Donnerstag, 03. April 2025

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„Facet­ten­reich und mehr als nur grün“

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Gemein­sam als Team schon vie­le Jahr­zehn­te ganz­jäh­rig im Ein­satz: Sascha Ort­mann, Chris­tia­ne Tim­mer und Klaus Küper gehen ihrem Hand­werk an der fri­schen Luft mit Herz­blut nach (Jani­ne Cle­mens, Cari­tas­ver­band Olpe)

Die Begeis­te­rung für die Arbeit im Frei­en, in und mit der Natur ver­bin­det sie – eben­so der per­sön­li­che Hin­ter­grund mit einer psy­chi­schen Erkran­kung oder geis­ti­gen Behin­de­rung. Zusam­men mit den sechs Beschäf­tig­ten steht Grup­pen­lei­ter Björn Stau­er in den Start­lö­chern für den Früh­ling. Denn: Die Zeit, gewerb­li­che und pri­va­te Grün­an­la­gen sowie kom­mu­na­le Spiel­plät­ze wie­der auf Vor­der­mann zu brin­gen, ist gekom­men. „Ärmel hoch­krem­peln und los geht’s“, freut sich Klaus Küper. „Wir sind ein tol­les, wind- und wet­ter­taug­li­ches Team, das sich auf­ein­an­der ver­las­sen kann“, bekräf­tigt der 52-jäh­ri­ge, der seit nun­mehr 12 Jah­ren zum Gala-Team der Olper Abtei­lung gehört.

Es ist kurz nach acht Uhr an einem Werk­tag, der Mor­gen ist noch tau­frisch, aber die Früh­lings­son­ne kün­digt sich schon an. „Jetzt star­ten wir“, freu­en sich die Beschäf­tig­ten auf dem Hof in der Gün­se­stra­ße. Nach­dem der anste­hen­de Tag mit Grup­pen­lei­ter Björn Stau­er durch­ge­spro­chen ist, wird die Aus­rüs­tung zusam­men­ge­packt und der Trans­por­ter fach­män­nisch mit ent­spre­chen­dem Werk­zeug bela­den. Die nächs­te Bau­stel­le war­tet. Heu­te ste­hen Ast- und Baum­schnitt­ar­bei­ten an. „Mit der Höhe habe ich es ja nicht so“, gibt Klaus Küper zu – auch wenn er stol­zer Besit­zer eines Motor­sä­gen-Füh­rer­scheins ist. Sein Ste­cken­pferd ist das Mähen mit „sei­nem Gerät“, dem Auf­sitz­ra­sen­mä­her. Die­ser wird auch schon bald zum Ein­satz kom­men. „In der Sai­son schaf­fe ich auch mal 6–7 städ­ti­sche Spiel­plät­ze am Tag“, berich­tet der Beschäf­tig­te stolz.

Kom­pe­ten­te und zuver­läs­si­ge Part­ner für regel­mä­ßi­ge Pfle­ge­ar­bei­ten

Doch bevor es ab April an die Spiel­stät­ten im Frei­en geht, ste­hen Rück­schnitt- und Pfle­ge­ar­bei­ten bei ganz unter­schied­li­chen Kun­den im Kreis­ge­biet an. Alles wer­de gera­de für die „schöns­te Jah­res­zeit“ vor­be­rei­tet, berich­tet die Beschäf­tig­te Chris­tia­ne Tim­mer. Auf­trag­ge­ber für die Gar­ten- und Anla­gen­pfle­ge der Werk­statt sind neben Kom­mu­nen und Städ­ten auch vie­le gewerb­li­che Kun­den und Pri­vat­leu­te. „Wir sind eine Art klei­nes Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men“, so die ein­zi­ge Frau im Team schmun­zelnd. „Bei uns kann jeder nach sei­nen Fähig­kei­ten arbei­ten“, hebt die vier­fa­che Mut­ter aus Ger­lin­gen, die schon elf Jah­re zum Team gehört, her­vor. Und ihr Kol­le­ge Klaus Küper ergänzt: „Was gibt es denn Schö­ne­res, als drau­ßen mit anzu­pa­cken und zu sehen, was man gemein­sam schafft.“

Unter Anlei­tung wer­den die Men­schen mit Behin­de­rung täg­lich auf die viel­fäl­tigs­ten Arbeits­ein­sät­ze vor­be­rei­tet und fach­lich beglei­tet. „Wir ver­mit­teln vie­le berufs­prak­ti­sche Kennt­nis­se – ob in der Arbeit mit ver­schie­de­nen Pflan­zen oder im Umgang mit Gar­ten­ge­rä­ten und Klein­ma­schi­nen“, erklärt Björn Stau­er. „Für Per­so­nen, die auf­grund ihrer Erkran­kung eine Tätig­keit im Frei­en mit viel Bewe­gung aus­üben kön­nen und wol­len, schaf­fen wir hier tol­le Mög­lich­kei­ten“.

Sei es über Hos­pi­ta­tio­nen und Prak­ti­ka von außer­halb oder auch durch die Ver­mitt­lung über die beruf­li­che Bil­dung inner­halb der Werk­stät­ten – „die Men­schen kom­men auf unter­schied­li­chen Wegen zu uns“, so Abtei­lungs­lei­ter Achim Sche­ckel. Inter­es­sier­te kön­nen, wie in alle ande­ren Berei­che der Werk­stät­ten auch, in den Gala-Bereich rein­schnup­pern und für sich her­aus­fin­den, ob die viel­fäl­ti­gen Tätig­kei­ten an unter­schied­li­chen Orten, mit wech­seln­den Anfor­de­run­gen pas­send sind.“

„Arbeit mög­lich machen“ ist geleb­ter Leit­spruch

Schließ­lich ver­lan­ge die Arbeit den Men­schen mit einer chro­ni­schen Erkran­kung eine hohe Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz ab“, weiß Sche­ckel. Die­se gehe jedoch immer ein­her mit einer wert­vol­len För­de­rung der Selbst­stän­dig­keit. „Die Men­schen bei uns im Team möch­ten arbei­ten, erken­nen auch den Mehr­wert für sich, füh­len sich aber oft­mals zu beein­träch­tigt, um auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt tätig sein zu kön­nen“, erklärt Achim Sche­ckel die oft­mals hem­men­den Fak­to­ren. „Hier bei uns fin­den sie eine geschütz­te Arbeits­um­ge­bung, in wel­cher ihre Erkran­kung akzep­tiert wird und kei­nen Makel dar­stellt.“ Auch das mache für vie­le Beschäf­tig­te die oft­mals lang­jäh­ri­ge Tätig­keit in der Werk­statt aus.

Soll­te dann doch der Wunsch und das Bestre­ben in Rich­tung sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gehen, erhal­ten die Men­schen mit Behin­de­rung inner­halb der Wert­h­mann-Werk­stät­ten des Cari­tas­ver­ban­des fach­kun­di­ge Beglei­tung auf ihrem Weg. „Unse­re Leu­te erle­ben hier eine geord­ne­te und ver­läss­li­che Tages­struk­tur und erhal­ten viel Wert­schät­zung, die ihnen im All­tag oft­mals ver­wehrt bleibt“, betont Achim Sche­ckel. Doch Krank­heits­bild und Tages­form sei­en unbe­re­chen­bar, „sodass es auch vor­kom­men kann, dass von den sechs Beschäf­tig­ten nur drei oder vier Per­so­nen ihren Arbeits­tag antre­ten kön­nen.“ So wie an die­sem Mor­gen.  

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