Eine ganz besondere Fahne aus Olpe ist ab sofort im Südsauerlandmuseum im „Demokratennest“ Attendorn ausgestellt
Eine außergewöhnliche historische Entdeckung bereichert ab sofort das Südsauerlandmuseum in Attendorn: Die schwarz-rot-goldene Fahne mit Jahresmarke von 1848 ist als Dauerleihgabe des Turnvereins Olpe in die Ausstellung des Museums aufgenommen worden.
Über lange Zeit blieb das bedeutende Symbol der deutschen Demokratiegeschichte nahezu unbeachtet – obwohl es immer ganz in der Nähe war.
„Die Fahne war eigentlich immer schon da“, so Raphaele Voß, Vorsitzende des Turnvereins Olpe, bei der offiziellen Übergabe der Fahne im Südsauerlandmuseum. Über viele Jahre hinweg stand sie in der Kreisstadt in einem Schrank in der Geschäftsstelle des Vereins. Erst im Zuge der Vorbereitungen zum Vereinsjubiläum begann Voß, gemeinsam mit Geschäftsführerin Susanne Moess, die Geschichte des Turnvereins intensiver zu untersuchen – und stieß dabei auf den historischen Hintergrund der Fahne.
Eine entscheidende Wendung brachte schließlich eine Nachricht des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster. Dort wurde die enorme Bedeutung des Objektes erkannt. „Da ist mir die Dimension der Fahne erst so richtig bewusst geworden“, erinnerte sich Voß. Als Leihgabe gelangte die Fahne daraufhin zunächst in das Museum nach Münster, wo sie zwar verwahrt, jedoch offenbar nie ausgestellt wurde.
Nach längerer Zeit wurde Monika Löcken, Leiterin des Südsauerlandmuseums, durch eine Abbildung auf die Fahne aufmerksam und begann im Rahmen ihrer Forschungen über die Demokratiegeschichte Attendorns, gezielt nach Informationen über das Stück zu suchen. Schließlich erinnerte sich ein Mitarbeiter des Museums in Münster an das besondere Exponat. Für Raphaele Voß stand daraufhin fest: Die Fahne muss zurück in den Kreis Olpe.
Knapp ein Jahr dauerte der organisatorische Prozess, bis die Fahne nun als Dauerleihgabe ihren Platz im Südsauerlandmuseum in Attendorn gefunden hat. „Ich bin sehr stolz, dass sie nun hier hängt“, freut sich Voß, die in Olpe lebt und als Lehrerin am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn tätig ist und daher eine enge Verbindung sowohl zur Stadt Olpe als auch zur Hansestadt Attendorn hat. Für sie zeigt die Geschichte der Fahne eindrucksvoll: Historische Schätze können überall verborgen sein. „Sportvereine sind eben auch Kulturvereine“, betonte sie.
Bei der Übergabe im Südsauerlandmuseum unterstrich Landrat Theo Melcher die Bedeutung der Fahne als Zeichen der Demokratie: „Hätten die Menschen damals Erfolg gehabt, wäre Deutschland viel Leid erspart geblieben.“ Umso mehr freue er sich über die Ausstellung eines solchen historischen Stücks, das von den damaligen demokratischen Idealen zeugt.
Auch Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil zeigte sich begeistert von dem neuen Ausstellungsstück. „Es ist wichtig, dass wir die demokratische Tradition stets sichtbar machen“, so Pospischil. Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde 1848 landesweit zum Symbol einer demokratischen Gesinnung – auch wenn sich diese Denkweise damals noch nicht durchsetzen konnte.
Pospischil verwies zudem auf die besondere demokratische Vergangenheit der Hansestadt Attendorn. Im Jahr 2023 jährte sich der Beginn der Demokratiebewegung zum 175. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums gründete die Hansestadt den Arbeitskreis „Demokratennest“. Das Jahr 1848 war eine Zeit, in der in Attendorn wie im übrigen Deutschland die Revolution tobte. Attendorn war in jenen Jahren als „Demokratennest“ bekannt.
Weitere Informationen zu den historischen Ereignissen gibt es auf dem Internetauftritt der Hansestadt Attendorn https://www.attendorn.de/demokratennest.

