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Infoabend zu Adipositas in der Helios Klinik

Adipositas ist weit mehr als die fehlende Bikinifigur. Krankhaftes Übergewicht betrifft den gesamten Körper und erhöht das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Folgeerkrankungen. Fachleute schätzen, dass rund um Bigge und Lenne etwa 3.000 Menschen betroffen sind. Wie sie Unterstützung finden können und warum dafür mehr nötig ist als eine Diät oder eine Spritze, stand vergangene Woche im Mittelpunkt des Infoabends „Übergewicht ist kein Schicksal: Wege aus der Adipositas“ in der Helios Klinik Attendorn.

Vier Experten beleuchteten die medizinischen, ernährungswissenschaftlichen, psychologischen und operativen Aspekte der Behandlung: Dr. med. Stefan Bollmann, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Jens Gerstenberger, Adipositas-Koordinator und psychologischer Berater, Markus Tullius, Chefarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums der Helios Klinik Wipperfürth und ärztlicher Leiter der dortigen Hausarztpraxis im MVZ, sowie die zertifizierte Ernährungsberaterin Linda Ortmann.

Keine Frage mangelnder Willenskraft
Eine zentrale Botschaft des Abends: Adipositas ist keine Charakterschwäche. Hunger, Sättigung und Energieverbrauch werden durch komplexe biologische Mechanismen gesteuert. Nach einer Gewichtsabnahme kann der Körper mit stärkerem Hungergefühl und einem geringeren Energieverbrauch reagieren. Eine erneute Gewichtszunahme ist deshalb nicht automatisch ein persönliches Versagen.

„Adipositas ist eine medizinisch anerkannte chronische Erkrankung und braucht wie andere chronische Erkrankungen eine langfristige Behandlung“, betonte Markus Tullius. Auch unauffällige Blutdruck- und Blutzuckerwerte schließen gesundheitliche Risiken nicht aus. Insbesondere Bauchfett kann Entzündungsprozesse begünstigen und verschiedene Organe belasten. Umso wichtiger sind eine frühzeitige medizinische Einschätzung und eine individuell abgestimmte Behandlung.

Die Abnehmspritze ist kein Selbstläufer
Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid stehen derzeit besonders im Fokus. Sie ahmen körpereigene Botenstoffe nach, bremsen den Appetit und können die Magenentleerung verzögern. Dadurch fällt es Betroffenen häufig leichter, weniger zu essen und ihre Ernährung umzustellen. Doch die Wirkung hält in der Regel nur an, solange die Behandlung fortgesetzt wird. Nach dem Absetzen kann das Gewicht wieder deutlich steigen.

„Einfach wegspritzen wird allein nicht funktionieren“, machte Tullius deutlich. Die Medikamente können eine sinnvolle Unterstützung sein, ersetzen aber weder Bewegung und ausgewogene Ernährung noch die langfristige Veränderung von Gewohnheiten. „Die Abnehmspritze verschafft Ihnen etwas Zeit, die Sie sinnvoll nutzen müssen, um sich auf weitere Maßnahmen vorzubereiten.“

Zugleich warnte der Wipperfürther Facharzt vor Präparaten unklarer Herkunft aus dem Internet und gefährlichen Dosierungsfehlern. Eine medikamentöse Behandlung müsse ärztlich begleitet werden.

Schritt für Schritt statt kurzfristiger Diät
Die Adipositas-Therapie in Attendorn setzt auf ein sogenanntes multimodales Konzept. Über mehrere Monate werden verschiedene Bausteine miteinander verbunden: Ernährungsberatung, Rehasport oder Krankengymnastik, Online-Coaching, Selbsthilfeangebote und psychologische Abklärung. Bei Bedarf kommt eine Verhaltenstherapie hinzu. Medizinische Untersuchungen und regelmäßige Gespräche helfen, den Verlauf zu beurteilen und die Behandlung anzupassen.

Dabei geht es nicht allein um ein bestimmtes Gewicht, sondern vor allem um Gesundheit und Lebensqualität. Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann sich positiv auf Blutdruck, Blutzucker und Leber auswirken. Linda Ortmann erläuterte, warum langfristig tragfähige Ernährungsgewohnheiten wichtiger sind als kurzfristige Crash-Diäten. Bewegung und gezieltes Krafttraining helfen zudem, Muskelmasse zu erhalten.

Operation als möglicher weiterer Schritt
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder besondere medizinische Gründe dafürsprechen, kann eine Operation infrage kommen. Zu den Verfahren zählen die Schlauchmagenbildung und der Magenbypass. Ziel ist es, gesundheitliche Risiken und Begleiterkrankungen zu verringern – nicht, einem Schönheitsideal zu entsprechen. Ein Eingriff sei jedoch kein Allheilmittel, erklärte Dr. Stefan Bollmann. Auch danach müssten Betroffene ihre Ess- und Lebensgewohnheiten langfristig verändern.

Für die Behandlung arbeitet die Helios Klinik Attendorn mit dem zertifizierten Adipositaszentrum der Helios Klinik Siegburg und der Klinik für Plastische Chirurgie der Helios Universitätsklinik Wuppertal zusammen. Operationen können in Siegburg erfolgen, die Nachbetreuung übernimmt Attendorn. Bei Bedarf sind später auch Wiederherstellungsoperationen in Wuppertal möglich. Markus Tullius berät als zertifizierter Adiposiologe DDG-DAG (Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Adipositas Gesellschaft) am Helios MVZ in Wipperfürth zu Fragen rund um die medikamentöse Behandlung.

Damit steht Betroffenen in den benachbarten Regionen Bergisches Land und Südsauerland ein abgestimmtes Beratungs- und Behandlungsangebot zur Verfügung, das verschiedene Therapieansätze miteinander verbindet.

Adipositas-Koordinator Jens Gerstenberger fasste die Botschaft des Abends zusammen: „Es gibt nicht den einen Weg aus der Adipositas. Entscheidend sind eine fundierte medizinische Einschätzung, ein individuell abgestimmter Behandlungsplan und eine langfristige Begleitung. Denn nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit – und Unterstützung.“

Fragen zu Adipositas?
Adipositas-Koordinator Jens Gerstenberger und Ernährungsberaterin Linda Ortmann in Attendorn: 02722 60-2515

Fragen zur Abnehmspritze
Helios MVZ Wipperfürth:  02267 88 97 800
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: 08:00-12:00 Uhr

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