Montag, 26. Januar 2026

Top 5 der Woche

Ähnlich

Kreissynode verabschiedet Doppelhaushalt

Finanzen, Entwicklung Gemeindegliederzahlen, Haus Nordhelle und Haus Alter Leuchtturm auf Borkum – Synode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg behandelt verschiedene Themen

Bei ihrer Herbsttagung in Meinerzhagen haben die Delegierten des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg erstmals einen Haushalt verabschiedet, der nach der neuen Finanzsatzung aufgestellt worden ist. Zudem handelt es sich um einen Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027.

Bernd Göbert, Leiter des Kreiskirchenamtes Sauerland-Hellweg, rechnet für die kommenden zwei Jahre mit einer Seitwärtsbewegung bei den Einnahmen aus der Kirchensteuer. Vor diesem Hintergrund biete es sich an, einen Doppelhaushalt zu fahren. Der Verwaltung bringe das aufgrund der Zeitersparnis die Möglichkeit, bislang nicht bearbeitete Jahresabschlüsse vorzubereiten.

Bernd Göbert nahm auch kurz zur Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen im laufenden Jahr Stellung. Bis Oktober hätten die tatsächlichen Einnahmen 2,1 Prozent über der Schätzung gelegen. „So werden wir wahrscheinlich noch einen kleinen Puffer haben“, sagte er. Für das kommende Jahr rechnet er mit Kirchensteuereinnahmen von 11,383 Millionen Euro. 2027 werden es laut Plan 11,095 Millionen Euro sein. Der Doppelhaushalt weist in der Finanzausgleichskasse für 2026 einen Fehlbetrag von 284.000 Euro aus. 2027 beläuft sich der Fehlbetrag dann auf 294.000. Bis 2029 werden die Einnahmen laut Plan voraussichtlich auf 10,260 Millionen Euro abschmelzen.

Für Pfarrbesoldung und Verkündigung stehen 2026 insgesamt 2,234 Millionen Euro zur Verfügung (2027: 2,245 Millionen Euro). An den Kirchenkreis gehen 1,327 Millionen Euro (2027: 963.000 Euro). Unter den Gemeinden werden insgesamt 4,784 Millionen Euro (2027: 4,491 Millionen Euro) verteilt. Darin ist auch die zweckgebundene Klimapauschale enthalten, die die Gemeinden für Klimaschutzmaßnahmen ausgeben müssen. Mit der neuen Finanzsatzung hat sich der Verteilschlüssel geändert. Grundlage ist jetzt die Zahl der Gemeindeglieder. Bislang bestand die Berechnungsgrundlage aus einer Kombination aus der Zahl der Gemeindeglieder und der Gemeindefläche.

Neben den defizitären Tendenzen für die Kirchensteuereinnahmen in den kommenden Jahren, gab es bei den Vorstellungen der verschiedenen Haushalte aber auch einen Lichtblick. Der Haushalt des Trägerverbund der Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wird mit einer positiven Bilanz abschließen. Das verkündete Dirk Cechelius, Geschäftsführer des Trägerverbundes, auf der Synode. Der Haushalt beläuft sich in Erträgen und Aufwendungen auf 14.297.880 Euro. Da die Kapitalflussplanung einen Überschuss von 389.890 Euro aufweist, ist eine Zuführung zum Sonderposten „KiBiz-Rücklage“ geplant. „Das ist ein hervorragendes Ergebnis und hierfür möchte ich Herrn Cechelius einen sehr großen Dank aussprechen“, machte Superintendent Dr. Christof Grote deutlich.

Kirche muss „den Himmel offenhalten“
Die Zahl der Gemeindeglieder im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg sinkt weiter. Superintendent Dr. Christof Grote formulierte es bei der Kreissynode in Meinerzhagen drastisch. „Ich möchte Sie teilhaben lassen an meinem allmorgendlichen Erschrecken, das mich ergreift, wenn ich auf meinem Schreibtisch in der Superintendentur die Postmappe öffne und all die Kirchenaustrittsmeldungen der Amtsgerichte sehe, die ich unterzeichnen muss“, sagte er in seinem Bericht vor Kreissynodalen bei der Finanzsynode in der Aula des Evangelischen Gymnasiums in Meinerzhagen.

Dann präsentierte Christof Grote die Zahlen. Danach sind 2024 insgesamt 982 Menschen aus den heimischen Kirchengemeinden ausgetreten. „Damit haben mehr Menschen die Kirche verlassen, als beerdigt worden sind.“ In den Kirchenbüchern seien 975 Bestattungen verzeichnet. Zur Vervollständigung der Zahlen: 2024 sind im Kirchenkreis 384 Menschen getauft und 42 in die Kirche aufgenommen bzw. wieder aufgenommen worden.

