Donnerstag, 03. April 2025

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Lesung aus einem kri­ti­schen Lie­bes­brief an Kir­che

Die ers­ten Fra­gen, die Juli­an Sen­gel­mann nach einer über 6stündigen Zug­fahrt noch am Bahn­hof stell­te, waren: „Len­ne­stadt – wo ist das eigent­lich? In wel­chem Bun­des­land bin ich?“ Der Schau­spie­ler, Sän­ger, Mode­ra­tor, Syn­chron­spre­cher, Autor und Pfar­rer reis­te auf Ein­la­dung der Ev. Kir­chen­ge­mein­de Atten­dorn-Len­ne­stadt für eine Lesung aus Ham­burg („dem Vor­ort und Speck­gür­tel von Len­ne­stadt“, so der Gast mit einem Augen­zwin­kern ange­sichts der Grö­ße der Kir­chen­ge­mein­de) an. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag las der pro­mo­vier­te Theo­lo­ge im Ev. Gemein­de­haus Gre­ven­brück aus sei­nem kri­ti­schen Lie­bes­brief an Kir­che „Glau­be ja, Kir­che nein? War­um sich Kir­che ver­än­dern muss“. Gleich zu Beginn bedank­te er sich, unter­stützt vom Applaus der Gäs­te, direkt bei Dia­ko­nin Kris­ti­na Ashoff für die Ein­la­dung, die Orga­ni­sa­ti­on und die herz­li­che Gast­freund­schaft. Anschlie­ßend nahm er die gespannt lau­schen­den Gäs­te mit hin­ein in einen skur­ri­len, schon über­spitzt beschrie­ben wir­ken­den, aber tat­säch­lich erleb­ten Got­tes­dienst und wies auf die (Hemm-) Schwel­le hin, die beim Betre­ten einer Kir­che über­schrit­ten wer­den muss. Der Ham­bur­ger, der 2017 als Bot­schaf­ter für das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um fun­gier­te, sprach auch die DNA der pro­tes­tan­ti­schen Kir­che an („Eccle­sia sem­per refor­man­da“ – „Die Kir­che muss sich immer ver­än­dern“). Die Fra­gen „Wann waren Sie eigent­lich das letz­te Mal in der Kir­che? Und war­um waren Sie beim letz­ten Mal zum letz­ten Mal in der Kir­che?“ brach­ten zum Nach­den­ken.  „Wenn wir ver­ste­hen möch­ten, war­um Kir­che sich ver­än­dern muss, müs­sen wir her­aus­fin­den, war­um Men­schen nicht mehr hin­ge­hen wol­len“, so Juli­an Sen­gel­mann. Und zähl­te direkt die sechs häu­figs­ten Grün­de auf. Schmun­zeln über sei­ne Erfah­run­gen mit dem Ange­bot für Ü50jährige, Lachen über den Hang von „Kir­chens“ zu Alli­te­ra­tio­nen und Kopf­ni­cken bei The­sen wie „Glau­bens­fra­gen sind Lebens­fra­gen“ wech­sel­ten sich ab – unter­bro­chen auch manch­mal von dem Gefühl, sich in man­chen sei­ner Beschrei­bun­gen wie­der­zu­er­ken­nen.

Nach einer Pau­se mit Geträn­ken und Salz­stan­gen nahm sich der Autor noch viel Zeit für Fra­gen und auch kri­ti­sche Anmer­kun­gen: The­men wie die Kir­chen­mu­sik, die Spra­che im Got­tes­dienst, die media­le Aus­stat­tung, Kon­kur­renz­ver­an­stal­tun­gen, per­so­nel­le Res­sour­cen, die Ein­bin­dung von Men­schen und die Gewin­nung jun­ger Men­schen brach­ten die Gäs­te zur Spra­che – und Juli­an Sen­gel­mann stand sehr empa­thisch und wert­schät­zend Rede und Ant­wort. Auch nach dem offi­zi­el­len Schluss gin­gen die Gesprä­che und Über­le­gun­gen noch bis Mit­ter­nacht wei­ter. Mari­et­ta Hamm aus der Buch­hand­lung Hamm in Alten­hun­dem war mit einem Bücher­tisch vor Ort, und so nutz­ten vie­le die Gele­gen­heit, ihr soeben gekauf­tes Buch direkt von sei­nem Ver­fas­ser signie­ren zu las­sen.

Ein­hel­li­ge Rück­mel­dun­gen der Gäs­te: „Klas­se Lesung!“. Fazit des Autors am Mor­gen danach via Ins­ta: „Ach, das war schön und inten­siv, kri­tisch und kon­struk­tiv ges­tern in Len­ne­stadt.“ 

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