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St.-Ursula-Schüler besuchen Gedenkstätten bei Danzig

Ein halbes Jahr lang beschäftigten sich am St.-Ursula-Gymnasium 20 Schülerinnen und Schüler in der AG Erinnerungskultur unter Leitung von Doris Kennemann und Christoph Schulte intensiv mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Bedeutung für die heutige Zeit. Dabei stand nicht nur die Theorie im Fokus, sondern mit der Pflege des Jüdischen Friedhofs in Attendorn setzten sie kurz vor den Sommerferien auch ein sichtbares Zeichen des Gedenkens. Gleich zu Beginn des Schuljahres begaben sich die Jugendlichen nun auf eine Exkursion zu Gedenkstätten in und um Danzig.

Das Programm begann mit einem Rundgang durch die alte Hansestadt, um den Schülerinnen und Schülern erste Eindrücke dieses historisch bedeutenden Ortes zu vermitteln. Das Programm des nächsten Tages führte sie zunächst in das Museum des Zweiten Weltkrieges, in dem der Nachbau einer polnischen Wohnung vor, während und nach dem Krieg besonderen Eindruck hinterließ. Die vollkommene Veränderung der Lebensumstände in so kurzer Zeit erschien kaum vorstellbar. Anschließend besuchten sie die Halbinsel Westerplatte, wo durch den deutschen Überfall der Zweite Weltkrieg begann. Das dortige Denkmal erinnert an den mutigen Widerstand der polnischen Soldaten und enthält auch den Namen des polnischen Postamtes in Danzig, auf das nahezu zeitgleich ein Angriff erfolgte, bei dem alle Beschäftigten erschossen wurden.

Ein bewegender Aufenthalt im Wald bei Szp?gawski erwartete die Gruppe am nächsten Tag. Hier befinden sich die Massengräber von etwa 5000 bis 7000 Menschen, zumeist aus dem polnischen Bildungsbürgertum, die von den deutschen Besatzern gleich zu Kriegsbeginn ermordet wurden. Mit einem stilisierten Wald aus Betonsäulen, von denen einige wie abgebrochen wirken und mit zahllosen Namen versehen sind, wird der Opfer gedacht.

Dem folgenden Programmpunkt sahen die Jugendlichen mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Weg führte sie zur Gedenkstätte Stutthof. In der AG hatten sie sich in der Theorie mit dem Thema „Konzentrationslager“ auseinandergesetzt. Stutthof diente hauptsächlich der Vernichtung von Inhaftierten durch harte Arbeit in Verbindung mit Unterernährung und daraus resultierenden Krankheiten. Dennoch wurden auch hier Vergasungen durchgeführt, zunächst in einer Gaskammer, dann zur Verschleierung des Geschehens in einem Zugwaggon im Wald. In der Realität an dem Ort zu stehen, an dem so viele Menschen brutal ermordet wurden, sogar noch Überreste von Knochen und Asche zu sehen, löste tiefste Betroffenheit aus. Nach einem Workshop in der ehemaligen Kommandantur des Lagers zur Vertiefung der Thematik „Opfer und Täter“ sowie „Leben im Lager“ verbrachten die Jugendlichen den restlichen Tag am Strand, wo sie ihre Eindrücke miteinander teilten und verarbeiteten.

Ein Besuch im Solidarno??-Museum in Danzig, das die Geschichte der Gewerkschaft und der Bürgerbewegung in Mittel- und Osteuropa dokumentiert, rundete das Programm ab. Hier erfuhren die Jugendlichen, wie in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg durch die kommunistische Übernahme quasi ein totalitäres Regime durch ein anderes ausgetauscht wurde, und vor allem wie sich der Streik der Werftarbeiter in Danzig zu einer Massenbewegung entwickelte, die in der Folge zur friedlichen Machtübergabe und dem Ende des Kommunismus führte.

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Die AG Erinnerungskultur des St.-Ursula-Gymnasiums vor der Gedenkstätte im Wald von Szp?gawski. (Foto: Schule)

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