Zum Tag der Pflege: Austausch von ExpertInnen aus Siegen und Olpe über Rahmenbedingungen ihres Berufs
Der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai 2026 steht unter einem klaren und zugleich richtungsweisenden Motto: „Our Nurses. Our Future.“ Damit rückt die zentrale Rolle professioneller Pflegekräfte nicht nur für die Gesundheitsversorgung, sondern auch für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität stärker denn je in den Fokus. Die Botschaft ist eindeutig: Wer Pflege stärkt, stärkt die Zukunft.
Im Rahmen eines fachlichen Austauschs haben Führungskräfte und Pflegende aus den Marien Kliniken Siegen und den GFO Kliniken Südwestfalen aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven des Pflegeberufs beleuchtet. Es sprachen Markus Cimiotti. Pflegedirektor der Marien Kliniken Siegen, seine Referentin Alina Ludewig sowie Tobias Quast, Pflegedirektor der GFO Kliniken Südwestfalen und seine Stellvertreterin Sladjana Blagojevic. Ergänzt wurde die Perspektive durch Stimmen aus der Praxis mit Enza Wilpert-Enecio (Stationsleitung 2A, GFO Kliniken Südwestfalen), Thomas Kersting (Teamleitung hauptamtliche Praxisanleitung, GFO Kliniken Südwestfalen), Christine Sarpong (Stationsleitung Intensivstation, Marien Kliniken Siegen) sowie Sarah Nietsch (Pflegeexpertin, Marien Kliniken Siegen).
Deutlich wurde dabei: Pflege ist weit mehr als Versorgung – sie ist der zentrale Knotenpunkt im komplexen System moderner Gesundheitsversorgung. Pflegekräfte verbinden medizinische, organisatorische und menschliche Aspekte und behalten dabei stets den Überblick über alle Schnittstellen. Ihre Rolle ist entscheidend für Qualität, Sicherheit und Kontinuität in der Patientenversorgung. „Pflege rettet leben“, machte Markus Cimiotti gleich zu Beginn deutlich.
Dennoch kämpfen die Mitarbeitenden in der Pflege nach wie vor häufig mit tradierten Vorurteilen. „Pflege wird oft auf ,Helfen` reduziert – tatsächlich ist es aber so, dass Pflegekräfte täglich komplexe fachliche Entscheidungen treffen und Versorgungsprozesse steuern. Sie sind zentral für Patientensicherheit und Genesung. Leider fehlt häufig die Sichtbarkeit dieser Verantwortung und Expertise im Alltag“, erklärte Sladjana Blagojevic. Und Tobias Quast betonte: „Pflege ist zu einem hochkomplexen Beruf geworden.“
Gleichzeitig steht die Pflege weiterhin vor großen Herausforderungen wie Fachkräftemangel, steigenden Anforderungen und wachsender Bürokratie. Doch die Diskussion zeigte auch klare Lösungsansätze: Moderne Pflege setzt auf individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, gezielte Förderung und echte Mitgestaltung. Führung bedeutet heute vor allem, Voraussetzungen zu schaffen, in denen Mitarbeitende ihre Kompetenzen entfalten können. „Langfristige Zufriedenheit bei den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen muss man sich täglich erarbeiten. Man muss die Rahmenbedingungen anpassen. Und ich glaube, da hat Pflege in den letzten Jahren vieles gelernt“, so Markus Cimiotti.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die gelebte Autonomie der Teams. Pflegekräfte sollen aktiv an Prozessen mitwirken, Veränderungen anstoßen und Verantwortung übernehmen. Dort, wo Mitgestaltung ermöglicht wird, entstehen Innovation, Motivation und langfristige Zufriedenheit. Dieser Kulturwandel wird zunehmend als Schlüssel für eine zukunftsfähige Pflege verstanden. „Es hat mittlerweile ein kompletter Hierarchiewechsel stattgefunden. Wir sind direkt an der Mitgestaltung der Prozesse, die uns betreffen, beteiligt“, betonte Enza Wilpert-Enecio.
Auch die standortübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern in Siegen; Olpe und Lennestadt eröffnet neue Chancen. Der offene fachliche Austausch, gemeinsame Lernprozesse und gegenseitige Unterstützung stärken sowohl die Versorgungsqualität als auch die berufliche Entwicklung der Mitarbeitenden. „Unser Ziel ist es, voneinander zu lernen, gute Ansätze sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit schrittweise weiterzuentwickeln“, sagte Sladjana Blagojevic.
Trotz aller strukturellen Themen bleibt eines im Fokus: der Patient. Viele Pflegekräfte wünschen sich vor allem mehr Zeit für direkte Zuwendung und weniger bürokratischen Aufwand. Denn genau darin liegt die ursprüngliche Motivation des Berufs: „Die Betreuung der Patenten ist der Grund, warum ich Pflegekraft geworden bin“, führte Christine Sarpong aus.
Der Internationale Tag der Pflege 2026 macht damit deutlich: Pflege ist kein unterstützender Randbereich des Gesundheitssystems, sondern sein zentraler Stabilitätsfaktor. Ihre Zukunft hängt entscheidend davon ab, wie konsequent ihre Bedeutung anerkannt, ihre Expertise sichtbar gemacht und ihre Arbeitsbedingungen nachhaltig gestärkt werden.