Im laufenden Jahr, so der Superintendent, sehe es keinesfalls besser aus. Von Januar bis einschließlich Oktober seien 698 Beerdigungen und 885 Austritte zu verzeichnen. Dem stünden 304 Taufen und 28 Aufnahmen gegenüber. „Wir verlieren seit 2024 mehr Gemeindeglieder durch Austritte als durch Beerdigungen“, verdeutlichte Dr. Christof Grote.

Der Superintendent stellte ausführlich eine Studie von Jan Loffeld vor. Loffeld ist katholischer Priester und Professor für katholische Theologie in den Niederlanden. Seine Studie trägt den Titel „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“. Darin geht es um die wachsende Gleichgültigkeit in religiösen Fragen. Loffeld ist der Auffassung, dass dieser Megatrend nicht aufgehalten werden kann. Er kommt zu dem Schluss, dass Kirche dennoch alle Anstrengungen unternehmen müsse, die dazu beitragen, so Loffeld, dass „der Himmel offengehalten wird.“ Hier zeigte Dr. Christof Grote konkrete Beispiele auf, wo Kirchengemeinden und Kirchenkreis mit großem Engagement immer noch umfangreiche Angebote anbieten und sich für die Menschen vor Ort einsetzen. Eben mit Ziel, trotz aller gesellschaftlicher Entwicklungen, die praktische und persönliche Verbindung zu Gott
lebendig zu halten.

ekklp kreissynode 2025 hal 1
Die Ferienstätte „Alter Leuchtturm“ auf Borkum scheint aus wirtschaftlicher Sicht eine Kehrtwende geschafft zu haben. Nach schwierigen Zeiten schreibt das Haus des Kirchenkreises nun schwarze Zahlen. Auch der Ausblick in die Zukunft ist positiv (Foto: EKKLP)

Ferienstätte „Alter Leuchtturm“ stemmt Renovierung aus eigener Kraft
Das Haus „Alter Leuchtturm“ auf der Nordesseinsel Borkum hat schwere Wetter überstanden. Nachdem vor Jahren schwere Mängel an der Bausubstanz entdeckt worden waren und ein Renovierungsbedarf von rund drei Millionen Euro im Raum stand, hat sich das Blatt gewendet.

Ein neues Sanierungsmodell, nach dem alle Schäden (Setzrisse in der Fassade, Abplatzungen im Klinkerbereich und mehr) in kleinen Schritten behoben werden, kann die Familienferienstätte in Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg die Renovierung aus eigener Kraft stemmen. „Es werden keine Kirchensteuermittel benötigt“, erklärte Geschäftsführerin Claudia Adams-Kuhbier bei der Synode in Meinerzhagen. Es könne sogar Geld an den Kirchenkreis abgeführt werden. So werde das Haus einen Beitrag zur Stützung des kreiskirchlichen Haushaltes leisten. Dazu trage auch die Preisanhebung bei, die von den Gästen akzeptiert werde. So schlage zum Beispiel eine Übernachtung mit Vollpension in der Hauptsaison mit 75 Euro zu Buche. Ein klarer Preisanstieg, allerdings noch immer ein sehr fairer Preis, wie Adams-Kuhbier betonte.

Tatsächlich stehen in der Planung für das Haushaltsjahr 2026 Aufwendungen von 1.218.450 Euro Erträge in Höhe von 1.293.100 gegenüber. Das ergibt einen Jahresüberschuss von 74.650 Euro. Dieser Betrag soll dem Eigenkapital zugeführt werden. Für das Jahr 2027 ist ebenfalls ein Überschuss von 41.300 Euro eingeplant. Auch dieser Betrag soll das Eigenkapital aufstocken. Dieser Doppelhaushalt wurde von der Synode einstimmig verabschiedet.

