Mit einer für ihn eigentlich ungewöhnlich selbstironischen Predigt verabschiedete sich Andreas Schliebener am Sonntag Cantate nach 28 Jahren, 6 Monaten und 1 Tag von seiner Gemeinde als Gemeindepfarrer. Anhand der drei Strophen des Kirchenliedes „Bis hierher hat mich Gott gebracht …“ von Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstaddt ließ er in dem Festgottesdienst, der musikalisch begleitet wurde von der Orgel, dem Posaunen- und dem Kirchenchor, sein Leben Revue passieren und würzte diesen „Lebenslauf“ mit zahlreichen Anekdötchen, die die Gemeinde in der vollbesetzten Erlöserkirche der Hansestadt, darunter viele Vertreter von Kirchen und Politik, oft zum Schmunzeln brachte. Dabei vergaß er auch nicht die zahlreichen Mitstreiter in seinem Leben lobend zu erwähnen.

Pfarrer Andreas Schliebener bei seine Letzten Predigt als Gemeindepfarrer
Zuvor hatte der Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, Dr. Christof Grote, den 63-Jährigen mit den Worten: „Lieber Andreas, in der Verabschiedungsagenda unserer Kirche heißt es: Längst nicht alles im Dienst eines Pfarrers liegt vor Augen. Vieles geschieht im Verborgenen. Und doch können Früchte deines Wirkens wahrgenommen werden. Dafür sind wir dankbar.
Mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnt für Dich eine neue Lebensphase. Auf Grund Deiner Ordination bleibst Du berufen, zu predigen, zu taufen und die Feier des heiligen Abendmahls zu leiten. Du bist aber nun frei von den dienstlichen Pflichten in der Gemeinde, in unserem Kirchenkreis.“
Vorher hatte Dr. Grote, der zusammen mit Andreas Schliebener am 2. November 1997 in der frisch renovierten Erlöserkirche vom damaligen Superintendenten Klaus Majoress in die beiden Pfarrstellen der evangelischen Kirchengemeinde Attendorn eingeführt wurde, an die geleistete Arbeit und seinen Werdegang erinnert.

Im Beisein zahlreicher Votanten entpflichtete Superintendent Dr. Christof Grote (mitte) Pfarrer Andreas Schliebener
Andreas Schliebener entstammt einer musikalischen Pfarrfamilie, die sein ganzes Leben bestimmt hat. Nach dem Abitur begann der gebürtige Lüdenscheider sein Studium der evangelischen Theologie in Wuppertal, bevor er es in Tübingen und Münster fortsetzte. In der Wartezeit nach dem ersten theologischen Examen war er fünf Monate in einem Behindertenheim der ev. Stiftung „De La Tour“ in Treffen (Kärnten) tätig. Sein Vikariat absolvierte er in Witten-Heven. Nachdem zweiten Examen arbeitete er in Linz/Oberösterreich und später in Bad Berleburg.
Wie sich der Superintendent weiter erinnerte, war ein Schwerpunkt von Andreas Schliebeners Arbeit immer die Jugendarbeit und die Musik gewesen, wobei ihm der Kindergottesdienst besonders am Herzen gelegen habe: „Haltet daran fest, hier geht es um unseren Nachwuchs.“ Für diesen Aufgabenbereich habe er dann im Kirchenkreis auch die Synodalbeauftragung übernommen.
Auch im musikalischen Bereich nahm der scheidende Pfarrer die Zügel in die Hand. Sei es beim Posaunenchor, der ohne ihn wohl nicht mehr existieren würde, ebenso wie der Kirchenchor. Auch hier fand er immer wieder Menschen, die mitgemacht haben und seine Begeisterung teilten.

Mit einem Festgottesdienst in der vollbesetzten Erlöserkirche verabschiedete die Gemeinde Pfarrer Andreas Schliebener
Darüber hinaus seien da ja auch noch die „üblichen“ Aufgaben eines Pfarrers gewesen: Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Gottesdienste in den Altenheimen, dem Krankenhaus, den Schulen. „In den ersten Jahren hatten wir zusammen mehr als 70 Schulgottesdienste pro Schuljahr“ so Dr. Grote.
Dazu seien noch die unzähligen Besuche und der Konfirmandenunterricht mit den berühmt-berüchtigten Nachtwanderungen gekommen. Außerdem habe die Gemeinde auch nach außen vertreten werden müssen. Bei vielen Festen und Feiern in der Stadt, bei der Übergabe von Feuerwehrfahrzeugen und vielem mehr sei auch die Anwesenheit eines evangelischen Pfarrers erwünscht gewesen.
Seit einigen Jahren habe sich allerdings vieles geändert: Aus seiner Zuständigkeit für einen Attendorner Pfarrbezirk sei die Zuständigkeit für ganz Attendorn und Finnentrop geworden. In der Großgemeinde ,Attendorn-Lennestadt, in der die vier ehemaligen Gemeinden Attendorn, Finnentrop, Grevenbrück und Lennestadt-Kirchhundem zusammen geschlossen seien.
Bei dem sich dem Gottesdienst anschließenden Empfang gab es für den frischgebackenen Ruheständler zahlreiche Gratulationen. Unter ihnen auch Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil und der Landrat des Kreises Olpe Theo Melcher .

Mit einem selbstgeschriebenen Lied verabschiedeten sich Gemeindegruppen von ihrem langjährigen Pfarrer alle Fotos: Karl-Hermann Ernst
Als Vertreter des Presbyteriums erzählte Michael Schebitz über einige Erlebnisse mit Andreas Schliebener, die die Gesellschaft zum Lachen brachten. Er erinnerte aber auch daran, dass der Name Andreas Schliebener nicht nur in Attendorn unlöslich mit dem von ihm initiierten und unter seiner Mitwirkung entstandenen großen adventlichen Wichernkranz verbunden sei. Ein Werk, das inzwischen auch in Linz und Wien Nachahmer gefunden habe und nur durch seine Kreativität und sprichwörtliche Hartnäckigkeit zusammen mit den Wagenbauern der Karnevalsgesellschaft entstehen konnte.
Andreas Schliebener wird seinen Ruhestand nach eigenen Angaben als einfacher Mitchrist unter Christen in Attendorn verbringen. (khe)
