Donnerstag, 03. April 2025

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„Dank­bar für den neu­en Blick­win­kel“

Die Auf­re­gung war groß – bei allen Betei­lig­ten. Schließ­lich taucht man nicht alle Tage in das beruf­li­che Leben ande­rer Leu­te ein und wech­selt die Per­spek­ti­ve. Doch wenn Drol­s­ha­gens Bür­ger­meis­ter Ulrich Berg­hof sich und Hei­ke Schra­ge augen­zwin­kernd als „Team Haus­wirt­schaft“ beti­telt und jene im Rat­haus kurz­zei­tig den „Chef­ses­sel“ ein­neh­men darf, ist das Eis schnell gebro­chen. So ging es auch allen ande­ren Teil­neh­men­den des Akti­ons­ta­ges „Schicht­wech­sel“. Ver­tre­ter aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Wirt­schaft und Gesund­heits­we­sen tausch­ten für einen Tag mit Beschäf­tig­ten der Wert­h­mann-Werk­stät­ten des Cari­tas­ver­ban­des Olpe die Wir­kungs­stät­te. Arbeits­platz­tausch ein­mal anders – mit dem Ziel zu ver­deut­li­chen, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen ein wich­ti­ger Teil unse­rer Gesell­schaft sind und Werk­statt-Betrie­be nur gemein­sam mit ande­ren Unter­neh­men Inklu­si­on vor­an­trei­ben kön­nen. Der „Schicht­wech­sel“ als bun­des­wei­te Initia­ti­ve der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Werk­stät­ten für behin­der­te Men­schen (BAG WfbM) bot den Teil­neh­men­den neue Per­spek­ti­ven auf das The­ma Teil­ha­be am Arbeits­le­ben. Über das ver­bin­den­de The­ma Arbeit schuf der Akti­ons­tag Raum für Begeg­nung und Aus­tausch, für Schnitt­stel­len und wech­sel­sei­ti­ge Syn­er­gie­ef­fek­te.

„Mir war gar nicht klar, was hier in sei­ner Viel­fäl­tig­keit und Qua­li­tät Tol­les geleis­tet wird“, brach­te es Bernd Cle­mens, Bür­ger­meis­ter der Gemein­de Wen­den nach einem ers­ten Rund­gang in den Abtei­lun­gen Olpe und Wel­schen Ennest der Wert­h­mann-Werk­stät­ten auf den Punkt. So wie ihm ging es auch sei­nen Mit­strei­tern vom „Schicht­wech­sel“. Auch Ulrich Berg­hof (Bür­ger­meis­ter der Stadt Drol­s­ha­gen), Dr. med. Gere­on Blum (Geschäfts­füh­rer der GFO-Kli­ni­ken Süd­west­fa­len) sowie Dr. Roland Blu­men­thal (Betriebs­lei­ter der Fir­ma Gebr. Kem­per GmbH & Co. KG) nutz­ten den Tag, um in die Arbeits­be­rei­che von Men­schen mit Behin­de­run­gen an den bei­den Stand­or­ten ein­zu­tau­chen. Nicht zuletzt auch, um sich ein Bild von den Tätig­kei­ten und dem wert­schät­zen­den Mit­ein­an­der vor Ort zu ver­schaf­fen. Schließ­lich hal­ten sich in der öffent­li­chen Debat­te noch immer vie­le Kli­schees über Werk­stät­ten für behin­der­te Men­schen. „Nur die wenigs­ten Per­so­nen haben sich schon ein­mal mit der Viel­falt der Pro­duk­te und Dienst­lei­tun­gen von Werk­stät­ten aus­ein­an­der­ge­setzt und die Men­schen mit Behin­de­run­gen, die dort im geschütz­ten Rah­men arbei­ten, per­sön­lich ken­nen­ger­lernt“, weiß Achim Sche­ckel, Abtei­lungs­lei­tung der Wert­h­mann-Werk­statt in Olpe. Der Akti­ons­tag „Schicht­wech­sel“ bot jetzt bes­te Gele­gen­heit.  

„Mehr­wert für jeden Men­schen schaf­fen.