Ramona Winkler-Rudzio (Vorsitzende des Leitungsausschusses, der das Haus „Alter Leuchtturm“ führt), erläuterte das Leitbild, das sich die Ferienstätte gegeben hat. Danach ist das Haus „Alter Leuchtturm“ eine kirchlich-diakonische Einrichtung, die Freiräume für Verkündigung, Seelsorge, Gemeinschaft und Begegnung bietet. Diese klare Ausrichtung, die das Haus immer ausgemacht hat, wird auch in Zukunft ein wichtiger Eckfeiler der Einrichtung bleiben.

haus nordhelle ekklp
Nachdem ‚Haus Nordhelle‘ lange von den Kirchenkreisen LüdenscheidPlettenberg und Iserlohn betrieben wurde, war es 2019 an einen neuen Betreiber übergeben worden. Im Sommer gab die Betriebsgemeinschaft bekannt, dass sie das Haus in Meinerzhagen/Valbert aufgeben wird (Foto: EKKLP)

Kirchenkreis atmet auf: Neuer Investor für Haus Nordhelle
Diese Nachricht kam für den heimischen Kirchenkreis in diesem Sommer überraschend und zog erhebliche Sorgen nach sich: Die bisherige Betriebsgemeinschaft für das „Landhaus Nordhelle“ in Meinerzhagen gibt auf. Damit wäre die Immobilie zum 30. November dieses Jahres an die Evangelischen Kirchenkreise Lüdenscheid-Plettenberg und Iserlohn zurückgefallen. Mit kaum übersehbaren finanziellen Folgen.

Bei der Synode des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg konnte Superintendent Dr. Christof Grote aber nun Entwarnung geben: „Nach Monaten voller Sorgen haben wir einen Investor gefunden, der das Haus übernehmen will“, sagte der Chef des Kirchenkreises. Die notwendigen Verträge seien zwar noch nicht unterschrieben. „Es gibt aber einen Letter of Intend.“ In dieser Absichtserklärung sei festgelegt, dass der Kaufinteressent das Gebäude zum 1. Dezember 2025 nahtlos übernehmen werde.

Dr. Christof Grote bat die Synodalen bei der Tagung im Ev. Gymnasium Meinerzhagen um Verständnis dafür, dass er jetzt weder den Namen noch den Kaufpreis nennen werde. „Das werde ich tun, wenn alle Verträge unterschrieben sind.“

Die ehemalige Tagungs- und Begegnungsstätte auf dem Meinerzhagener Koppenkopf war zum 1. Januar 2019 an die Grundstücksgesellschaft „Landhaus Nordhelle GmbH“ übergegangen. Die aus Halle stammenden Gesellschafter Uwe Martens, Gunnar Schlicht und Tobias Kogge waren zu diesem Zeitpunkt voller Zuversicht, das Haus, das 2014 komplett renoviert worden war, wirtschaftlich betreiben zu können.

Allerdings lief es nicht rund. Es folgte eine langwierige Änderung des Flächennutzungsplanes, die notwendig war, um die ehemalige Beherbergungsstätte als Hotelbetrieb führen zu können. Damit verbunden waren behördliche Auflagen in nennenswerter Größenordnung.

Weitere Probleme kamen hinzu. Die Corona-Pandemie machte den neuen Betreibern einen Strich durch die Rechnung. Die Sperrung der A45 und der Krieg in der Ukraine erwiesen sich, so Dr. Christof Grote bei der Synode, als weitere Negativ-Faktoren. Und: Wie schon in den Jahren nach der Renovierung 2014 war das Haus an Wochenenden gut belegt. Unter der Woche blieben die Gäste aber aus.

Mit dem nun anstehenden Verkauf des Hauses und des Grundstückes könnte der Kirchenkreis sämtliche Verbindlichkeiten in Bezug auf das Haus Nordhelle erfüllen, versicherte der Superintendent. Es bleibe sogar noch etwas Geld übrig. „Wenn uns das gelingt, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, fasste Dr. Christof Grote die gesamte Entwicklung zusammen.

Zur Geschichte des Hauses: Haus Nordhelle wurde vom Architekten Helmut Blöcher entworfen und 1980 als evangelische Bildungsstätte eröffnet. Die Einrichtung war damals ein gemeinsames Projekt der Kirchenkreise Siegen, Wittgenstein, Iserlohn, Plettenberg und Lüdenscheid. Nach dem Ausstieg der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein starteten die beiden verbleibenden Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg unter dem Motto „Aufbruch 2015“ eine umfangreiche Modernisierung. Mit dem Dreiklang aus Bildung, Begegnung und Spiritualität sollte eine neue Qualität entstehen. Allerdings kam das „Ev. Tagungszentrum Haus Nordhelle“ unter der Woche nicht über eine Belegungsquote von 40 Prozent hinaus. Vor dem Hintergrund der defizitären Entwicklung leiteten die beiden Kirchenkreise 2017 ein öffentliches Bieterverfahren ein, bei dem die aus Halle stammenden Gesellschafter schließlich den Zuschlag erhielten. Zum 1. Januar 2019 ging das Gebäude dann an die Grundstücksgesellschaft „Landhaus Nordhelle GmbH“ über.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Beiträge