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Nationalsozialismus und Vereinschronik Schwerpunktthemen

Attendorner Heimatverein präsentiert neues Jahresheft

Mit 162 Seiten Inhalt ist das jetzt vorliegende Jahresheft des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn das bisher umfangreichste Mitteilungsblatt, welches der Verein in den vergangenen 49 Jahren publiziert hat.

Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. In ihrem Vorwort schreibt die 1. Vorsitzende Gabriele Schmidt: „Wir freuen uns, Ihnen hier erstmalig neue Ergebnisse der Forschung zu diesem Thema aus Vereins- und Stadtarchiv präsentieren zu können.“ Das Titelfoto des Mitteilungsblattes Nr. 47 zeigt die mit Hakenkreuzfahnen geschmückte Wasserstraße beim Schützenumzug 1939, dem letzten Schützenfest vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges.

Das Schwerpunktthema „Attendorn im Nationalsozialismus“ eröffnet der aus der Hansestadt stammende Historiker Markus Köster mit einem lesenswerten und gut bebilderten Bericht über „1945 – Kriegsende und Neuanfang in Attendorn“. Darin schildert Köster den verheerenden Bombenangriff vom 28. März 1945, den nicht kampflosen Einmarsch der US-amerikanischen Truppen, das Elend und die Befreiung der vielen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie den schwierigen Neuanfang nach dem zerstörerischen Weltkrieg. Augenzeugenberichte und historische Bilder u.a. des Attendorner Verlegers Theodor Frey geben einen realistischen Einblick in die dramatischen Ereignisse dieser Zeit. Eine kleine Sensation ist ein Foto des alliierten Oberbefehlshabers und späteren US-Präsidenten Eisenhower am 12. April 1945 in Attendorn.

Markus Köster sieht in Sachen Aufarbeitung der Attendorner Kriegs- und NS-Zeit noch Nachholbedarf. So mahnt er an: „Umso schmerzhafter ist aus meiner Sicht, dass auf den Gedenktafeln im Rathaus zwar 140 deutschen Opfern des Bombenangriffs vom 28.3.1945 namentlich gedacht wird, aber jeder Hinweis auf die dabei ebenfalls ums Leben gekommenen ausländischen Zwangsarbeiter fehlt. Sie waren besonders wehrlos, weil sie die Schutzräume nicht betreten durften.“

Jürgen Meise hat einen genauen Blick in die Akten des Entnazifizierungsausschusses der Stadt geworfen und die „Entnazifizierung 1946 bis 1949“ eingeordnet. In Attendorn (Stadt) mussten sich 1305 Personen der Entnazifizierung unterziehen, davon 281 Frauen. Das sind rund 15 Prozent der Bevölkerung des Jahres 1950. Die Arbeit der Ortsausschüsse, die hauptsächlich mithilfe von Fragebögen erfolgte, war nicht frei von Spannungen. Es gab immer wieder Rücktritte und Kritik an Entscheidungen der oberen Instanzen.

So begründeten am 23. April 1948 Ausschussmitglieder ihr Ausscheiden drastisch mit den Worten: „Die Ungerechtigkeiten haben in der Bevölkerung Unruhe gebracht, indem man die kleinen ehemaligen Parteimitglieder, besonders die Beamten viel zu streng beurteilt hat und die großen Nazis günstiger beurteilt oder mit den kleinen auf die gleiche Stufe stellt. Versagt vollkommen die Mitarbeit der Bevölkerung. Die gegebenen Zeugenaussagen werden widerrufen. Diese Zeugen werden von den Beklagten so bearbeitet, dass sie ihre früheren Aussagen nicht mehr aufrecht erhalten. Man kann wohl behaupten, dass die aktiven Nazis auf der ganzen Linie über die Entnazifizierungsausschüsse gesiegt haben. Diese erheben jetzt stolz das Haupt wie zur Zeit der Naziherrschaft und lachen über uns …“

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ebenfalls von Jürgen Meise verfassten Vereinschronik des 1898 gegründeten Vereins für Orts- und Heimatkunde. Der erste Teil wird  in diesem Heft veröffentlicht. Weitere Berichte zu geschichtlichen und heimatkundlichen Bereichen sowie ein Rückblick auf das Vereinsleben 2025 vervollständigen das Heft.

Das Jahresheft ist für Mitglieder des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn kostenlos sowie im Stadtarchiv und im örtlichen Buchhandel zum Einzelpreis von 10 Euro erhältlich.

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