibilität bleibt ein wichtiger Faktor für das Matching. Es gelingt umso besser, je flexibler beide Seiten sind: Je offener die jungen Menschen an ihre Stellensuche herangehen und auch den Blick auf weniger bekannte Berufe werfen und je mehr die Betriebe jungen Menschen mit Unterstützungsbedarfen eine Chance geben.

Strukturell macht sich in diesem Jahr das Ausbleiben eines Abiturjahrganges durch den Wechsel vom achtjähigen (G8) zum neunjährigen (G9) Gymnasium bemerkbar. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulreife ist spürbar zurückgegangen.

Gleichzeitig zeigt sich ein weiterer Trend: Der Anteil an Ausbildungsinteressierten mit ausländischer Staatsangehörigkeit steigt weiter. Aktuell verfügen 25,8 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber über einen ausländischen Pass. Während die Zahl deutscher Bewerberinnen und Bewerber zurückging (-116), ist die Zahl der ausländischen Bewerberinnen und Bewerber erneut gestiegen (+56). „Zuwanderung trägt inzwischen spürbar dazu bei, das Ausbildungsinteresse stabil zu halten und ist ein wichtiger Faktor für unsere Region“, erläutert Stuhrmann.

Bei den Berufswünschen dominieren weiterhin die kaufmännischen Berufe. Besonders gefragt sind Ausbildungen zur Kauffrau / zum Kaufmann für Büromanagement sowie zur Industriekauffrau / zum Industriekaufmann. Auch der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers mit Schwerpunkt PKW-Technik stellt eine beliebte Option dar. 

Auf der Seite der gemeldeten Ausbildungsstellen stehen ebenfalls kaufmännische Berufe im Vordergrund. An der Spitze die Kaufleute im Einzelhandel gefolgt von Verkäuferinnen und Verkäufern sowie den Industriekaufleuten. Der Einzelhandel verzeichnet einen sogenannten Überhang an gemeldeten Stellen.

Eine gute Möglichkeit, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sowohl Unternehmen als auch jungen Menschen Perspektiven zu öffnen, bietet die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ). Dabei handelt es sich um ein Langzeitpraktikum – maximal ein Jahr – das beiden Seiten die Chance bietet, sich über einen längeren Zeitraum kennenzulernen. So können Potentiale erkannt und eine Brücke in Ausbildung gebaut werden. Die Agentur für Arbeit fördert die EQ mit einem Zuschuss zur Praktikumsvergütung. Außerdem kann der Teilnahmezeitraum auf eine sich anschließende Ausbildung angerechnet werden. „Für junge Menschen stellt die Einstiegsqualifzierung eine wertvolle Möglichkeit dar, ihre Fähigkeiten praktisch unter Beweis zu stellen und Betriebe lernen potentielle Auszubildende kennen. Es wäre wünschenwert, wenn viele Betriebe diese Gelegenheit nutzen und jungen Menschen durch eine solche Option erste Einblicke in die Ausbildung ermöglichen. Sobald sich die wirtschaftliche Lage verbessert, kann die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses unmittelbar beginnen“, so Simone Stuhrmann.

Wichtige Telefonnummern Kontaktmöglichkeiten:
0271 2301 800: Servicenummer für Jugendliche
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/siegen/berufsberatung

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