Donnerstag, 03. April 2025

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Unter­neh­men im Elek­tro­werk­zeug­bau ist „Chan­cen­stif­ter“ für Inklu­si­on

Der Wunsch, wie­der in sei­nem alten Beruf als Werk­zeug­me­cha­ni­ker Fuß zu fas­sen, beglei­te­te Fabi­an Hecker schon eine gan­ze Wei­le. Sei­ne psy­chi­sche Erkran­kung zwang den 34-jäh­ri­gen aus Kirch­hun­dem vor eini­gen Jah­ren „in die Knie“. Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te und Reha folg­ten. Glück­li­cher­wei­se auch die qua­li­fi­zier­te Unter­stüt­zung der Abtei­lung eXtern der Wert­h­mann-Werk­stät­ten des Cari­tas­ver­ban­des Olpe, zustän­dig für die beruf­li­che Bil­dung der Men­schen mit Behin­de­rung und für die Beglei­tung derer auf betriebs­in­te­grier­te Außen­ar­beits­plät­ze. Das dort ver­mit­tel­te Prak­ti­kum bei der Fir­ma Mide­na, Unter­neh­men im Werk­zeug- und For­men­bau in Alten­hun­dem, war sein Sprung­brett zurück in die Arbeits­welt – ein „Voll­tref­fer“, wie er selbst sagt. Seit Novem­ber letz­ten Jah­res arbei­tet Fabi­an Hecker auf einem betriebs­in­te­grier­ten Außen­ar­beits­platz im Unter­neh­men.

„Ein Glücks­griff für alle Betei­lig­ten“, bestä­tigt Fir­men­chef Wil­li Schä­fer, der mit Inklu­si­on des jun­gen Man­nes in den eige­nen Betrieb und der Koope­ra­ti­on mit den Wert­h­mann-Werk­stät­ten Neu­land betre­ten hat. Der Geschäfts­füh­rer des mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­mens ist froh, Fabi­an Hecker eine Chan­ce gege­ben zu haben. „Betrie­be soll­ten bereit sein, Men­schen mit Han­di­cap zu unter­stüt­zen, ihnen Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen und sie in die Arbeits­welt zu inte­grie­ren.“ Getreu dem Werk­statt-Mot­to: „Arbeit mög­lich machen“.

Als er im Juni vor zwei Jah­ren in der beruf­li­chen Bil­dung der Wert­h­mann-Werk­stät­ten in Wel­schen Ennest star­te­te, war Fabi­an Hecker für die Sta­bi­li­tät und Tages­struk­tur dank­bar, die ihm dort gebo­ten wur­de. Gleich­zei­tig hat­te er sein Ziel klar vor Augen: „Ich möch­te wie­der im erlern­ten Beruf als Werk­zeug­me­cha­ni­ker auf dem ers­ten Arbeits­markt tätig sein“, erzählt der jun­ge Mann aus Kirch­hun­dem. Schon in den ers­ten Sprech­stun­den erkann­ten Bil­dungs­be­glei­te­rin Anna Schöpf und Job­coach Kers­tin Cremer die Ambi­tio­nen des Beschäf­tig­ten. „Wenn für uns erkenn­bar ist, dass die Per­son kann und will, reagie­ren wir schnell und holen geeig­ne­te Part­ner mit ins Boot“, erklärt Cremer die Schrit­te hin zu einer mög­li­chen voll­um­fäng­li­chen, sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung außer­halb der Werk­statt, die sich als Reha-Ein­rich­tung ver­steht.

