Superintendent und Bevollmächtigenausschuss informieren bei Gemeindeversammlung
Am gestrigen Abend informierten Christof Grote, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, sowie die Mitglieder des neu eingesetzten Bevollmächtigenausschusses über die aktuelle Situation der Evangelischen Kirchengemeinde Neuenrade. Das Interesse an der eigens einberufenen Gemeindeversammlung war ausgesprochen groß: Die vorgesehenen Sitzplätze im großen Saal des Gemeindehauses reichten nicht aus, so dass kurzfristig weitere Stühle aufgestellt werden mussten, um allen
Teilnehmenden einen Platz zu bieten.
„Ich freue mich sehr über das große Interesse an dieser Versammlung. Es zeigt eindrucksvoll, wie vielen Menschen diese Gemeinde am Herzen liegt“, betonte Superintendent Grote in seiner Begrüßung.
Bereits in einer kurzen Andacht sowie im anschließenden Gebet ging der Superintendent auf die aktuelle Situation der Kirchengemeinde ein. Dabei bezog er sich auf die Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu.“ „Dies ist nicht nur eine aktuelle Jahreslosung“, erklärte Grote, „sondern ein Verheißungswort. Trotz aller Krisen dürfen Sie mit Hoffnung in die Zukunft schauen. Denn Gott hat uns allen zugesagt: Ich bin bei dir, ich lasse dich nicht allein.“
Für den weiteren Verlauf der Versammlung wurde Pfarrer Martin Pogorzelski, Mitglied des Bevollmächtigenausschusses sowie des Kreissynodalvorstands (KSV), zum Versammlungsleiter bestimmt. Er führte anschließend souverän durch den Abend.
Zu Beginn dankte Superintendent Grote allen ehemaligen Mitgliedern des Presbyteriums ausdrücklich für ihren langjährigen Einsatz zum Wohl der Gemeinde. Sein Dank galt ebenso den zahlreichen Ehrenamtlichen sowie der Verwaltung, deren Engagement wesentlich dazu beitrage, dass die Kirchengemeinde weiterhin gut aufgestellt sei. Die pastorale Versorgung werde derzeit durch Pfarrer Achim Schwarz, Pfarrerin i. R. Juliane im Schlaa sowie Monika Grefe, Diakonin im Pastoralen Dienst, sichergestellt.
Superintendent Grote erläuterte anschließend die Hintergründe der aktuellen Leitungssituation: „Ende des vergangenen Jahres ist Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg als Mitglied des Presbyteriums in den Ruhestand verabschiedet worden. Aufgrund von Spannungen innerhalb des Gremiums, woraufhin vier weitere Mitglieder zurücktraten, waren von den eigentlich zehn Mitgliedern nur noch fünf Mitgliedern im Amt. Damit war das Presbyterium nicht mehr beschlussfähig, da laut Kirchenordnung in ihrem Fall mindestens sechs Mitglieder erforderlich sind.“ Der Versuch, ein weiteres Mitglied zu berufen, blieb leider erfolglos. „In dieser Situation ist der Kreissynodalvorstand verpflichtet, das Presbyterium aufzulösen und einen Bevollmächtigenausschuss einzusetzen. Nur so kann die Leitung der Gemeinde weiterhin verlässlich gewährleistet werden“, so Grote.
Zu Beginn des neuen Jahres wurden daher Pfarrer Dirk Pollmann (KSV), Pfarrer Martin Pogorzelski (KSV), Pfarrerin Juliane im Schlaa (Gastdienst in Neuenrade), Dorit Delwig (Neuenrade) und Dietrich Klein (Neuenrade) in den Bevollmächtigenausschuss berufen. Den Vorsitz wird künftig Pfarrer Pollmann übernehmen. Ziel sei es, den Ausschuss perspektivisch durch weitere engagierte Gemeindeglieder zu ergänzen. „Gesucht werden Menschen, die Freude an dieser verantwortungsvollen Aufgabe haben, die kommunikativ sind, gut zuhören können – und die den Glauben und diese Gemeinde im Herzen tragen“, erläuterte Pfarrer Pogorzelski. Vorsitzender Pollmann ergänzte: „Es braucht Zeit und Verlässlichkeit. Dies ist keine Freizeitbeschäftigung,
sondern eine ernsthafte Aufgabe. Aber sie lohnt sich – es ist ein sehr wichtiger und wertvoller Dienst für die Gemeinde.“
Im Verlauf der Versammlung wurden zahlreiche Fragen aus dem Plenum gestellt. Dabei ging es unter anderem um die vakante Pfarrstelle, die konkreten Aufgaben und die Amtsdauer des Bevollmächtigenausschusses sowie um eine realistische Perspektive für kommende Presbyteriumswahlen. Zeitweise wurden auch Themen aus der Vergangenheit offen, kontrovers und emotionaler angesprochen. Insgesamt war die Atmosphäre im Saal jedoch ruhig und konstruktiv.
Besonders viel Zustimmung erhielt ein Wortbeitrag aus dem Plenum: „Packen wir uns doch alle an die eigene Nase und kommen weg von Meinungsverschiedenheiten oder Lagerbildungen. Lassen Sie uns jetzt nach vorne schauen und einen Neuanfang wagen. Wir sind doch eine Gemeinde!“ Für diese Worte erhielt der Redner großen Applaus.
Superintendent Grote griff diesen Gedanken auf: „Ich danke Ihnen sehr für diese Worte. Sie haben meine abschließende Bitte bereits vorweggenommen. Bei allen unterschiedlichen Meinungen dürfen wir nicht vergessen: Sie alle verbindet, dass dies ihre Gemeinde ist – und dass sie doch das Beste für sie wollen.“
Nachdem alle Fragen beantwortet und Meinungen ausgetauscht worden waren, endete die Gemeindeversammlung nach gut einer Stunde mit dem gemeinsamen Vaterunser und einem Segen für die Gemeinde.
Text: Matthias Willnat
