Donnerstag, 03. April 2025

Top 5 der Woche

Ähnlich

Den Herbst nicht zu Her­zen neh­men

Käl­te, Jah­res­end­stress und Infek­ti­ons­krank­hei­ten zeh­ren am wich­tigs­ten Mus­kel des Kör­pers. Das macht sich auch am Atten­dor­ner Kran­ken­haus deut­lich bemerk­bar. Die Heli­os Kli­nik behan­delt aktu­ell wie­der sai­so­nal-bedingt wesent­lich mehr Pati­en­ten mit aku­ten Herz­er­kran­kun­gen.

Als Herr Brü­ser die Schmer­zen in der Brust nicht mehr aus­hält und er schweiß­nass auf dem Sofa liegt, greift sei­ne Frau zum Hörer und wählt die 112. Schon die Ret­tungs­sa­ni­tä­ter ahnen, wor­auf der Ein­satz an die­sem Herbst­mor­gen hin­aus­läuft. Zumal der End­fünf­zi­ger über Beklem­mun­gen und Todes­angst klagt, als das Ret­tungs­fahr­zeug in die Not­auf­nah­me ein­biegt. Schon kurz dar­auf liegt er auf dem Kathe­ter-Tisch.

Ab cir­ca Ende Sep­tem­ber steigt jedes Jahr die Zahl der Herz­in­fark­te deut­lich an und erreicht im Novem­ber ihr Maxi­mum. Fal­len die Zah­len in den Som­mer­mo­na­ten wie­der, gehen die­se pünkt­lich zu Beginn der kal­ten Jah­res­zeit zuver­läs­sig in die Höhe. So auch in die­sem Jahr. Schon im Okto­ber ver­zeich­ne­te die Heli­os Kli­nik einen Anstieg von fast 60 Pro­zent gegen­über dem war­men Feri­en­mo­nat August.

„Herbst­zeit ist Herz­zeit. Wir wer­den wie jedes Jahr mit Herz­in­fark­ten regel­recht über­schwemmt“, sagt Prof. Dr. Atil­la Yil­maz, Chef­arzt der Kar­dio­lo­gie, mit Blick auf die vol­len Behand­lungs­räu­me und Bele­gungs­zah­len in Atten­dorn. Zur wich­tigs­ten Ursa­che für die Häu­fung aku­ter Herz­in­fark­te in der kal­ten Jah­res­zeit gehö­ren die nied­ri­gen Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren, die zu Koro­nar­spas­men oder ‑krämp­fen füh­ren kön­nen. Die­se wie­der­um füh­ren zu koro­na­ren Ver­schlüs­sen. Das Phä­no­men beob­ach­tet der Herz­spe­zia­list Yil­maz oft bei ein­set­zen­dem Schnee­fall. Schon in sei­ner vor­he­ri­gen Kli­nik im Thü­rin­ger Wald wur­den häu­fig Pati­en­ten mit einem Herz­in­farkt ein­ge­lie­fert: Sie hat­ten sich beim Schnee­schip­pen über­an­strengt.

Mit dem Kli­ma­wech­sel gehen auch die Todes­zah­len in die Höhe. Laut aktu­el­lem Deut­schen Herz­be­richt 2024 der Deut­schen Herz­stif­tung star­ben im letz­ten Erfas­sungs­jahr 2022 knapp 217.000 Men­schen an Herz­er­kran­kun­gen, und damit knapp 11.000 mehr als im Jahr davor, die meis­ten in den Haupt­win­ter­mo­na­ten Janu­ar und Febru­ar.

Bild­ge­ben­de Ver­fah­ren für Dia­gnos­tik unver­zicht­bar

Wich­tig sei­en daher eine früh­zei­ti­ge Dia­gno­se und Behand­lung der Herz­krank­hei­ten, schon bevor aku­te Ein­grif­fe über­haupt erfor­der­lich wer­den“, so der Sau­er­län­der Herz­spe­zia­list und erklärt:

„Essen­ti­ell für eine ange­mes­se­ne Behand­lung sind bild­ge­ben­de Ver­fah­ren, wie zum Bei­spiel unse­re koro­na­re CT-Angio­gra­phie (CTAA), bei denen wir bei Nach­weis einer koro­na­ren Eng­stel­le gleich im Anschluss nach der Dia­gnos­tik in unse­rem Herz­ka­the­ter­la­bor auch eine inter­ven­tio­nel­le Behand­lung durch­füh­ren kön­nen.“

Bei der CTAA wer­den die Herz­kranz­ge­fä­ße mit Kon­trast­mit­tel sicht­bar gemacht, um Ver­en­gun­gen oder Blo­cka­den zu erken­nen. Dabei inji­ziert man mit­tels eines peri­phe­ren Venen­ka­the­ters über eine gro­ße Vene Kon­trast­mit­tel. Schon nach kur­zer War­te­zeit kön­nen die Herz­kranz­ge­fä­ße dann sicher dar­ge­stellt wer­den. Im Gegen­satz dazu ist es bei einer Herz­ka­the­ter­dia­gnos­tik üblich, über eine meist am Hand­ge­lenk lie­gen­de Arte­rie einen dün­nen, fle­xi­blen Kathe­ter bis zum Her­zen vor­zu­schie­ben, um die Gefä­ße auf dem Rönt­gen­bild sicht­bar zu machen. Dies bie­tet aller­dings dann direkt die Mög­lich­keit, poten­zi­el­le Eng­stel­len mit­tels eines Bal­lons und Stent-Implan­ta­ti­on in glei­cher Sit­zung auf­zu­wei­ten.

Damit es gar nicht erst soweit kom­men muss, ist auch hier Vor­beu­gung die bes­te Medi­zin. Regel­mä­ßi­ge mode­ra­te Bewe­gung, aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung, gutes Stress­ma­nage­ment, wär­me­re Klei­dung und eine Redu­zie­rung des Ziga­ret­ten- und Alko­hol­kon­sums bedeu­ten gera­de zur küh­le­ren Jah­res­zeit eine wich­ti­ge Unter­stüt­zung der Herz-Kreis­lauf­funk­tio­nen.

„Das klingt erst­mal alles sehr nach­voll­zieh­bar und logisch, doch ist all­ge­mein das Wis­sen um die­se gesund­heit­li­chen Zusam­men­hän­ge lei­der immer noch nicht sehr ver­brei­tet“, stellt Dr. Yil­maz fest und fin­det, dass gera­de der kri­ti­sche Herz­mo­nat Novem­ber die rich­ti­ge Zeit sei, um sich über die­ses The­ma zu infor­mie­ren.

Vor­trag „Herz­schwä­chen erken­nen und han­deln“

So ver­an­stal­tet die Heli­os Kli­nik Atten­dorn am 27. Novem­ber um 17 Uhr in Zusam­men­ar­beit mit der Deut­schen Herz­stif­tung eine kos­ten­lo­se Info­ver­an­stal­tung unter dem Mot­to „Herz­schwä­chen erken­nen und han­deln“. Inter­es­sier­te haben hier die Gele­gen­heit, einem infor­ma­ti­ven Vor­trag mit prak­ti­schen Bei­spie­len aus dem Kran­ken­haus­all­tag bei­zu­woh­nen und einem Kar­dio­lo­gen ganz „ohne Ter­min und Über­wei­sung“ alle Fra­gen rund um die The­men Vor­beu­gung, Behand­lungs­me­tho­den und Leben mit einer Herz­er­kran­kung zu stel­len. Eine Anmel­dung ist nicht erfor­der­lich.

anzeige medgespraeche herzschwache 720x540p
Foto: Heli­os Kli­nik Atten­dorn

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Beiträge