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Ein Ausbildungsweg mit Unterstützung

Grau in Grau zeigt sich an diesem Tag das späte Winterwetter. Doch an ihrem Schreibtisch sitzt eine junge Frau, die genau das Gegenteil ausstrahlt: Zuversicht. Sarfina Hajdaraj absolviert derzeit ihre Ausbildung bei der Agentur für Arbeit Siegen – und blickt auf einen Weg zurück, der von Herausforderungen geprägt war, die sie aber nie davon abgehalten haben, an sich zu glauben.

Die 19-Jährige Rollstuhlfahrerin hat im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen bereits verschiedene Bereiche kennengelernt. Sie war am Empfang tätig, bearbeitete Anträge und führte erste eigene Gespräche mit Kundinnen und Kunden. Was sie dabei auszeichnet, ist ihre besondere Stärke: Empathie. „Nur wer Menschen auf Augenhöhe begegnet, kann wirklich helfen“, sagt sie. Das schönste Kompliment, das sie bislang erhalten habe, sei der Satz: „Sie sind sowas wie mein Hoffnungsschimmer.“

Besonders gern führt Sarfina Kundengespräche. „Ich habe das Privileg, helfen zu dürfen.“ Der Weg in die Ausbildung war allerdings kein geradliniger. Schon früh kam sie mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Kontakt, probierte sich aus und absolvierte Praktika – unter anderem in einem Autohaus. Autos sind bis heute ihre Leidenschaft, doch das soziale Miteinander fehlte ihr. „Es hat sich für mich nicht stimmig angefühlt.“

Der Impuls für eine Bewerbung bei der Bundesagentur für Arbeit kam aus der hiesigen Berufsberatung. Dort wurde ihr im Gespräch der Vorschlag unterbreitet: „Komm doch zu uns.“ Eine Idee, die in Sarfina nach und nach reifte. Ermutigt wurde sie schließlich von ihrer Schwester – ihrem „Rücken“, wie Sarfina sagt. Als die Zusage nach dem Vorstellungsgespräch kam, war die Freude groß. „Herzlich willkommen bei der Bundesagentur für Arbeit“ – dieser Satz markiert für sie einen Wendepunkt. Heute sieht sie in ihrer Ausbildung nicht nur einen Beruf, sondern eine echte Chance auf ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Unterstützung werde sie auch weiterhin brauchen, sagt sie offen. „Aber ich bin auch Gestalterin.“

Damit ihre Ausbildung gelingen kann, erhält sie gezielte Leistungen der beruflichen Rehabilitation. So werden unter anderem die Kosten für eine Begleitperson übernommen, wenn sie an Seminartagen oder Lehrgängen teilnimmt. Auch die Beförderungskosten für ihren täglichen Weg zur Arbeit – in ihrem Fall per Taxi – werden getragen. Diese passgenauen Unterstützungsleistungen schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen, damit Ausbildung trotz Beeinträchtigung möglich wird.

Dass Ausbildung mit Beeinträchtigung gelingen kann, bestätigt auch ihre zuständige Reha-Beraterin Karin Wirth: „Ihre Willensstärke ist beeindruckend. Sie ist sehr reflektiert, professionell und für ihr Alter außergewöhnlich reif.“

Für die Agentur für Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt. Sarah Georg, Teamleitung Berufliche Rehabilitation und Teilhabe bei der Siegener Arbeitsagentur, hebt die Bedeutung individueller Beratung hervor: „Sarfinas Weg zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Motivation, familiärer Rückhalt und passgenaue Unterstützung zusammenkommen. Genau darum geht es uns: junge Menschen individuell zu begleiten und ihnen echte berufliche Perspektiven zu eröffnen – gemeinsam mit engagierten Arbeitgebern.“

Sarfina selbst richtet einen klaren Appell an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: „Traut euch, Menschen mit Beeinträchtigungen eine Chance zu geben. Ihr werdet mit loyalen Arbeitskräften belohnt – auch wenn es Zeit, Geduld und Offenheit braucht.“

Damit solche Wege möglich werden, braucht es ein starkes Netzwerk. Die Agentur für Arbeit unterstützt sowohl junge Menschen als auch Arbeitgeber mit vielfältigen Förder- und Unterstützungsangeboten – von individueller Beratung über Ausbildungs- und Eingliederungszuschüsse bis hin zu technischer Ausstattung und begleitender Unterstützung. Ziel ist es, gemeinsam Perspektiven zu schaffen und Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Zugleich wird deutlich: Berufliche Teilhabe gelingt dann besonders gut, wenn verschieden Akteure ein gemeinsames Ziel verfolgen. In der Praxis bedeutet das, dass Institutionen, Beratungsstellen, Arbeitgeber und soziale Träger Hand in Hand arbeiten.

Sarfina weiß, dass ihr Weg ohne den Rückhalt ihrer Familie so nicht möglich wäre. Sie betont, wie viel Unterstützung sie dort erfährt – und dass diese oft mit eigenen Einschränkungen verbunden ist. „Meine Familie ist mein Cheerleader-Team“, sagt sie. Der Weg sei oft anstrengend gewesen, geprägt von Arztterminen, Therapien und Durchhaltevermögen. „Ich wollte oft aufgeben. Aber ich habe gelernt: Beeinträchtigt bin ich nur, solange ich mir das einrede.“

Kontakt zur Reha-Beratung der Agentur für Arbeit Siegen:

Montag bis Freitag, 8-18 Uhr unter der kostenfreien Servicenummer 0800 4 555500 oder online unter https://www.arbeitsagentur.de/menschen-mit-behinderungen

Kontakt zum Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Siegen:

Montag bis Freitag, 8-18 Uhr unter der kostenfreien Servicenummer 0800-4 5555 20 oder online unter https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitgeber-service

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