Donnerstag, 03. April 2025

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E‑Rezept hol­pernd gestar­tet

„Seit einem Monat ist das E‑Rezept Stan­dard und die Zahl der elek­tro­ni­schen Ver­ord­nun­gen in die Höhe geschnellt“, zieht Ulf Ullen­boom, Vor­sit­zen­der der Bezirks­grup­pe Olpe im Apo­the­ker­ver­band West­fa­len-Lip­pe (AVWL) eine ers­te Bilanz.

Mitt­ler­wei­le ist durch­schnitt­lich jedes zwei­te Rezept ein elek­tro­ni­sches. Wobei in man­chen Apo­the­ken fast aus­schließ­lich E‑Rezepte ankom­men, wäh­rend in ande­ren nur weni­ge ein­ge­löst wer­den. In der vier­ten Janu­ar­wo­che sind nach Anga­ben der Gema­tik, der Digi­ta­l­agen­tur des Bun­des, bun­des­weit 9 Mil­lio­nen E‑Rezepte ein­ge­löst wor­den. In der letz­ten Dezem­ber­wo­che war es gera­de ein­mal eine Mil­li­on.

Erst kommt der Pati­ent, spä­ter das Rezept
Die Apo­the­ken in West­fa­len-Lip­pe sind gut auf­ge­stellt: „Die tech­ni­sche Infra­struk­tur steht seit annä­hernd zwei Jah­ren. Seit Sep­tem­ber 2022 sind wir Apo­the­ken bereits ver­pflich­tet, E‑Rezepte anzu­neh­men. Und die Ärz­te in der Modell­re­gi­on West­fa­len-Lip­pe haben ver­mehrt E‑Rezepte aus­ge­stellt“, so Ulf Ullen­boom. Den­noch tre­te so man­ches Pro­blem nun zuta­ge, seit­dem sich immer mehr Pra­xen anschlie­ßen.

Eines davon: „Manch­mal sind die Pati­en­ten vor dem E‑Rezept in der Apo­the­ke“, berich­tet Ulf Ullen­boom. Der Grund: Vie­le Ärz­te signie­ren die ein­zel­nen E‑Rezepte aktu­ell nicht sofort, son­dern alle Ver­ord­nun­gen gebün­delt zum Bei­spiel am Ende des Pra­xis­ta­ges. Kom­men die Pati­en­ten direkt nach dem Arzt­be­such mit ihrer elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te in die Apo­the­ke, haben die Mit­ar­bei­ter noch kei­nen Zugriff auf das E‑Rezept. Tech­nisch aber sei es grund­sätz­lich mach­bar, dass die Pra­xen mit der so genann­ten Kom­fort­si­gna­tur die Rezep­te sofort frei­schal­ten. „Und in aku­ten Fäl­len ist das auch drin­gend erfor­der­lich, wenn der Pati­ent mit dem The­ra­pie­be­ginn nicht bis zum Abend oder gar nächs­ten Tag war­ten kann“, so Ulf Ullen­boom.

Bedürf­nis nach Bera­tung hoch
Ein zwei­tes Pro­blem: „Vie­le Pati­en­ten sind ver­un­si­chert, weil sie auf der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te nicht sehen kön­nen, was der Arzt ver­ord­net hat. Ihnen fehlt die Kon­troll­mög­lich­keit“, so Ulf Ullen­boom. Das Bera­tungs­be­dürf­nis der Pati­en­ten sei daher wei­ter gestie­gen. „Pati­en­ten haben zwar grund­sätz­lich einen Anspruch, in der Arzt­pra­xis einen Papier­aus­druck zu bekom­men, aber wir wol­len ja nicht zuletzt aus Umwelt­grün­den eigent­lich weg von Papier“, so Ulf Ullen­boom.

Schutz vor Regres­sen gefor­dert
Eine gro­ße Sor­ge der Apo­the­ken: Die Tech­nik lässt es zu, dass Ärz­te Rezep­te in der Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur erstel­len, die klei­ne for­ma­le Feh­ler auf­wei­sen. Für die Apo­the­ken sind die­se kaum zu kon­trol­lie­ren. „Es darf aber kei­nes­falls sein, dass die Kran­ken­kas­sen, wie sie es auch beim rosa­far­be­nen Rezept so oft tun, am Ende für sol­che Feh­ler die Apo­the­ken in Regress neh­men. Davor müs­sen die Apo­the­ken geschützt wer­den. Egal ob Papier oder elek­tro­nisch: Die Apo­the­ken dür­fen für Form­feh­ler, die ande­ren unter­lau­fen sind, nicht in Regress genom­men wer­den“, for­dert Tho­mas Rochell, AVWL-Vor­stands­vor­sit­zen­der. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um als Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter der Gema­tik, müs­se Sor­ge dafür tra­gen, dass das nicht pas­siert.

Trotz allem aber sei das E‑Rezept eine gro­ße Chan­ce, so Ulf Ullen­boom. „Es ver­ein­facht vie­les für die Pati­en­ten.“ Zum Bei­spiel müs­sen Pati­en­ten für ein Fol­ge­re­zept nicht mehr unbe­dingt in die Arzt­pra­xis, sofern sie im lau­fen­den Quar­tal bereits ihre Gesund­heits­kar­te vor­ge­legt haben. Die Rezep­te könn­ten kon­takt­los über­mit­telt wer­den. Wer die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen habe, die E‑Re­zept-App der Gema­tik zu nut­zen, kön­ne das E‑Rezept sei­ner Apo­the­ke vor Ort online über­mit­teln – und sich unter Umstän­den per Boten­dienst brin­gen las­sen. E‑Rezepte könn­ten auch nicht ver­lo­ren gehen. „Und im Zusam­men­spiel mit der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te kann die Ver­sor­gung der Pati­en­ten wei­ter ver­bes­sert wer­den“, sagt Ulf Ullen­boom. Des­halb müss­ten die­se Start­pro­ble­me nun schnell gelöst wer­den. „Und alle Fra­gen rund um das E‑Rezept wer­den in allen Apo­the­ken vor Ort ger­ne beant­wor­tet.“

Der Apo­the­ker­ver­band West­fa­len-Lip­pe e.V. (AVWL):
Die Apo­the­ken in West­fa­len-Lip­pe ver­sor­gen die Bevöl­ke­rung mit lebens­wich­ti­gen Arz­nei­mit­teln, sie bera­ten die Men­schen kom­pe­tent und ver­trau­lich und erbrin­gen wohn­ort­nah phar­ma­zeu­ti­sche Dienst­leis­tun­gen. Der AVWL ver­tritt die Inter­es­sen von rund 1.300 Apo­the­ken­in­ha­bern mit 1700 Haupt- und Fili­al­apo­the­ken. Er ver­steht sich als Zweck­ver­band für die wirt­schaft­li­chen, recht­li­chen und berufs­po­li­ti­schen Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der und ver­tritt die­se nach außen. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.apothekerverband.de

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