Montag, 26. Januar 2026

Top 5 der Woche

Ähnlich

Polen zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus

AG Erinnerungskultur des St.-Ursula-Gymnasiums besucht Gedenkstätten bei Danzig

Als der neue polnische Präsident Nawrocki im September bei seinem Antrittsbesuch in Berlin Forderungen nach deutschen Reparationsleistungen bekräftigte, wies Bundespräsident Steinmeier darauf hin, dass die Frage bereits rechtlich abschließend geklärt sei. Jedoch bleibe die Förderung des Gedenkens und Erinnerns ein gemeinsames Anliegen beider Nachbarstaaten.

Das Wiederaufleben der Kontroverse 80 Jahre nach Kriegsende zeigt, wie belastet das deutsch-polnische Verhältnis bisweilen noch immer ist. Daher begaben sich 34 Schülerinnen und Schüler der AG Erinnerungskultur am St.-Ursula-Gymnasium, die sich besonders intensiv mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigt, in Begleitung der AG-Leitung Doris Kennemann und Christoph Schulte auf eine Exkursion nach Danzig.

Das Programm begann mit einem Besuch der Gedenkstätte auf der Halbinsel Westerplatte, wo durch den deutschen Überfall der Zweite Weltkrieg begann. Das Denkmal erinnert an den mutigen Widerstand der polnischen Soldaten und enthält auch den Namen des polnischen Postamtes in Danzig, auf das nahezu zeitgleich ein Angriff erfolgte, bei dem alle Beschäftigten erschossen wurden. Bei einem Stadtrundgang wurden die Jugendlichen auch an diesen Gedenkort geführt.

Anschließend besuchten sie das Museum des Zweiten Weltkrieges, in dem der Nachbau einer polnischen Wohnung vor, während und nach dem Krieg besonderen Eindruck hinterließ. Die vollkommene Veränderung der Lebensumstände in so kurzer Zeit erschien kaum vorstellbar.

Ein bewegender Aufenthalt im Wald bei Szp?gawski erwartete die Gruppe am nächsten Tag. Hier befinden sich die Massengräber von etwa 5000 bis 7000 Menschen, zumeist aus dem polnischen Bildungsbürgertum, die von den deutschen Besatzern gleich zu Kriegsbeginn ermordet wurden. Mit einem stilisierten Wald aus Betonsäulen, von denen einige wie abgebrochen wirken und mit zahllosen Namen versehen sind, wird der Opfer gedacht.

Dem folgenden Programmpunkt sahen die Jugendlichen mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Weg führte sie zur Gedenkstätte Stutthof. In der AG hatten sie sich in der Theorie mit dem Thema „Konzentrationslager“ auseinandergesetzt. Stutthof diente hauptsächlich der Vernichtung von Inhaftierten durch harte Arbeit in Verbindung mit Unterernährung und daraus resultierenden Krankheiten. Dennoch wurden auch hier Vergasungen durchgeführt, zunächst in einer Gaskammer, dann zur Verschleierung des Geschehens in einem Zugwaggon im Wald. In der Realität an dem Ort zu stehen, an dem so viele Menschen brutal ermordet wurden, sogar noch Überreste von Knochen und Asche zu sehen, löste tiefste Betroffenheit aus. Den restlichen Tag verbrachten die Jugendlichen am Strand, wo sie ihre Eindrücke miteinander teilten und verarbeiteten.

Ein Besuch im Solidarno??-Museum in Danzig, das die Geschichte der Gewerkschaft und der Bürgerbewegung in Mittel- und Osteuropa dokumentiert, rundete das Programm ab. Hier erfuhren die Jugendlichen, wie in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg durch die kommunistische Übernahme quasi ein totalitäres Regime durch ein anderes ausgetauscht wurde, und vor allem wie sich der Streik der Werftarbeiter in Danzig zu einer Massenbewegung entwickelte, die in der Folge zur friedlichen Machtübergabe und dem Ende des Kommunismus führte.

AG-Mitglied Robin Weißenhof hat die Exkursion in einem kleinen Film zusammengefasst. Am Sonntag, 9. November, wird dieser am St.-Ursula-Gymnasium beim Konzert der Jazzband „Kranich Kollektiv“ mit der Musik des Ghettoswingers und Holocaust-Überlebenden Coco Schumann präsentiert.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Beiträge