Freitag, 04. April 2025

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„Hap­py Bir­th­day“

„Hap­py Bir­th­day“ der Stadt Atten­dorn zum 800. und dem Kam­mer­or­ches­ter zum 70. – so lau­te­te der Titel des fest­li­chen Abends. Die Orches­ter­vor­sit­zen­de, Bar­ba­ra Wilk­mann, hat­te in ihrer Begrü­ßung nicht zu viel ver­spro­chen, als sie den zahl­reich erschie­ne­nen Zuhö­rern mehr als ein rei­nes Geburts­tags­ständ­chen in Aus­sicht stell­te. Es war ein abend­fül­len­des Fest­pro­gramm, bei dem sich die musi­ka­li­schen Höhe­punk­te nur so anein­an­der­reih­ten.

Begeis­ternd die über­aus gelun­ge­ne Mischung der gewähl­ten Musik­stü­cke zwi­schen fest­lich und vir­tu­os, schwung­voll und hei­ter, dar­ge­bo­ten mit eini­gen musi­ka­li­schen Über­ra­schun­gen. Ein Orches­ter, das unter dem sou­ve­rä­nen Diri­gat sei­nes musi­ka­li­schen Lei­ters Anar Bra­mo wie­der ein­mal über sich hin­aus­wuchs und ein Niveau zeig­te, wel­ches für ein Lieb­ha­ber­or­ches­ter wirk­lich bemer­kens­wert ist.

Bereits die von Anar Bra­mo bear­bei­te­te Fas­sung der Bach – Kan­ta­te „Scha­fe kön­nen sicher wei­den“ für Strei­cher, Obo­en und Hör­ner ließ auf­hor­chen. Mit ihr ent­fal­te­te sich ein sehr homo­ge­ner, ange­nehm wei­cher Strei­cher­klang in der Stadt­hal­le, über den sich fest­lich hei­ter die Melo­die­füh­rung der Obo­en leg­te.

Auf die­se Wei­se her­vor­ra­gend ein­ge­stimmt, wur­de der aus der Ukrai­ne stam­men­de Gei­ger Alek­sey Semen­en­ko, der noch in den ers­ten Tagen des Krie­ges in sei­ner Hei­mat kon­zer­tiert hat­te, mit gro­ßem Bei­fall auf der Atten­dor­ner Büh­ne will­kom­men gehei­ßen. In den bekann­ten Kon­zert­häu­sern Deutsch­lands und des Aus­lands zuhau­se, sorg­te er für den abso­lu­ten Höhe­punkt des Abends. Mit jugend­li­chem Charme, höchs­ter Vir­tuo­si­tät und Musi­ka­li­tät, über jede tech­ni­sche Anfor­de­rung erha­ben, inter­pre­tier­te er Mozarts Vio­lin­kon­zert Nr. 4 auf eine Art und Wei­se, die dem Publi­kum die Spra­che ver­schlug und unver­ges­sen blei­ben wird. Durch sei­ne Zuge­wandt­heit an das Orches­ter über­trug sich die Leich­tig­keit sei­nes Musi­zie­rens auf die Orches­ter­mu­si­ker, die bra­vou­rös zu beglei­ten wuss­ten und den vom Solis­ten vor­ge­ge­be­nen hohen Tem­pi bes­tens gewach­sen waren.

Fre­ne­ti­scher, nicht enden wol­len­der Applaus mit Stan­ding Ova­ti­on folg­te den letz­ten Tönen des Ron­de­aus, bis Alek­sey Semen­en­ko sei­ne Zuga­be ankün­dig­te, die Sere­na­de für Vio­li­ne Solo von Valen­tin Sil­vestrov. Ruhe und Stil­le in Gedan­ken an sei­ne ukrai­ni­schen Lands­leu­te strah­le sie immer für ihn aus, wenn er die Sere­na­de spie­le – das galt im Kon­zert auch für das Publi­kum – es herrsch­te abso­lu­te Ruhe.

Der zwei­te Kon­zert­teil wur­de zu einem Feu­er­werk der Musik. Frisch und flott der Auf­takt mit Haydns 1. Sin­fo­nie D‑Dur, bevor sich mit der bekann­ten Thais Medi­ta­ti­on von Mas­se­net eine völ­lig ande­re Stim­mung ent­fal­te­te – andäch­ti­ges Zuhö­ren. Anar gelang es durch sein prä­zi­ses und ein­fühl­sa­mes Diri­gat ganz her­vor­ra­gend, Solist, Orches­ter und Kla­vier­be­glei­tung (Kla­vier Chris­ti­an Pospi­schil) in Ein­klang zu brin­gen. Die­se Inter­pre­ta­ti­on rühr­te an – spä­tes­tens jetzt hat­te der Gei­ger Alek­sey Semen­en­ko die Her­zen des Publi­kums erobert.

Erneu­ter Stim­mungs­wech­sel mit Brahms Unga­ri­schem Tanz Nr. 1 g‑moll; Diri­gent und Orches­ter zeig­ten sich bes­tens auf­ge­legt und ris­sen die Zuhö­rer durch ihre unge­heu­re Spiel­freu­de mit in die schwung­vol­le Musik.

Ein eigens zum Geburts­tag der Stadt vom Orches­ter beim ukrai­ni­schen Musi­ker And­rei Push­karev in Auf­trag gege­be­nes Musik­stück „Alles Gute zum Geburts­tag“ bil­de­te den krö­nen­den Abschluss des Kon­zerts. Am Kla­vier Bür­ger­meis­ter Pospi­schil, der sicht­lich Freu­de dar­an hat­te, mit dem Kam­mer­or­ches­ter die bekann­te Melo­die „Zum Geburts­tag viel Glück“ und deren Varia­tio­nen mit Anklän­gen an gro­ße Kom­po­nis­ten wie Vival­di, Mozart und Tschai­kow­sky zu Gehör zu brin­gen, teil­wei­se als Wal­zer oder im Tan­go – Rhyth­mus mit dem Diri­gen­ten selbst an sei­ner Vio­li­ne.

Die Zuhö­rer riss es erneut von den Stüh­len. Zwei Zuga­ben waren erfor­der­lich – Brahms Unga­ri­scher Tanz Nr.5 und erneut das soeben urauf­ge­führ­te Geburts­tags­stück, bis schließ­lich das Orches­ter und der Diri­gent nach einem lan­gen Abend ent­las­sen wur­den.

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