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Musik als tiefes Zeichen für Versöhnung

Lüdenscheider Vokalensemble zu Gast in Coventry

Seit mehr als 30 Jahren ist der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg festes Glied der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Um diese lebendige Partnerschaft weiter zu vertiefen, reiste das Lüdenscheider Vokalensemble zu einer fünftägigen Pilgerschaft an die Wiege dieser historischen Friedenserzählung: in die englische Partnerstadt Coventry. 17 Sängerinnen und Sänger brachten dabei nicht nur anspruchsvolle geistliche Chormusik zu Gehör, sondern setzten in Zeiten globaler politischer Spannungen ein tiefes Zeichen für Versöhnung.

Klangvoller Protest in den Ruinen.
Das Programm der Reise war eine dichte Verbindung von thematischer Arbeit und hochkarätiger Musik. Unter dem Eindruck der historischen Ruinen der 1940 durch deutsche Luftangriffe zerstörten Kathedrale erarbeiteten die Chormitglieder in Workshops, unter anderem mit Canon Kate Massey (Kanonikerin für Kunst und Versöhnung), die Kernfragen moderner Friedensarbeit.

Symbolisch trugen die Teilnehmenden während der Tage kleine Steine mit sich, die für persönliche Lasten und gesellschaftliche Gräben standen, um sie schließlich in den Nischen der Ruine abzulegen.

Musikalisch spiegelte sich diese innere Suche im Repertoire wider: Von Rudolf Mauersbergers ergreifender Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ über die dichten Harmonien von Johannes Brahms und Heinrich Schütz bis hin zu zeitgenössischen englischen Klängen von Bob Chilcott wurden die Proben und Auftritte zu einer klanglichen Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Großes Gemeinschaftskonzert und feierlicher Festgottesdienst.
Den Höhepunkt der Reise bildeten die gemeinsamen Auftritte am Wochenende. Am Samstag präsentierte das Ensemble in der Kathedrale sein vielbeachtetes Konzertprogramm. Am Sonntagmorgen folgte der krönende Abschluss: Ein feierlicher Festgottesdienst (The Cathedral Eucharist), bei dem das Lüdenscheider Vokalensemble im Chorgestühl mit dem Coventry Cathedral Chamber Choir zu einer einzigen, gewaltigen internationalen Chorgemeinschaft verschmolz.
Unter der abwechselnden Leitung des englischen Musikdirektors Liam Condon und des Lüdenscheider Chorleiters Patrick Kampf gestalteten die Chöre die Liturgie. Als glanzvoller Höhepunkt erklang Felix Mendelssohn Bartholdys strahlendes Anthem „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ (Sing and be joyful unto God), an der Orgel kongenial begleitet von Adam Heron.

Das historische Fundament. Die Nagelkreuzgemeinschaft.
Dass diese musikalische Begegnung eine so tiefe Wirkung entfalten konnte, liegt an den historischen Wurzeln, die den Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg seit Jahrzehnten eng mit England verbinden. Nach der verheerenden Zerstörung der mittelalterlichen St. Michael’s Cathedral durch deutsche Bomber am 14. November 1940 rief der damalige Dompropst Richard Howard nicht zu Vergeltung, sondern zur Versöhnung auf. Die Worte „Father Forgive“ (Vater vergib) wurden in die Ruine gemeißelt, und aus drei großen Zimmermannsnägeln der verbrannten Dachbalken entstand das erste Nagelkreuz. Heute verbindet die daraus gewachsene weltweite ökumenische Nagelkreuzgemeinschaft Hunderte von Zentren, die sich aktiv für den Frieden einsetzen.

Aus Tönen werden bleibende Begegnungen.
Wie lebendig dieses Erbe heute noch ist, zeigte sich nach dem feierlichen, anglikanischen Glanz des Gottesdienstes: Beim anschließenden Kirchkaffee vor dem berühmten großen Glasfenster der Kathedrale setzten sich die Begegnungen ganz informell fort. Bei lebendigen Gesprächen und echter britischer Gastfreundschaft wurde spürbar, dass aus den gemeinsamen Klängen tiefe, bleibende Freundschaften erwachsen sind. Das Ensemble kehrt mit reich gefüllten Händen und der festen Absicht zurück, den Geist von Coventry weiter in der heimischen Region lebendig zu halten.

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