Für das schulische Projekt „Memory Keepers – Echoes of the Past, Voices for the Future“ reisten Schülerinnen und Schüler der St.-Ursula-Realschule im Zuge des Förderprogramms „Erasmus+ Mobilität“ nach Südfrankreich.

Dort begegneten sie ihren französischen Partnerinnen und Partnern des Collège Le Plantaurel in Cazères knapp 60 Kilometer südlich von Toulouse, um gemeinsam an Biografien von im Zweiten Weltkrieg deportierten Menschen des Convoi 77 zu arbeiten, Erinnerungsorte zu besuchen und ein sichtbares Zeichen für Demokratie, europäische Verständigung und eine gemeinsame Zukunft zu setzen.
Ausgangspunkt dieser besonderen Begegnung war das internationale, digitale eTwinning-Projekt, an dem sich die St.-Ursula-Realschule beteiligt, das sich über das gesamte Schuljahr erstreckt und neben Deutschland und Frankreich auch Partnerschulen aus Rumänien und der Ukraine dauerhaft digital miteinander verbindet.
Recherchen in internationalen Teams

In internationalen Teams recherchierten die Jugendlichen nun gemeinsam vor Ort in Frankreich im Rahmen dieses „Erasmus+“-Projekts historische Quellen, analysierten Archive und verfassten Texte, die später veröffentlicht werden sollen. Dabei ging es nicht nur um historisches Lernen, sondern auch um Empathie, demokratische Bildung und die Frage, welche Verantwortung junge Menschen heute tragen.
„Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte und ein respektvoller Umgang miteinander keine Selbstverständlichkeit mehr sind, ist es wichtig, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen und sich aktiv mit Geschichte auseinandersetzen“, erklärte Lehrerin Tanja Burkhardt, die das internationale Projekt für die St.-Ursula-Realschule begleitet: „Die Begegnung in Frankreich hat gezeigt, wie wichtig europäische Zusammenarbeit und persönliche Begegnungen für eine lebendige Erinnerungskultur sind.“
Teilnahme an Gedenkveranstaltung zum 8. Mai
Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Musée Départemental de la Résistance et de la Déportation in Toulouse. Dort setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte von Widerstand, Verfolgung und Deportation auseinander und erlebten Geschichte an einem authentischen Erinnerungsort.
Ein emotionaler Höhepunkt der Reise war die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai im französischen Dorf Marsoulas. Gemeinsam mit ihren französischen Partnerinnen und Partnern gestalteten die Jugendlichen die Zeremonie aktiv mit. Marsoulas ist bis heute ein bedeutender Erinnerungsort, denn dort verübten Einheiten der Waffen-SS am 10. Juni 1944 ein Massaker an der Zivilbevölkerung.
„Friendship Drink“ mit französischen Partnern
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung trugen die Jugendlichen gemeinsam eine bearbeitete Version des Gedichts „Liberté“ von Paul Éluard vor und präsentierten ein selbst gestaltetes Bild, das die Bedeutung von Frieden, Demokratie und gemeinsamer europäischer Verantwortung verdeutlichte. Im Anschluss an die Zeremonie fand gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des deutsch-französischen Partnerschaftskomitees („Comité de Jumelage“) ein sogenannter „Friendship Drink“ statt, der den Gedanken europäischer Verständigung und Freundschaft unterstrich.
„Besonders bewegend war für mich die Gedenkfeier in Marsoulas“, berichtete eine teilnehmende Schülerin: „Es war etwas anderes, Geschichte nicht nur im Unterricht zu lernen, sondern gemeinsam mit anderen Jugendlichen an einem echten Erinnerungsort zu sein.“
Großartiges „Rundum-Erlebnis“

Neben der Projektarbeit ermöglichte die Unternehmung auch intensive interkulturelle Begegnungen. Durch die Unterbringung in Gastfamilien, die Zusammenarbeit in internationalen Gruppen und gemeinsame Aktivitäten entstanden neue Freundschaften und ein lebendiger europäischer Austausch.
Das „Erasmus+“-Projekt hat damit eindrucksvoll gezeigt, wie europäische Zusammenarbeit, historisches Lernen und demokratische Bildung miteinander verbunden werden können. Die Jugendlichen wurden zu „Memory Keepers“ – zu jungen Menschen, die Erinnerung bewahren und zugleich Verantwortung für die Zukunft Europas übernehmen.




