Freitag, 04. April 2025

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Arz­nei­mit­tel für Schmerz­pa­ti­en­ten und Ster­bens­kran­ke knapp

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um sieht eine Ent­span­nung bei Arz­nei­mit­tel­eng­päs­sen – die Apo­the­ken vor Ort beur­tei­len das ganz anders. Aktu­ell sor­gen sie sich, weil opio­id­hal­ti­ge Schmerz­mit­tel knapp sind.

Es sind wie­der mehr Arz­nei­mit­tel für Kin­der ver­füg­bar, will eine Arbeits­grup­pe des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums her­aus­ge­fun­den haben. Eine Fest­stel­lung, die Ulf Ullen­boom, Vor­sit­zen­der der Bezirks­grup­pe Olpe im Apo­the­ker­ver­band West­fa­len-Lip­pe (AVWL), nicht recht tei­len kann. Vor allem aber warnt er: „Lie­fer­eng­päs­se gibt es nicht nur bei Kin­der­arz­nei­mit­teln, son­dern auch bei Medi­ka­men­ten für Erwach­se­ne – mit eben­so dra­ma­ti­schen Fol­gen für die Betrof­fe­nen. Aktu­ell sind bei­spiels­wei­se eini­ge opio­id­hal­ti­ge Mit­tel, mit denen Schmerz- und Pal­lia­tiv­pa­ti­en­ten behan­delt wer­den, mas­siv von Eng­päs­sen betrof­fen.“ Dies sei ins­be­son­de­re bei der Ver­sor­gung von Pati­en­ten in Pfle­ge­hei­men ein Pro­blem. Beson­ders nied­rig dosier­te Prä­pa­ra­te fehl­ten. Die Fol­ge sei, dass häu­fig unnö­tig höher dosiert wer­den müs­se und damit das Risi­ko von uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen stei­ge.

In den Apo­the­ken vor Ort wür­den die Beschäf­tig­ten zumeist Lösun­gen für die Pati­en­ten fin­den, beru­higt Ulf Ullen­boom. Er warnt aber auch: „Auf­grund der bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit den Lie­fer­eng­päs­sen wis­sen wir, dass zumeist ein Schnee­ball­ef­fekt ein­setzt: Ist ein Prä­pa­rat knapp, müs­sen wir auf eine Alter­na­ti­ve aus­wei­chen, die auf­grund der erhöh­ten Nach­fra­ge als­bald auch nicht mehr zu bekom­men ist.“

Sal­bu­t­amol eben­falls knapp
Wäh­rend das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um mit einer Geset­zes­än­de­rung im ver­gan­ge­nen Jahr ver­sucht habe, zumin­dest bei den Kin­der­arz­nei­mit­teln Lösun­gen zu fin­den, fehl­ten wirk­sa­me Ansät­ze bei den Medi­ka­men­ten für Erwach­se­ne nach wie vor. So sei­en auch sal­bu­t­amol­hal­ti­ge Mit­tel zur Behand­lung von Asth­ma­ti­kern und COPD-Pati­en­ten schwer ver­füg­bar, nennt Ulf Ullen­boom wei­te­re Bei­spie­le aus dem Apo­the­ken­all­tag. Noch immer stün­den auf der Eng­pass­lis­te des Bun­des­in­sti­tuts für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te annä­hernd 470 Ein­trä­ge. „Und selbst bei den Prä­pa­ra­ten für Kin­der grei­fen die Maß­nah­men nicht recht“, so Ulf Ullen­boom. Nach wie vor gebe es bei jedem zwei­ten Anti­bio­ti­ka­saft Pro­ble­me.

„Wir fin­den Alter­na­ti­ven – das setzt aller­dings vor­aus, dass es auch Apo­the­ken gibt, die sich in direk­ter Abspra­che mit dem Pati­en­ten und dem Arzt um die Pro­ble­me küm­mern kön­nen. Und es setzt gera­de im Fall der opio­id­hal­ti­gen Schmerz­mit­tel vor­aus, dass in die­sen Apo­the­ken auch Apo­the­ker arbei­ten“, so Ulf Ullen­boom. Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter pla­ne der­zeit eine Struk­tur­re­form und wol­le Apo­the­ken schaf­fen, in denen kein Apo­the­ker mehr anwe­send sein müs­se. „Dort dür­fen dann aber kei­ne Betäu­bungs­mit­tel wie Mor­phi­ne abge­ge­ben wer­den. Eben­so wenig kön­nen ohne Apo­the­ker bei­spiels­wei­se umfang­rei­che Medi­ka­ti­ons­be­ra­tun­gen und Imp­fun­gen durch­ge­führt wer­den“, kri­ti­siert Ulf Ullen­boom die Vor­schlä­ge der Poli­tik und fügt hin­zu: „Die Plä­ne des Minis­ters haben wei­te Wege für Pati­en­ten zur Fol­ge und bedeu­ten letzt­lich deut­li­che Leis­tungs­kür­zun­gen für die Bür­ger.“

Der Apo­the­ker­ver­band West­fa­len-Lip­pe e.V. (AVWL):
Die Apo­the­ken in West­fa­len-Lip­pe ver­sor­gen die Bevöl­ke­rung mit lebens­wich­ti­gen Arz­nei­mit­teln, sie bera­ten die Men­schen kom­pe­tent und ver­trau­lich und erbrin­gen wohn­ort­nah phar­ma­zeu­ti­sche Dienst­leis­tun­gen. Der AVWL ver­tritt die Inter­es­sen von rund 1.300 Apo­the­ken­in­ha­bern mit 1700 Haupt- und Fili­al­apo­the­ken. Er ver­steht sich als Zweck­ver­band für die wirt­schaft­li­chen, recht­li­chen und berufs­po­li­ti­schen Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der und ver­tritt die­se nach außen. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.apothekerverband.de.

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