Donnerstag, 03. April 2025

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Syn­ode ver­ab­schie­det sich vom Son­der­weg

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Ober­kir­chen­rä­tin Kat­rin Göcken­jan-Wes­sels (am Red­ner­pult links) erläu­ter­te die dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung im Pfarr­dienst der Ev. Lan­des­kir­che von West­fa­len (Foto: EKKLP)

Die Son­der­syn­ode des Evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Lüden­scheid-Plet­ten­berg hat bei ihrer Tagung am 2. Sep­tem­ber eine heik­le Mis­si­on abge­schlos­sen. Mit gro­ßer Mehr­heit stimm­te sie dem Beschluss­vor­schlag des Kreis­syn­odal­vor­stan­des zu, ver­bind­li­che regio­na­le
Koope­ra­ti­ons­räu­me zu schaf­fen, um so auf den Pfar­re­rin­nen- und Pfar­rer­man­gel zu reagie­ren. Gleich­zei­tig schlos­sen sich die Syn­oda­len damit den von der Lan­des­kir­che ent­wi­ckel­ten Pfarr­stel­len­kor­ri­dor-Zah­len an, die eine mög­lichst gerech­te flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit
Pfar­re­rin­nen und Pfar­rern gewähr­leis­ten sol­len.


Der neue Kurs kam für vie­le über­ra­schend. Ursprüng­lich soll­te noch ein älte­rer Beschluss­vor­schlag bei der Lei­tung der Ev. Kir­che von West­fa­len bean­tragt wer­den, den Ev. Kir­chen­kreis Lüden­scheid-Plet­ten­berg als Pilot­pro­jekt „Alter­na­ti­ve Stra­te­gien im Länd­li­chen
Raum“ ein­zu­rich­ten und ent­spre­chend zu för­dern. Von die­sem Son­der­weg hat­te sich Super­in­ten­dent Dr. Chris­tof Gro­te ver­ab­schie­det, nach­dem er vor weni­gen Wochen zusam­men mit Ver­tre­tern des Kreis­syn­odal­vor­stan­des ein aus­führ­li­ches Gespräch mit der Lei­tung der Lan­des­kir­che geführt hat­te. Wäh­rend der Tagung in Mei­nerz­ha­gen schlug er den Syn­oda­len vor, die­sen und einen wei­te­ren Beschluss­vor­schlag zurück­zu­zie­hen und durch drei neue zu erset­zen. Die drei Beschlüs­se, die nach sehr inten­si­ver und lan­ger Dis­kus­si­on am Ende von der Kreis­syn­ode ver­ab­schie­det wur­den, lau­ten im Wort­laut:

  1. Die Gemein­den des Ev. Kir­chen­krei­ses Lüden­scheid-Plet­ten­berg bil­den – unter Berück­sich­ti­gung der vor­aus­sicht­lich zu erwar­ten­den Gemein­de­glie­der- und Pfarr­stel­len­zah­len (2030 bei 60.000 Gemein­de­glie­dern 15 Pfarr­stel­len, 2035 etwa 11–12 Pfarr­stel­len) – ver­bind­li­che regio­na­le Koope­ra­ti­ons­räu­me. Dabei wird auch das Mit­ein­an­der von Pfarr­stel­len und IPPT-Stel­len bedacht. Für die Ent­schei­dungs­fin­dung
    kann Unter­stüt­zung durch den Kir­chen­kreis und exter­ne Mode­ra­ti­on in Anspruch genom­men wer­den. Wenn bis zum 30.06.2023 kei­ne Zuord­nung erfolgt ist, ent­schei­det der Kreis­syn­odal­vor­stand nach Anhö­rung der betrof­fe­nen Gemein­den. (Mehr­heit­lich beschlos­sen bei drei Nein-Stim­men und eini­gen Ent­hal­tun­gen)
  2. Die Kreis­syn­ode des Ev. Kir­chen­krei­ses Lüden­scheid-Plet­ten­berg bit­tet die Kir­chen­lei­tung, ihre Wer­bung für kirch­li­che Beru­fe zu inten­si­vie­ren, wei­te­re Anrei­ze für sol­che Tätig­kei­ten zu schaf­fen und auch wei­te­ren Mög­lich­kei­ten für den Zugang zum Pfarr­amt und zu IPPT­Stel­len (z.B. Absol­ven­tIn­nen von Bibel­schu­len) zu eröff­nen. (Mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen)
  3. Die Kreis­syn­ode des Ev. Kir­chen­krei­ses Lüden­scheid-Plet­ten­berg bit­tet die Kir­chen­lei­tung, für den regel­mä­ßi­gen Erfah­rungs­aus­tausch zu Umset­zung und Ent­wick­lung im Per­so­nal­be­reich und für die Bera­tung wei­ter­füh­ren­der Ideen in der EKvW Sor­ge zu tra­gen.
    (Mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen)