Beruf­li­che Bil­dung der Werk­stät­ten als Tür­öff­ner
„Der Weg führt immer über soge­nann­te Ori­en­tie­rungs- und Belas­tungs­prak­ti­ka in Koope­ra­ti­on mit Betrie­ben, um den Über­gang zu einem betriebs­in­te­grier­ten Arbeits­platz (BiAp) best­mög­lich zu gestal­ten“, erzählt Anna Schöpf. „Die Beschäf­tig­ten kön­nen in die jewei­li­gen Berufs­be­rei­che rein­schnup­pern sowie eige­ne Gren­zen aus­lo­ten. Damit alle wis­sen, was sie erwar­tet.“ Schließ­lich müs­sen auch die Unter­neh­men schau­en, ob Per­son und Tätig­keit pas­sen und eine beruf­li­che Zukunft vor­stell­bar ist. Denn: „Eine funk­tio­nie­ren­de, trans­pa­ren­te und ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit und Weg-Beglei­tung zwi­schen den Beschäf­tig­ten, uns als Werk­statt und dem Betrieb ist Vor­aus­set­zung für einen gelun­ge­nen beruf­li­chen Wie­der­ein­stieg auf dem ers­ten Arbeits­markt.“ Kers­tin Cremer bringt es auf den Punkt: „Wir sind die Tür­öff­ner, durch­ge­hen müs­sen die Beschäf­tig­ten allei­ne.“

Genau das hat Fabi­an Hecker getan – und die­sen Schritt nicht bereut. In sei­nem ers­ten Prak­ti­kum in einem ande­ren Indus­trie­un­ter­neh­men im Rah­men der 27-mona­ti­gen beruf­li­chen Bil­dung stell­te er schnell fest: „Das ist es nicht. Ich traue mir mehr zu“. Das anschlie­ßen­de Rein­schnup­pern bei Mide­na war dann ein vol­ler Erfolg. Fabi­an Hecker hat sein beruf­li­ches Zuhau­se gefun­den: „Hier wer­de ich gefor­dert und geför­dert – und so akzep­tiert, wie ich bin.“

Unter­neh­mer rät: „Blick­win­kel ändern und Chan­cen stif­ten“
„Im Betrieb haben wir kein Geheim­nis um sei­ne Erkran­kung gemacht und Fabi­an direkt mit offe­nen Armen emp­fan­gen“, berich­tet Wil­li Schä­fer, der kei­nen Hehl aus anfäng­li­chen Unsi­cher­hei­ten macht. „Als mich die Anfra­ge für einen Prak­ti­kums­platz erreich­te, haben wir schon über­legt, ob das klappt und Fabi­an den Abläu­fen gewach­sen ist.“

Doch schon an Tag eins habe Fabi­an Hecker mit sei­nem Poten­ti­al und sei­ner Per­sön­lich­keit über­zeugt. Auf­grund sei­ner Vor­kennt­nis­se und sei­nes Enga­ge­ments stand für Wil­li Schä­fer schnell fest, dass Herr Hecker als Fein­werk­me­cha­ni­ker tätig sein kann – ob an bestimm­ten Fräs­ma­schi­nen oder an der Werk­bank zur Her­stel­lung von Spritz­guss­werk­zeu­gen. „Fabi­an wird eineFach­kraft, die sich toll in unser Team inte­griert.“ Das bestä­tigt auch Abtei­lungs­lei­ter Stef­fen Brink­schul­te, der ihm als Pate und Ansprech­part­ner im Unter­neh­men in allen Belan­gen zur Sei­te steht: „Den Weg, den wir alle ein­ge­schla­gen haben, ist der rich­ti­ge. Die Che­mie stimm­te von Beginn an.“

Netz­werk aus Werk­statt und Koope­ra­ti­ons­be­trieb schafft Sicher­heit
Bis zum Abschluss sei­ner beruf­li­chen Bil­dung im August erhält Fabi­an Hecker ein­mal wöchent­lich berufs­be­glei­ten­den Unter­richt in der Werk­statt und erfährt bei Bedarf Unter­stüt­zung bei All­tags­fra­gen. „Das ist so vor­ge­schrie­ben und gibt allen Betei­lig­ten ein Höchst­maß an Sicher­heit und Ver­läss­lich­keit“, ver­si­chert Kers­tin Cremer.

Auf­grund sei­ner Erkran­kung bedarf es aktu­ell noch an Unter­stüt­zung durch die Mit­ar­bei­ten­den der Wert­mann-Werk­stät­ten, jedoch ist Fabi­an Hecker bei Mide­na sei­nem Traum­job einen gro­ßen Schritt näher­ge­kom­men und der letz­te Schritt hin zu einer voll­um­fäng­li­chen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ten Anstel­lung ist nun das Ziel aller betei­lig­ten Akteu­re.

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