Dienstag, 27. Januar 2026

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Erstklassiges Swing-Konzert zum Gedenken an Coco Schumann

Abend der AG Erinnerungskultur am St.-Ursula-Gymnasium

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Mit stehenden Ovationen dankten die Besucher dem „Kranich Kollektiv“ für das besondere Konzerterlebnis

Mit stehenden Ovationen dankten am vergangenen Sonntag die Besucher des Konzertes „Tribute to Coco Schumann“ den Musikern vom „Kranich Kollektiv“ für ein einmaliges Erlebnis. Auf Einladung der AG Erinnerungskultur am St.-Ursula-Gymnasium präsentierte die erstklassige Jazzband am Jahrestag der Reichspogromnacht in der vollbesetzten Aula Melodien des bekannten Swing-Musikers und Holocaust-Überlebenden Coco Schumann. Großzügige finanzielle Unterstützung erhielt die AG von der St.-Ursula-Stiftung.

Bandleader Alexander Kranich freute sich ganz besonders darüber, am St.-Ursula-Gymnasium zu gastieren, wo er 2013 sein Abitur abgelegte. Denn, wie er betonte, ohne die von der Schule durchgeführten Besuche der Kirchentage hätte er Schumann wohl nicht persönlich kennengelernt, ohne die Teilnahme in der AG Big Band nicht die ersten Auftritte als E-Gitarrist gehabt und  ohne die Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz mit dem Leistungskurs Geschichte wäre er nicht für das Thema Holocaust sensibilisiert worden. Alle diese Erfahrungen brachte Kranich in seine Moderation ein. Dabei erwies er sich auch wegen seiner Freundschaft zu Schumann als ein ausgewiesener Kenner seiner Musik und seiner Biographie. Äußerst souverän, mit einer Prise Humor und immer dem angemessenen Ton an den emotional belastenden Stellen führte er durch das Programm. Auch wenn der Gitarrist selbst seine musikalischen Fähigkeiten nur als amateurhaft bezeichnete, stand er seinen professionellen Bandmitgliedern Florian Boos (Saxophon), Axel Reichard (Klavier), Max Jalaly (Kontrabass) und Andreas Smyrek (Schlagzeug) in nichts nach.

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Die Jazzband „Kranich Kollektiv“ sorgte für ein einmaliges Konzerterlebnis am Abend der Erinnerungskultur am St.-Ursula-Gymnasium.

Im ersten Teil des Konzertes spielte das „Kranich Kollektiv“ Werke aus den Jugendjahren von Schumann und seiner Zeit als Insasse der Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz, darunter die bekannten Stücke „I got Rhythm“ und „La Paloma“. Als Mitglied der „Ghetto Swinger“ musste er in Theresienstadt auftreten, um den Anschein eines vorbildlichen Lagers aufrecht zu erhalten. Mit dem Lied „La Paloma“ sollte er vor den Gaskammern und an der Selektionsrampe in Auschwitz für eine „entspannte“ Atmosphäre unter den Inhaftierten sorgen, immer in dem Wissen um deren Schicksal. Auch nach seinen zahlreichen Auftritten, so Kranich, sei er an dieser Stelle des Konzertes emotional sehr ergriffen. Der zweite Teil des Konzertes enthielt Stücke aus Schumanns Zeit als Session-Musiker, darunter den Titel „Das ist die Musik von heute“ aus dem Erhardt-Film „Witwer mit fünf Töchtern“. Insgesamt zeigte das Programm besonders bei Schumanns eigenen Kompositionen die ganze Spannbreite von Swing, über Bebop bis hin zum Rock’n’Roll

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Schulleiter Markus Ratajski begrüßte den Gedenkstättenführer Wolfgang Naujocks, der aus Danzig extra für das Konzert angereist ist

Zu Beginn des Abends stellte die AG Erinnerungskultur, moderiert von Anabel Schmelcher und Jost Leowald (Jgst. Q1), ihre Arbeit vor. In einem bewegenden Film hatte AG Mitglied Robin Weißenhof die Gedenkstättenfahrt nach Danzig und Stutthof zusammengefasst. Die Statements einiger Teilnehmer stimmten sehr nachdenklich. Von Schülerinnen und Schülern gestaltete Plakate informierten über den historischen Hintergrund u.a. zu „entarteter Musik“ und „Swingjugend“.  Als gelungene Überraschung war Wolfgang Naujocks, der Guide in der Gedenkstätte Stutthof, extra für den Konzertabend aus Danzig angereist. Aufgrund seines einfühlsamen und zugleich appellativen Charakters hatte der 73-Jährige eine ganz besondere Beziehung zu den Jugendlichen aufgebaut, die den Besuchern kaum verborgen blieb.

„Ein absolut gelungener und wichtiger Abend! Gut vorbereitet, tolle Musik und ein guter Rahmen. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!“ lautete das Fazit einer Besucherin.

Alle Bilder: Robin Weißenhof

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