Der Ein­zel­ne gibt das Tem­po vor.“

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Von der hohen Qua­li­tät der Arbeits­vor­gän­ge bei „Digi­tal Plus“ konn­te sich jetzt Wen­dens Bür­ger­meis­ter Bernd Cle­mens dank fach­kun­di­ger Anlei­tung von Jen­ni­fer Troes­ter ein Bild machen (Foto: Jani­ne Cle­mens, Cari­tas­ver­band Olpe)

„Dank die­ses Per­spek­tiv­wech­sels kön­nen die Betei­lig­ten jetzt bes­ser ver­ste­hen, was in einer Werk­statt wirk­lich geleis­tet wird“, so Andre­as Mönig, Lei­ter der Wert­h­mann-Werk­stät­ten des Cari­tas­ver­ban­des. Getreu dem Mot­to „Arbeit mög­lich machen“ wer­de nicht nach den Defi­zi­ten, son­dern immer nach den Fähig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen jedes Ein­zel­nen geschaut, erläu­ter­te Mönig. „Wir pas­sen die Arbeit an den Men­schen an, nicht umge­kehrt. Jeder Beschäf­tig­te soll sei­ner Tätig­keit mit Zufrie­den­heit nach­ge­hen kön­nen und dar­aus einen Mehr­wert zie­hen“. Leuch­ten­des Bei­spiel sind Jen­ni­fer Troes­ter, Mar­ti­na Heim­berg, Hei­ke Schra­ge und Alex­an­der B., die am Akti­ons­tag teil­nah­men und mit viel Freu­de ihre prä­zi­sen Arbeits­ab­läu­fe in den Berei­chen der digi­ta­len Archi­vie­rung, Haus­wirt­schaft und Mon­ta­ge ihren Schicht­wech­sel-Part­nern „von extern“ näher­brach­ten. Umge­kehrt erhiel­ten die Men­schen mit Behin­de­rung einen ers­ten Ein­druck von der Arbeit auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt. Sie konn­ten Erfah­run­gen sam­meln, die hel­fen, sich und ihre eige­nen Fähig­kei­ten bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Eine Win-Win-Situa­ti­on für alle Teil­neh­men­den.

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Ihre Lei­den­schaft ist die Mon­ta­ge – auch beim Schicht­wech­sel in der Fir­ma Gebr. Kem­per GmbH & Co. KG in Olpe. Mar­ti­na Heim­berg hat das Absperr­ven­til schnell zusam­men­ge­baut und die Dich­tig­keits­prü­fung voll­zo­gen (Foto: Jani­ne Cle­mens, Cari­tas­ver­band Olpe)

Da über­rasch­te es wenig, dass am Arbeits­platz der Beschäf­tig­ten Jen­ni­fer Troes­ter und Alex­an­der B., die Bernd Cle­mens und Dr. med. Gere­on Blum mit gro­ßem Know How in die prä­zi­se digi­ta­le Archi­vie­rung ein­wie­sen, öfter mal ein aner­ken­nen­des „Wow“ zu hören war. Begeis­tert von den sehr gut struk­tu­rier­ten Arbeits­pro­zes­sen und dem Qua­li­täts­ni­veau der Ergeb­nis­se und Pro­duk­te in den jewei­li­gen Arbeits­be­rei­chen zeig­ten sich auch Ulrich Berg­hof und Dr. Roland Blu­men­thal. Die­ser durf­te sich dann auch gleich an der Mon­ta­ge des Kem­per-Eigen­pro­duk­tes, der frost­si­che­ren Außen­ar­ma­tur „Fros­ti“ aus­pro­bie­ren. Respekt zoll­te der Betriebs­lei­ter dann Mar­ti­na Heim­berg beim Gegen­be­such im Werk 4 bei Kem­per. Ihr fiel der Zusam­men­bau eines Absperr­ven­tils mit anschlie­ßen­der Dich­tig­keits­prü­fung deut­lich leich­ter. „Nichts Ande­res möch­te ich machen, für die Mon­ta­ge schlägt ein­fach mein Herz. Und für das kol­le­gia­le Mit­ein­an­der im geschütz­ten Rah­men unse­rer Werk­statt“, ergänz­te die Beschäf­tig­te und stieß auf Zuspruch ihrer Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen.

