„Schaufensterkrankheit“ lautet im Volksmund der verharmlosende Begriff für eine schwere Erkrankung der Beinarterien. Häufig sind Raucher davon betroffen. Die Attendorner Altenpflegerin Birgit Gersbacher erlebte sie buchstäblich am eigenen Leib.
„Mein Hausarzt hatte die Verkalkungen bereits festgestellt, aber dass es dann so schnell gehen würde, hätte ich nie gedacht.“ Birgit Gersbacher hatte immer mal wieder Beschwerden in den Beinen. Als Krankenschwester im Ruhestand weiß die heute 72-Jährige, Schmerzen richtig einzuordnen und auszuhalten.
Doch als es im August vergangenen Jahres so schlimm wurde, dass selbst kurze Spaziergänge mit Rauhaardackel Anton (13) zu einer Strapaze wurden, wurde ihr alles zu viel. Bei ihren Gassi-Runden durch Attendorn hangelte sie sich nur noch von Bank zu Bank und wartete, bis ihre Beine wieder gehfähig waren. Das konnte bis zu zehn Minuten dauern.
Zunächst traten die Schmerzen nur bei Bewegung auf, kurz darauf blieb sie auch im Ruhezustand nicht mehr verschont. Besonders die Nächte wurden unerträglich. „Ich konnte nicht mehr liegen. Sobald ich die Beine ausstreckte, bekam ich fürchterliche Schmerzen. Dazu kam das Kribbeln in den Füßen, die dann regelrecht einfroren“, berichtet Birgit Gersbacher.
Der Hausarzt reagierte sofort und überwies Frau Gersbacher in die Gefäßchirurgie der Helios-Klinik – und das war höchste Eisenbahn. Denn die durchgeführte CT-Angiographie brachte Erschreckendes zutage. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um ein schnelles bildgebendes Verfahren zur detaillierten Darstellung von Blutgefäßen mittels Computertomographie. Es zeigte sich ein kompletter Verschluss der Beinschlagader im rechten Bein. Die Diagnose lautete „periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)“, eine Erkrankung, die häufig Menschen betrifft, die Risikofaktoren wie starkes Rauchen oder Bluthochdruck aufweisen – so wie Birgit Gersbacher.
Mit der „Schaufensterkrankheit“ (pAVK) wird ein Leiden beschrieben, das schätzungsweise vier bis fünf Millionen Menschen in Deutschland betrifft: Um sich beim Gehen eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, bleiben Betroffene abrupt stehen. Um diese vermeintliche Schwäche zu überspielen, werfen sie einen mehr oder weniger interessierten Blick in Schaufenster oder suchen sich eine Sitzgelegenheit, bis die Schmerzen vorübergehend nachlassen.
Unbehandelt treten die Schmerzen bei der pAVK auch im Ruhezustand auf, zudem können sich große Wunden an den Beinen entwickeln, die nur schwer abheilen. Fachleute schätzen, dass die Erkrankung – je nach Ausprägung – die Lebenserwartung um mehrere Jahre verkürzen kann. Auch Bewegungsmangel und eine ungesunde Lebensweise erhöhen das Risiko, daran zu erkranken.
Minimalinvasive Therapie durch Punktion der Arterie
Cebrail Günes leitet als Chefarzt die Abteilung für Gefäßchirurgie und entscheidet sich bei Frau Gersbacher für eine Stentangioplastie (PTA).
„Die PTA ist ein etabliertes, minimalinvasives Verfahren, bei dem verengte oder verschlossene Blutgefäße mithilfe eines Ballonkatheters zunächst aufgedehnt und anschließend durch eine kleine Gefäßstütze aus einer Metalllegierung – den sogenannten Stent – offengehalten werden“, erklärt der Facharzt.
„Dabei lege ich einen Zugang über die Leiste oder den Arm unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose.“ Das ermögliche eine sofortige Wiederherstellung des Blutflusses, lindere Schmerzen und verhindere idealerweise erneute Verschlüsse, so Günes. Bei Birgit Gersbacher war die Behandlung erfolgreich. Heute kann sie wieder beschwerdefrei mit ihrem Hund laufen und legt dabei täglich gut zehn Kilometer zurück. Dabei trifft sie wieder Freunde und Bekannte in der Hansestadt – beachtliche Strecken, wenn sie an den vergangenen Sommer zurückdenkt.
„Ich kann nur jedem empfehlen, die Behandlung der Schaufensterkrankheit nicht auf die lange Bank zu schieben. Von alleine wird es nicht besser. Und heute fühle ich mich wieder mobil und belastbar“, freut sich die frühere Krankenschwester, die sich inzwischen auch wieder um ältere Menschen kümmert, die Betreuung benötigen. Die rüstige Rentnerin arbeitet wieder stundenweise im Attendorner Liborius-Stift. „Ich bin wieder fit und dankbar, dass ich anderen Menschen noch viel zurückgeben kann. Das wäre ohne den Eingriff so nicht mehr möglich gewesen.“