    Die Syn­oda­len des Ev. Kir­chen­krei­ses Lüden­scheid-Plet­ten­berg hat­ten sich vor der Son­der­syn­ode in Mei­nerz­ha­gen bei meh­re­ren Tagun­gen kri­tisch mit dem von der Lan­des­kir­che beschlos­se­nen Modell aus­ein­an­der­ge­setzt. Bei der Syn­ode im Mai die­ses Jah­res hat­te Pfar­rer Mar­tin Pogor­zel­ski als Vor­sit­zen­der des Per­spek­tiv- und Struk­tur­aus­schus­ses deut­lich gemacht, wel­che Kon­se­quen­zen die­ses Modell für die ein­zel­nen Gemein­den des hei­mi­schen Kir­chen­krei­ses haben wür­de. Dar­auf­hin war die Son­der­syn­ode ein­be­ru­fen wor­den, des­sen Ziel der Beschluss zu einem Antrag an die Kir­chen­lei­tung sein soll­te. Pogor­zel­ski fass­te die Über­le­gun­gen zusam­men: „In den nächs­ten neun Jah­ren gehen von 33 Pfar­re­rin­nen und Pfar­rern 23 in den Ruhe­stand. Das habe ich auf der letz­ten Syn­ode aus­führ­lich dar­ge­legt. Wenn ab 2031 scharf mit 12 Pfarr­stel­len kal­ku­liert wür­de, dann könn­ten wir im gan­zen Kir­chen­kreis noch 2 Pfarr­stel­len beset­zen.“ Idee des Antra­ges
    an die Kir­chen­lei­tung sei es gewe­sen, nicht nur scharf zu kal­ku­lie­ren, son­dern auch auf die klein­städ­ti­sche Wirk­lich­keit des Kir­chen­krei­ses Rück­sicht zu neh­men. So könn­te mit etwa 15 Pfarr­stel­len gewähr­leis­tet wer­den, „dass mög­lichst lan­ge funk­tio­nie­ren­de pres­by­te­ria­le Struk­tu­ren und Gesich­ter in den Orten blei­ben.“

    Letzt­lich muss­te sich der Kir­chen­kreis der Macht der Fak­ten beu­gen. Ober­kir­chen­rä­tin Kat­rin Göcken­jan Wes­sels stell­te bei der Tagung in Mei­nerz­ha­gen Pro­gno­sen und Sze­na­ri­en der Pfarr­dienst­ent­wick­lung bis 2040 vor. Sie war mit Dr. Hans Con­ring (juris­ti­sches Dezer­nat der
    Lan­des­kir­che) und Ulf Schlü­ter (Theo­lo­gi­scher Vize­prä­si­dent der Lan­des­kir­che) ange­reist. Nach ihren Zah­len ist die Pfarr­dienst­ent­wick­lung bis 2040 dra­ma­tisch. In die­sem Jahr zählt die Ev. Kir­che von West­fa­len noch 2,055 Mil­lio­nen Gemein­de­glie­der und 1503 Pfarr­per­so­nen. Auf eine Pfarr­stel­le kom­men zur­zeit 2080 Gemein­de­glie­der. Bis 2040 wird sich das Ver­hält­nis radi­kal ver­scho­ben haben. Laut Pro­gno­se gehö­ren dann noch rund 1,44 Mil­lio­nen Men­schen der evan­ge­li­schen Kir­che an. Die Zahl der besetz­ten Pfarr­stel­len der Pfarr­per­so­nen wird sich auf 523 ver­rin­gert haben. Das Ergeb­nis: Auf eine Pfarr­stel­le kom­men dann 4915 Gemein­de­glie­der.

