Die Initiatoren und Förderer

40 Kids aus Attendorn haben sich im Namen der Kinderrechte auf den vier Stadtwällen verewigt. Am 29.08.2020 wurde er offiziell eingeweiht: der bundesweit einmalige „Weg der Kinderrechte“. Nicht nur die Kids, auch die Stadt freut sich über die individuell gestalteten Schilder an exponierten Stellen rund um die Innenstadt.
Nach mehr als drei Jahren kommt das Projekt zu einem “runden” Abschluss. Das Motiv der Informationstafeln – ein Geschenk des Kinderschutzbundes an das verantwortliche Team (s. Eckdaten). Marlies Backhaus resümiert: “Mein Herzblut fließt über die Wälle. Und ich schaue mit den Kindern stolz auf ihre 38 gelungenen “Lollis”.“

Jan Backhaus dokumentiert die Gestaltung der Lollis (Foto: Marlies Backhaus)

Die kreisrunden Bilder in drei Metern Höhe erinnern an riesige Lollis. Die farbenfrohen Hingucker sind Träger persönlicher und zugleich universeller Botschaften: Wünsche und Rechte von jungen Attendornern, angelehnt an die Genfer Kinderrechtskonvention.
Ein Lolli steht symbolisch für Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, Spaß, ,„Buntheit“… – Attribute einer idealen Kindheit. In diesem Sinne formulierten 1989 die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention. Kinder haben ein Recht auf Leben, Bildung, Schutz, Nahrung, Meinungsfreiheit, Gesundheit, Ruhe, Spiel… Nicht überall auf der Welt werden diese Rechte als selbstverständlich be- und geachtet.

Auf jedem Lolli ist ein Wunsch der Kinder festgehalten; hier ein paar Beispiele (Foto: Jan Backhaus)

Künstlerische Interventionen im Stadtbild

Junge Menschen sind besonders schutzbedürftig, auch bei uns…
Es war dem verantwortlichen K.I.A.-Team ein Anliegen, dieses gesellschaftlich relevante Thema Kindern und Jugendlichen spielerisch „schmackhaft“ zu machen. Eines der Kernziele der Initiatoren. Begonnen hat alles im Jahr 2014, als sich die K.I.A.-Initiatoren zusammen schlossen unter dem Slogan

„Fühl dich zuhause in Attendorn – Mach die Stadt zu deiner Stadt“.

Zwei heimische Künstler und das Jugendzentrum gründeten „K.I.A. – Kids in Attendorn“. Diese Initiative will durch spannende künstlerische Aktivitäten die Identifikation jüngerer Bewohner mit ihrer Heimatstadt stärken und sie ihrerseits in den gesellschaftlichen Fokus rücken. Es soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, ihre künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken und etwas Bleibendes zu schaffen, das alle Kinder und Jugendlichen ihrer Stadt betrifft, auch die Geflüchteten, die hier in Attendorn eine neue Heimat finden.Die dauerhaft Installation “Der Weg der Kinderrechte” war das größte und aufwendigste Vorhaben von K.I.A..

Im “Atelier auf Zeit”

Nach langwieriger Planung und Kampf um Genehmigung, konnte die Projektgruppe ab 2017 mit finanzieller Unterstützung (s. Infotafel) die Wälle “beschildern” und damit künstlerische und kulturrelevante Farbakzente in der Stadt setzen.
Als Arbeitsraum diente u.a. ein vom Bürgermeister zur Verfügung gestelltes Ladenlokal mitten in der Altstadt. Hier hatten die Attendorner Bürger Gelegenheit, den kompletten Entstehungsprozess der Werke zu verfolgen.

Jugendliche beim experimentellen Spachteln mit Acrylfarbe (Foto: Jan Backhaus)

Die Idee überdimensionaler „Lollis“ als Träger der selbst formulierten Botschaften kam dem kindlichen Gestaltungsdrang sehr entgegen. Und dass diese Lollis später als große Schilder in der Stadt aufgestellt werden, war ein besonderes Highlight.
Über den Zeitraum von drei Jahren entwarfen immer neue Teilnehmer auffällige kreisförmige Bilder in unterschiedlichen bildnerischen Techniken. So entstanden Darstellungen von fast echt wirkenden Lollis, auf denen sich der scheinbare Zuckerguss spiralig ausbreitete, oder auch rein abstrakte Farb-Spiele und -Verläufe, bei denen die jungen Teilnehmer mit Acrylfarben auf dem Untergrund fantasievoll experimentierten.

Die Werke werden begutachtet (Foto: Jan Backhaus)

Die meisten der jungen Teilnehmer wussten nicht, dass sie eigene Rechte haben, dass es sogar offizielle „Kinderrechte“ gibt, die ihnen Schutz und ein würdiges Leben bieten sollen. In Gesprächsrunden erfuhren sie von der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1990. Es wurden verschiedene Bereiche angesprochen, wie Gleichbehandlung, Bildung, elterlicher Fürsorge, gewaltfreier Erziehung, Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung, Nahrung, Meinungsfreiheit, Gesundheit, Ruhe, Spiel und Freizeit. Schließlich wurden eigene Wünsche und Ansprüche zusammengetragen und aufgeschrieben.

Nachhaltige Dauerausstellung unter freiem Himmel

Heraus kamen 38 Lollis mit einer Bildseite und einer Bild-/Textseite mit den selbst verfassten Formulierungen ihrer Wünsche und Rechte. Die gemalten und beschriebenen Originale wurden einzeln abfotografiert und beidseitig auf 60 cm runde Schilder aus Metall gedruckt. Am Ende wurden diese auf hohen Stangen auf den Stadtwällen, die als verkehrsberuhigte Straßen die Innenstadt umrunden, aufgestellt. Sie machen die Attendorner Wälle für Bürgermeister Christian Pospischil zu „perfekten Wällen“, um die man in Attendorn kaum herum kommt!