Das ent­ging auch nicht den vier hei­mi­schen Ver­tre­tern aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Wirt­schaft und Gesund­heits­we­sen beim Besuch in den Werk­stät­ten. Sicht­lich beein­druckt, tief bewegt und dank­bar für den Blick hin­ter die Kulis­sen fiel das Resü­mee dem­entspre­chend aus: „Wir wer­den unse­re posi­ti­ven Ein­drü­cke und Erleb­nis­se nicht nur mit­neh­men, son­dern auch tei­len“ ver­spra­chen sie. „Sie alle sind Bot­schaf­ter ihrer Arbeit im aller­bes­ten Sin­ne.“

Star­kes Zei­chen für Offen­heit und Viel­falt in der Arbeits­welt

Für die Ver­ant­wort­li­chen und Beschäf­tig­ten der Wert­h­mann-Werk­stät­ten war die erneu­te Betei­li­gung am „Schicht­wech­sel“ eine Selbst­ver­ständ­lich­keit: „Wir brau­chen mehr sol­cher Aktio­nen, um gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis zu erlan­gen und die Inklu­si­on auf dem Arbeits­markt wei­ter vor­an­zu­brin­gen“, bekräf­tig­te Andre­as Mönig. Gleich­zei­tig appel­lier­te der Werk­statt-Lei­ter an die kreis­wei­ten Unter­neh­men, ein­fach mal ins Gespräch zu kom­men und Mög­lich­kei­ten einer Zusam­men­ar­beit aus­zu­lo­ten. „Mit unse­rem breit auf­ge­stell­ten Leis­tungs­port­fo­lio sind wir immer auf der Suche nach neu­en Indus­trie­part­nern und Kun­den für Auf­trä­ge viel­fäl­tigs­ter Art. Wir freu­en uns, wenn unse­re Beschäf­tig­ten die Chan­ce erhal­ten, in Betrie­be auf dem ers­ten Arbeits­markt rein­zu­schnup­pern und Prak­ti­ka absol­vie­ren kön­nen.“ Schon vie­le betriebs­in­te­grier­te Arbeits­plät­ze und zahl­rei­che sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeits­ver­hält­nis­se sei­en so inzwi­schen zustan­de gekom­men.

Jen­ni­fer Troes­ter kann sich vor­stel­len, die Werk­statt irgend­wann zu ver­las­sen und auf dem ers­ten Arbeits­markt Fuß zu fas­sen. „Das Wis­sen, in den geschütz­ten Rah­men der Werk­statt zurück­keh­ren zu kön­nen und hier auf­ge­fan­gen zu wer­den, hilft mir, den nächs­ten Schritt zu gehen.“ Doch lang­sam, ganz in ihrem Tem­po. Getrau dem Mot­to: „Arbeit mög­lich machen.“

Info­box:

Mit Blick auf den Ein­zel­nen, sei­ne Fähig­kei­ten und Inter­es­sen:

  • Die Wert­h­­mann-Wer­k­­stä­t­­ten bie­ten seit über 50 Jah­ren Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben für Men­schen mit psy­chi­schen und/oder geis­ti­gen Ein­schrän­kun­gen – un­ab­hän­gig ihrer Her­kunft. In der Be­ruf­li­chen Bil­dung „b.?punkt“ wer­den die er­for­der­li­chen Fer­tig­kei­ten ver­mit­telt – prak­tisch und theo­re­tisch.
  • Im Ar­beits­be­reich un­ter­stüt­zen die Ca­ri­­tas-Wer­k­­stä­t­­ten bei der ­täg­li­chen Ar­beit in der Mon­ta­ge, im Elek­tro‑, Holz- oder Me­tall­be­reich, in der Gar­ten­ar­beit, im Le­bens­mit­tel­la­den oder in der Haus­wirt­schaft – ob per Hand­ar­beit oder unter­stützt von moder­nen Maschi­nen. Dies ist in den Werk­stät­ten oder au­ßer­halb in einem Be­trieb mög­lich. Ziel ist immer: „Ar­beit mög­lich ma­chen“.
  • An den Stand­or­ten in At­ten­d­orn, Len­nestadt, Olpe und Wel­schen En­nest er­fah­ren täg­lich 670 Men­schen mit Be­hin­de­run­gen Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben. Davon sind 47 Men­schen in den hie­si­gen In­dus­trie­un­ter­neh­men sowie bei Dienst­leis­tern tätig und wer­den re­gel­mä­ßig von den Werk­stät­ten be­treut.

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