Freitag, 04. April 2025

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Ein Schlag­an­fall beim Kind kommt plötz­lich und uner­war­tet

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Ein Bild vom Gehirn – in der Regel eine MRT-Unter­su­chung – zeigt, wel­che wei­te­ren Schrit­te nötig sind (Foto: DRK-Kin­der­kli­nik)

Schlag­an­fäl­le im Kin­des­al­ter sind sel­ten und tref­fen die jun­gen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten plötz­lich und uner­war­tet. „Umso wich­ti­ger ist es, die Signa­le rich­tig zu deu­ten und schnell zu reagie­ren“, meint Dr. Con­stan­ze Reut­lin­ger. Sie ist Ober­ärz­tin an der DRK-Kin­der­kli­nik, Fach­ärz­tin für Kin­der- und Jugend­me­di­zin mit Schwer­punkt­be­zeich­nung Neu­ro­päd­ia­trie. Denn: Je frü­her ein „Hirn­schlag“, wie das Gan­ze im Volks­mund genannt wird, behan­delt wird, des­to bes­ser ste­hen die Chan­cen auf Hei­lung ohne gra­vie­ren­de Fol­gen.

Auf der einen Sei­te gibt es den peri­na­ta­len Schlag­an­fall im Mut­ter­leib oder kurz nach der Geburt (28 Tage). Die­ser kommt bei etwa 20 – 60 von 100.000 Gebur­ten vor. Auf der ande­ren Sei­te exis­tiert der aku­te Schlag­an­fall, wel­cher noch sel­te­ner vor­kommt. Die aktu­el­len Zah­len lie­gen bei 1–8/100.000 Kin­dern und Jugend­li­chen. „Der Schlag­an­fall bei der Geburt oder noch frü­her fällt häu­fig erst viel spä­ter auf, weil die Kin­der eine Sei­ten­dif­fe­renz ent­wi­ckeln“, geht Con­stan­ze Reut­lin­ger ins Detail. „Die Halb­sei­ten-Läh­mung äußert sich durch weni­ger Stram­peln oder asym­me­tri­sches Grei­fen. Wich­tig ist es in jedem Fall, die Ursa­che zu suchen bezie­hungs­wei­se beim Neu­ro­lo­gen vor­stel­lig zu wer­den.“ Phy­sio- oder Ergo­the­ra­pie hilft dabei, die Ein­schrän­kun­gen best­mög­lich zu behan­deln. „Der aku­te Schlag­an­fall äußert sich durch ähn­li­che Sym­pto­me wie bei einem Erwach­se­nen“, erläu­tert die Kin­der­ärz­tin. „Der Arm hängt her­un­ter, eben­so die eine Gesichts­hälf­te oder das Bein. Auch die Spra­che kann beein­träch­tigt sein. Doch dies ist deut­lich schwie­ri­ger zu mer­ken. Gera­de in jun­gen Jah­ren.“

Pro Jahr erlei­den in Deutsch­land 300 bis 500 Kin­der und Jugend­li­che zwi­schen dem 29. Lebens­tag und dem 18. Lebens­jahr einen Schlag­an­fall. Wäh­rend bei Erwach­se­nen in vie­len Fäl­len der Lebens­wan­del für die Durch­blu­tungs­stö­run­gen im Gehirn ver­ant­wort­lich ist, sind die mög­li­chen Ursa­chen bei Jün­ge­ren viel­schich­tig. Sie bedür­fen einer ein­ge­hen­den, fach­über­grei­fen­den Unter­su­chung. „Die Ursa­chen bei den klei­nen Pati­en­ten sind sehr kom­plex“, erläu­tert Con­stan­ze Reut­lin­ger. Die häu­figs­te Ursa­che (50%) sind Gefäß­er­kran­kun­gen, die als Reak­ti­on auf Infek­tio­nen ent­ste­hen kön­nen. Hier spie­len auch ange­bo­re­ne, gene­ti­sche Risi­ko­fak­to­ren eine Rol­le. Die zweit­häu­figs­te Ursa­che sind ange­bo­re­ne oder erwor­be­ne Herz­feh­ler, durch die es zu Blut­ge­rinn­seln kom­men kann. In sehr sel­te­nen Fäl­len füh­ren ange­bo­re­ne Gerin­nungs­stö­run­gen zu Gefäß­ver­schlüs­sen und einem Schlag­an­fall. Doch egal, wo die Ursa­che liegt: Immer ist schnel­les Han­deln extrem wich­tig! Eltern soll­ten umge­hend beim Kin­der­arzt vor­stel­lig wer­den und auf ihren Ver­dacht hin­wei­sen.

„Be Fast“, bringt die Kin­der­ärz­tin die Vor­ge­hens­wei­se prä­gnant auf den Punkt. „Kurz: Balan­ce, Eyes, Face, Arm, Speach, Time – also Balan­ce, Augen, Gesicht, Arm, Spra­che und Zeit. Alles Punk­te, die beim Erken­nen und der anschlie­ßen­den Dia­gno­se eine gro­ße Rol­le spie­len.” Wei­te­re Warn­zei­chen sind akut ein­set­zen­de Kopf­schmer­zen, die die Betrof­fe­nen als schmerz­haf­ten Stich oder Schlag auf den Kopf emp­fin­den, und epi­lep­ti­sche Anfäl­le. Wie genau sich ein Schlag­an­fall äußert, hängt von der Stär­ke, dem betrof­fe­nen Hirn­are­al und den Ursa­chen ab. Ins­be­son­de­re bei klei­ne­ren Kin­dern, sind die Sym­pto­me schwie­ri­ger zu erken­nen.

Viel häu­fi­ger als der aku­te Schlag­an­fall sind bei Kin­dern und Jugend­li­chen Sym­pto­me, die einem Schlag­an­fall ähneln, aber in der Regel gut behan­del­bar sind oder rasch wie­der ver­schwin­den. Als ers­tes ist hier die Fazia­li­s­pa­re­se (hän­gen­de Gesichts­hälf­te) zu nen­nen. Die­se kann auch ohne Durch­füh­rung einer MRT von einem Schlag­an­fall unter­schie­den wer­den. Die häu­figs­te Ursa­che (zumin­dest hier im Sie­ger­land) ist eine Bor­re­lio­se. Auch bei einer Migrä­ne kann es zu schlag­an­fall­ähn­li­chen Sym­pto­men kom­men, die sich von allei­ne rasch zurück­bil­den. Der wich­tigs­te Schritt zur Abklä­rung ist die kin­der­n­eu­ro­lo­gi­sche Unter­su­chung. Danach muss ent­schie­den wer­den, ob ein Bild vom Gehirn, in der Regel eine MRT-Unter­su­chung, erfol­gen soll. Ein EEG kann bei der Ent­schei­dungs­fin­dung hel­fen.

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