Neben dem Kernziel, nachdrücklich Kinderrechte öffentlich aufzuzeigen, besteht die Nachhaltigkeit dieses Projekts im urbanen Raum darin, dass künstlerisches Arbeiten zur Selbstverwirklichung und dadurch zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Kids beigetragen hat. Im Bewusstsein der Eltern und durch das Feedback aus der Bevölkerung erleb(t)en sie eine positive Wahrnehmung auf ihr Engagement in der Stadt und fordern generations- und kulturübergreifende Dialoge heraus. Das imponiert dem Präsidenten des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers besonders am „Weg der Kinderrechte“.

Die jüngeren Bewohner wurden unmittelbar und aktiv an der Ausgestaltung ihres Lebensumfeldes beteiligt. Und unter Einbeziehung ihrer jungen und frischen Impulse konnten sie behutsame Interventionen im Stadtbild erleben. Sie machen dauerhaft aufmerksam auf ihr Recht, gehört (und gesehen) zu werden. Möglicherweise motiviert sie ihr gestalterisches, kritisches Eingreifen, auch zukünftig Zeichen zu setzen, sich verantwortlich für ihr Umfeld einzusetzen und es schützen zu wollen.

Die jüngeren Kinder beim Malen mit Marlies Backhaus (Foto: Jan Backhaus)


Eckdaten:
K.I.A. – Kids in Attendorn ist eine Initiative für künstlerische Beiträge zur Gestaltung der Attendorner Innenstadt durch junge Menschen im Rahmen eines erweiterten kulturellen Angebots im Jugendzentrum Attendorn. Parallel zum “Weg der Kinderrechte” wurde “Musterhaft zum Biggesee” eine Mauergestaltung am Waldenburger Weg begonnen, die in den kommenden Wochen fortgesetzt wird. Das dritte genehmigte Projekt “Wall of Generations – Bunte Bürger” am Mehr-Generationen-Spielplatz wurde seinerzeit wegen der Planung des Kinos noch zurückgestellt.

Weg der Kinderrechte-Akteure:
Entwürfe der Lolli-Schilder (Malerei, Texte und Schrift): 40 Attendorner Kinder und Jugendliche
Idee: Anna Orsini (Erzieherin) und Marlies Backhaus (Kunstlehrerin im Ruhestand und freischaffende Künstlerin)
Künstlerische Leitung und Bearbeitung der Schilder, Organisatorisches, Erstellung der Broschüre zum Projekt: Marlies Backhaus
Filmdoku und künstlerische Assistenz: Jan Backhaus (Diplomierter Filmemacher)
Montage der Schilder: Peter Gräve (Hausmeister) mit Bufdis und Praktikanten im Jugendzentrum

Broschüre zum Weg der Kinderrechte: erhältlich im Südsauerlandmuseum, Tourist Information
Filmdokumentation: online auf https://youtu.be/VLywlDdgp2k

Die Schilder

Die gemalten Lollis auf weißem Hintergrund, deren Vorder und Rückseite (Bild: Marlies Backhaus)

Ich wünsche mir, dass Kinder nicht verletzt werden (Alisha)
…, dass Kinder vor Ausbeutung geschützt werden (Justus)
…, dass Kinder mehr mitbestimmen dürfen (Karl)
…, dass alle Kinder mehr Freizeit haben (Lisa)
…, dass es weniger Terror und Gewalt auf der Welt gibt (Noel)
…, dass jeder so sein darf, wie er ist (Paulina)
…, meine Meinung sagen zu dürfen (Vicki)
…, dass Kinder vor Gewalt geschützt werden (Yves)
…, dass Kinder nicht unter schrecklichen Bedingungen leben  (Deniz)
…, dass alle Kinder zur Schule gehen können (Farzad)
…, dass jedes Kind genug zu essen hat (Abdul)
…, dass alle Kinder auf der Welt Wasser haben (Anna)
…,  dass unsere Natur geschützt wird (Lena!)

Jedes Kind hat das Recht, vor Mobbing geschützt zu werden (Sofia)
… hat ein Recht auf Leben (Sophia)
… auf seine eigene Kultur (Maryam)
… künstlerisch tätig zu sein (Nele)
… auf ein Dach überm Kopf (Lena)
… auf seine eigene Identität (Alan)
… zu erfahren, was in der Welt vor sich geht (Ramon)
… auf elterliche Fürsorge (Kim)
… auf Schutz vor Drogen (Salanik)
… hat das Recht zu erfahren, was in der Welt vor sich geht (Ramon)
… auf eine intakte Umwelt (Benedikt – gefakt)
… auf Förderung bei Behinderung  (Lisa – gefakt)
… freie Meinungsäußerung und Beteiligung (Jan)
… hat ein Recht auf Bildung (Mehdi)
… hat ein Recht auf seine eigene Identität (Alan)

Kinder haben das Recht, laut zu sein (Sophie)
Kinder dürfen nicht von ihren Familien getrennt werden (Marcel)
Kinder haben das Recht sich auszuruhen (Angelina)
Kinder haben das Recht auf Schutz vor sexuellem Missbrauch (Margi)
Kinder sollen glücklich in der Familie aufwachsen (Louis)
Kinder sollen vor jeglichem Missbrauch geschützt werden (Margi)
Alle Kinder sollen saubere Luft atmen können (Simon)

Anderen empfehlen

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here