Die Stiftung Warentest hat in ihrer aktuellen Ausgabe Online-Arzneimittelversender geprüft. Die Präsenzapotheken in Westfalen-Lippe sehen sich durch das Ergebnis darin bestätigt, dass die Versorgung durch Vor-Ort-Apotheken deutliche Vorteile hat.
Die Stiftung Warentest hat in ihrer Juni-Ausgabe (06/2026) verschiedene Online-Arzneimittelversender untersucht. Auch wenn kein direkter Leistungsvergleich zu den Vor-Ort-Apotheken gezogen wurde, zeigt der Test nach Auffassung des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL), dass nicht nur der Preis, sondern insbesondere auch Aspekte wie Verfügbarkeit, Beratung und Versorgungsgeschwindigkeit für Patientinnen und Patienten von Bedeutung sind. Diesbezüglich weisen laut Stiftung Warentest einige Versandhändler indes Schwächen auf. Der AVWL sieht daher deutliche Vorteile in einer Versorgung durch eine Apotheke vor Ort.
Schnelle Versorgung als wichtiger Faktor
Nach Angaben der Stiftung Warentest betrug die Lieferzeit bei den Versandhändlern ein bis zwei Tage. „Das ist wegen der Transportwege angemessen, zeigt aber: Wer schnell etwas braucht, nutzt – falls möglich – am besten Apotheken vor Ort. Sie haben Arzneien vorrätig beziehungsweise können sie oft noch am selben Tag beschaffen oder nach Alternativen schauen“, so die Autoren des Tests. „Das unterstreicht unseres Erachtens, wie unterschiedlich das Leistungsportfolio der Vor-Ort-Apotheken ist“, sagt Ulf Ullenboom, Vorsitzender der AVWL-Bezirksgruppe Olpe. „Gerade bei akut benötigten Arzneimitteln kann die unmittelbare Verfügbarkeit ein entscheidender Vorteil sein. Vor-Ort-Apotheken prüfen zum Beispiel im Fall von Lieferengpässen, ob geeignete Alternativen zur Verfügung stehen, sodass mit einer Therapie trotzdem rechtzeitig begonnen werden kann“, so Ulf Ullenboom weiter.
Beratung und Arzneimittelsicherheit
Aber auch die Qualität einzelner Beratungsleistungen fiel bei den untersuchten Versandapotheken unterschiedlich aus. In einzelnen Fällen sollen Hinweise zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen oder zur Anwendung nicht vollständig erteilt worden sein. „So etwas kann im schlimmsten Fall zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko führen“, so Ulf Ullenboom. „Die Präsenzsituation in der Apotheke vor Ort ermöglicht es dem Patienten hingegen nicht nur, entsprechende Fragen zu stellen, sondern es besteht eine aktive Pflicht des Apothekers zur Beratung und Information unter anderem auch zu Wechselwirkungen. Wir sind überzeugt, dass dies einen wichtigen Beitrag zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln leistet“, sagt Ulf Ullenboom.
Nicht verglichen wurde durch Stiftung Warentest auch das Leistungsportfolio von Versendern und Apotheken vor Ort wie zum Beispiel der Nacht- und Notdienst. „Wer mitten in der Nacht Schmerzen bekommt, kann nicht auf das Paket eines Versandhändlers warten“, so Ulf Ullenboom. Hinzu kämen viele pharmazeutische Dienstleistungen wie zum Beispiel Blutdruckchecks und Impfungen. „Gerade erst hat uns der Gesetzgeber mit der Apothekenreform beauftragt, künftig weitere Leistungen zur Prävention und Primärversorgung zu übernehmen“, sagt Ulf Ullenboom.
„Genau aus diesem Grund hat im Übrigen jüngst das Landgericht Köln einem ausländischen Versandhändler rechtskräftig untersagt, mit der Aussage zu werben, er biete Kunden alles, ,was eine echte Apotheke ausmacht‘.“ Diese Aussage sei jedoch irreführend, denn der Versandhändler könne nicht all das erbringen, „was wir leisten“, fügt Thomas Rochell hinzu, AVWL-Vorstandsvorsitzender. „Echte Apotheken gibt es eben nur vor Ort. Und deshalb muss die Politik dieses flächendeckende Netz und damit die Versorgung der Menschen weiter sichern – und zwar immer wieder aufs Neue. Das bleibt eine stete Aufgabe.“
