Montag, 31. März 2025

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Gutes Sys­tem auf wacke­li­gen Füßen?

Die Poli­tik ins Boot holen, trans­pa­rent infor­mie­ren und Miss­stän­de offen anspre­chen: Das Anlie­gen der Olper Abtei­lung der Wert­h­mann-Werk­stät­ten beim Besuch einer SPD-Dele­ga­ti­on um Co-Lan­des­chefin Sarah Phil­ipp und die ört­li­chen Abge­ord­ne­ten Neza­hat Bara­da­ri aus dem Bun­des­tag und die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris­tin-Marie Stamm lag klar auf der Hand. „Wir wün­schen uns mehr Gehör bei den poli­ti­schen Ent­schei­dern und brau­chen ein ver­läss­li­ches Sys­tem, das auf gesun­den Füßen steht“, brach­te es Werk­statt­lei­tung Andre­as Mönig im wert­schät­zen­den Aus­tausch auf den Punkt.

Den Ver­ant­wort­li­chen ist es stets wich­tig, den Blick von außen in die Werk­stät­ten zu holen, um als „Dienst­leis­ter auf Augen­hö­he“ wahr­ge­nom­men zu wer­den und Ver­ständ­nis für die Arbeit vor Ort zu schaf­fen. „Vor allem die Viel­falt der Leis­tun­gen in unter­schied­li­chen Markt­seg­men­ten zeich­net uns als inno­va­ti­ven Betrieb und Part­ner aus. Auf­ge­baut auf der Erfah­rung von vie­len Pro­jek­ten und den indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten der Men­schen mit Behin­de­rung bie­ten wir ein Spek­trum, das neben dem Werk­statt-Leit­satz „Arbeit mög­lich machen“ ein wei­te­res Ziel ver­folgt: Unse­re Kun­den aus Indus­trie und Ver­wal­tung best­mög­lich zu unter­stüt­zen und zu ent­las­ten – qua­li­ta­tiv, zeit­lich und orga­ni­sa­to­risch“, fass­te Abtei­lungs­lei­ter Achim Sche­ckel den Nut­zen „nach außen“ zusam­men.
Der Rund­gang durch die Abtei­lun­gen und die Gesprä­che mit den Beschäf­tig­ten ver­deut­lich­te den inter­es­sier­ten Gäs­ten aus der Poli­tik, wie sinn­stif­tend die Arbeit der 135 Men­schen mit über­wie­gend chro­nisch-psy­chi­schen Erkran­kun­gen am Stand­ort in der Kreis­stadt ist.

Mehr Lob­by­ar­beit und bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen

Bestre­bun­gen und poli­ti­sche For­de­run­gen der Cari­tas-Werk­stät­ten, die Rah­men­be­din­gun­gen für das „Sys­tem“ Werk­statt und deren Beschäf­tig­te zu ver­bes­sern, teil­ten auch die Gäs­te beim Besuch vor Ort.
Die Werk­stät­ten ste­hen vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Gestie­ge­ne Lohn­kos­ten, eine Erhö­hung der Leis­tungs­ent­gel­te, zuneh­mend mehr Büro­kra­tie und vor allem der Fach­kräf­te­man­gel set­zen der Werk­statt im All­tag immer mehr zu. Denn: „Die­se Belas­tun­gen kön­nen nicht durch ein Mehr an Pro­duk­ti­on im Werk­statt­be­reich aus­ge­gli­chen wer­den, da unse­re Abtei­lun­gen aktu­ell auch von der nega­ti­ven wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung betrof­fen sind.”, erklär­te Mönig die her­aus­for­dern­de Lage. „Star­ke Part­ner tre­ten auf die Brem­se und Auf­trä­ge blei­ben aus.“ Für die Beschäf­tig­ten ein „Worst Case“, mach­ten Peter Hol­ter­hoff und Vol­ker Thom­sa vom Werk­statt­rat deut­lich.

Poli­ti­sche Plä­ne sehen neben der Wei­ter­ent­wick­lung und För­de­rung der Über­gän­ge auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt auch eine höhe­re Ent­loh­nung für die Beschäf­tig­ten vor. Die not­wen­di­ge Durch­läs­sig­keit zwi­schen Werk­stät­ten und dem ers­ten Arbeits­markt muss aus­ge­baut wer­den. Die Werk­stät­ten ver­ste­hen sich als Teil es inklu­si­ven Arbeits­mark­tes. Die bestehen­de Band­brei­te der Pro­duk­ti­on in den Werk­stät­ten, „von ein­fa­chen bis hin zu kom­ple­xen Arbei­ten“ auf dem Niveau des ers­ten Arbeits­mark­tes müs­se gesi­chert sein.  

Teil­ha­be sichern mit dem „Gefühl, etwas geschafft zu haben!“

An die­ser Stel­le brau­che es deut­lich mehr Lob­by­ar­beit und Unter­stüt­zung aus Rich­tung der Poli­tik. „Die Men­schen mit hohem Unter­stüt­zungs­be­darf und sol­che, die im geschütz­ten Werk­statt-Sys­tem ver­blei­ben müs­sen und wol­len, wer­den zu wenig in den Blick genom­men“, kri­ti­siert Sche­ckel, der stets im engen Aus­tausch mit den Beschäf­tig­ten ist. „Deren Teil­ha­be, die in hohem Maße abhän­gig von der per­sön­li­chen Situa­ti­on und dem Zutrau­en eines jeden Ein­zel­nen ist, muss im mög­li­chen Rah­men sicher­ge­stellt sein.“ Neue Hand­lungs­an­sät­ze zu ent­wi­ckeln, zu erpro­ben und umzu­set­zen sei die gemein­sa­me Auf­ga­be von vie­len Akteu­ren.
„Für uns Beschäf­tig­te geht es vor­ran­gig um das Gefühl, etwas geschafft zu haben“, bekräf­tig­te Peter Hol­ter­hoff vom Werk­statt­rat. „Für die­se Arbei­ten wol­len wir ange­mes­sen ent­lohnt wer­den,“ beto­nen die bei­den Ver­tre­ter des Werk­statt­ra­tes.

Posi­ti­ves Zukunfts­bild zeich­nen

Die Werk­statt-Ver­ant­wort­li­chen hof­fen, dass der Dia­log­pro­zess zur wei­te­ren posi­ti­ven Ent­wick­lung von Werk­statt­be­trie­ben auch unter der neu­en Bun­des­re­gie­rung fort­ge­setzt wird. „Wir müs­sen gemein­sam Lösun­gen fin­den, die den Men­schen in den Werk­stät­ten und dem Sys­tem zugu­te­kom­men“, bekräf­tig­te Sarah Phil­ipp. „Ich bin beein­druckt von dem qua­li­ta­tiv hohen Stan­dard und den Abläu­fen inner­halb ihrer Abtei­lun­gen. Wir haben heu­te viel gelernt und wer­den die ange­spro­che­nen The­men in die poli­ti­sche Dis­kus­si­on ein­brin­gen“, ver­sprach die Co-Vor­sit­zen­de der SPD NRW, die sich in ihrem Ver­ant­wor­tungs­be­reich für die Bes­se­rung der Situa­ti­on ein­set­zen will.

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