    „Wir sind alle ver­bun­den, auch im Erschre­cken über die­se Zah­len“, sag­te Super­in­ten­dent Dr. Chris­tof Gro­te bei der Tagung in Mei­nerz­ha­gen. Ein Schwar­ze-Peter-Spiel, bei dem Ver­ant­wort­lich­kei­ten hin und her gescho­ben wür­den, hel­fe in die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on nicht wei­ter. Das zunächst ange­dach­te Modell eines Pilot­pro­jek­tes für den hei­mi­schen Kir­chen­kreis mache kei­nen Sinn, da dadurch ja nicht mehr Pfarr­per­so­nen zur Ver­fü­gung ste­hen wür­den. „Wir soll­ten uns jetzt schnell auf Ver­än­de­run­gen ein­stel­len“, for­der­te er. Jetzt gel­te es, die Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men und alle Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu nut­zen.


Chris­toph Dick­el, Pfar­rer aus Hal­ver, sorgt sich um die jun­gen Kol­le­gen. Die Per­spek­ti­ve, in zehn Jah­ren für 5000 Gemein­de­glie­der zustän­dig zu sein, füh­re zum Burn­out. Das sei eine völ­li­ge Über­for­de­rung, da auch stän­dig die Angst mit­schwin­ge, von Ver­wal­tungs- und Gre­mi­en­ar­beit auf­ge­fres­sen zu wer­den.

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Vie­le ernst­haf­te Gesich­ter waren auf der Son­der­syn­ode des Kir­chen­krei­ses zu sehen. Die dra­ma­ti­sche Pfarr­dienst­stel­len­ent­wick­lung zwingt den hei­mi­schen Kir­chen­kreis zu umfas­sen­den Ver­än­de­run­gen und neu­en Struk­tu­ren in den kom­men­den Jah­ren (Foto: EKKLP)


„Koope­ra­ti­on tut nicht weh“, erklär­te in der Aus­spra­che Ralf Ziom­kow­ski. Er hat am Zusam­men­ge­hen der drei Gemein­den Hül­scheid-Heed­feld, Ober­rah­me­de und Rah­me­de mit­ge­wirkt. „Ein tol­ler Pro­zess“, stell­te er fest. Aller­dings ste­he er zur Kri­tik, dass sich alle
Betei­lig­ten von der Lan­des­kir­che allein­ge­las­sen gefühlt hät­ten. Er erwar­te hier mehr Mit­ge­fühl und vor allem prak­ti­sche Unter­stüt­zung.


Her­mann Rey­her, Syn­oda­ler aus Kierspe, übte hef­ti­ge Kri­tik. Er for­der­te eine Struk­tur­re­form am „Haupt der Lan­des­kir­che“. „Es gibt zu vie­le Stel­len für Son­der­auf­ga­ben und zu weni­ge für die Gemein­den.“


Ober­kir­chen­rä­tin Kat­rin Göcken­jan-Wes­sels räum­te ein, dass die Lan­des­kir­che erst recht spät, näm­lich im Jahr 2009, mit sys­te­ma­ti­scher Nach­wuchs­wer­bung begon­nen habe. Die Fol­gen zei­gen sich im Bericht über die Pfarr­stell­ent­wick­lung bis 2040. Hier wird bis 2040 jähr­lich Zugän­ge von jeweils 15 Pfar­re­rin­nen und Pfar­rern pro­gnos­ti­ziert. Die­ser Wert lie­ge dras­tisch unter den Abgän­gen bei­spiels­wei­se durch Ein­tritt in den Ruhe­stand.


Dem sol­le, so der Beschluss der Syn­ode, durch mehr Wer­bung für den Pfarr­be­ruf und für die Arbeit in den Inter­pro­fes­sio­nel­len Teams ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Zudem, so eine wei­te­re For­de­rung, sol­le der Zugang zum Pfarr­be­ruf offe­ne gestal­tet wer­den.

©EKKLP

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