Freitag, 04. April 2025

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Gemein­sam Per­spek­ti­ven geben

Die Nach­richt über den zukünf­ti­gen Arbeits­platz­ver­lust trifft Beschäf­tig­te meist unvor­be­rei­tet und wirkt zunächst exis­tenz­be­droh­lich. Nach lang­jäh­ri­ger Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit kam die Infor­ma­ti­on für die Beschäf­tig­ten des Ben­te­ler Wer­kes in Sie­gen-Wei­den­au jeden­falls über­ra­schend: Die Betriebs­schlie­ßung ist beschlos­sen und der Arbeits­platz­ver­lust unab­wend­bar. Ein gehö­ri­ger Schock, der sich bei den vie­len Beschäf­tig­ten ein­stell­te und zunächst ein­mal ver­daut wer­den muss­te. Zur glei­chen Zeit began­nen nach Kennt­nis­nah­me die­ser Nach­richt bereits bei der Agen­tur für Arbeit Sie­gen die ers­ten Vor­be­rei­tun­gen für eine breit ange­leg­te Infor­ma­ti­ons­of­fen­si­ve für die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten.  In enger Abstim­mung mit der Trans­fer­ge­sell­schaft MYPEGASUS agier­ten alle Betei­lig­ten Hand in Hand als Per­spek­tiv­ge­ber, stan­den bera­tend bei der beruf­li­chen (Neu-) Ori­en­tie­rung zur Sei­te und nutz­ten gemein­sam mit den aus­schei­den­den Beschäf­tig­ten die Zeit des Kün­di­gungs­schut­zes aktiv. Denn wenn ein Per­so­nal­ab­bau unver­meid­lich ist, ist der Weg in eine Trans­fer­ge­sell­schaft in Koope­ra­ti­on mit der Arbeits­agen­tur eine gute Mög­lich­keit, rasch wie­der in eine lang­fris­ti­ge Beschäf­ti­gung ver­mit­telt zu wer­den. Das erklär­te Ziel aller Akteu­re ist dabei, die Arbeits­lo­sig­keit im bes­ten Fal­le zu ver­mei­den und gleich­zei­tig finan­zi­ell abge­si­chert zu sein, etwa durch den Bezug von Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld. Der Wech­sel der von Arbeits­lo­sig­keit bedroh­ten Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer in die Trans­fer­ge­sell­schaft ist dabei immer frei­wil­lig.

Vie­le der über die Jah­re erwor­be­nen berufs­spe­zi­fi­schen Kennt­nis­se sind auch für zukünf­ti­ge Arbeit­ge­ber sehr attrak­tiv. Man­che Fer­tig­kei­ten haben hohen Bezug zu den betrieb­li­chen Struk­tu­ren und sind in ande­ren Unter­neh­men weni­ger anwend­bar. Dazu kommt oft, dass aus einer ursprüng­li­chen Anstel­lung als Fer­ti­gungs­hel­fer mit zuneh­men­der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit und Berufs­er­fah­rung, Fach­ar­bei­ter­tä­tig­kei­ten im Unter­neh­men aus­ge­übt wur­den – ohne die dazu­ge­hö­ri­ge Qua­li­fi­ka­ti­on als Nach­weis. Das fach­li­che Know-How ist somit vor­han­den, bil­det sich aber nicht durch einen for­mell vor­lie­gen­den Berufs­ab­schluss ab. Für poten­ti­el­le Arbeit­ge­ber ist aber genau die­ser Nach­weis bei einer Ein­stel­lung wich­tig. Auch schärft ein qua­li­fi­zier­ter Berufs­ab­schluss das eige­ne Pro­fil – man wird als aus­ge­bil­de­te Fach­kraft ganz anders auf dem Arbeits­markt geschätzt. In einem gemein­sa­men Kraft­akt haben die Agen­tur für Arbeit Sie­gen, die Trans­fer­ge­sell­schaft MYPEGASUS und ein Bil­dungs­trä­ger vor Ort, das bfw – Unter­neh­men für Bil­dung in Sie­gen, einen Vor­be­rei­tungs­lehr­gang kon­zi­piert, der den Trans­fer­be­schäf­tig­ten die Mög­lich­keit bot, inner­halb kür­zes­ter Zeit und unter Anrech­nung sämt­li­cher erwor­be­ner Berufs­er­fah­rung einen qua­li­fi­zier­ten Abschluss zu erlan­gen. Mit­tels einer Exter­nen­prü­fung, bestehend aus einem schrift­li­chen und einem münd­li­chen Prü­fungs­teil, erwer­ben die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer so einen durch die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) aner­kann­ten voll­wer­ti­gen Berufs­ab­schluss.

Die Teil­neh­men­den leg­ten im Rah­men der Qua­li­fi­zie­rung viel Selbst­dis­zi­plin und ein beacht­li­ches Enga­ge­ment an den Tag. Lau­ra Spies, Arbeits­ver­mitt­le­rin der Sie­ge­ner Arbeits­agen­tur, resü­miert die Bemü­hun­gen der teil­neh­men­den Prüf­lin­ge: „Alle haben sich in vor­bild­li­cher Wei­se, mit viel Fleiß und Ehr­geiz den Wunsch nach einem nach­weis­lich aner­kann­ten Berufs­ab­schluss mit der IHK-Abschluss­prü­fung rea­li­siert.“ In der Regel liegt die Schul­zeit lan­ge zurück und Ler­nen muss erst ein­mal wie­der erlernt wer­den. Zudem ist der Unter­richts­plan straff. Ein Gefühl von Ver­un­si­che­rung, Sor­ge und auch Über­for­de­rung mach­te sich zwi­schen­zeit­lich breit. Auch die Trans­fer­ge­sell­schaft hat von der ers­ten Sekun­de mit Rat und Tat den ehe­ma­li­gen Beschäf­tig­ten des Ben­te­ler-Werks zur Sei­te gestan­den und deren Qua­li­fi­zie­rungs­wunsch unter­stützt. Ralf Baum von MY PEGAGSUS fasst zusam­men: „Der Ent­schluss, sich in die Trans­fer­ge­sell­schaft zu bege­ben ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Natür­lich über­wiegt zunächst die Ent­täu­schung, die Nach­richt über das Beschäf­ti­gungs-Aus muss über­wun­den wer­den. Aber wenn der Wil­le dann da ist, sich pass­ge­naue Mög­lich­kei­ten bie­ten, kann der Weg in eine nach­hal­ti­ge Beschäf­ti­gung gelin­gen.“ Einer der Teil­neh­mer berich­tet von sei­nen eige­nen Erfah­run­gen und der Unter­stüt­zung, die er auf sei­nem Weg erfah­ren hat: „Jeder für sich war am Anfang nie­der­ge­schla­gen. Doch recht schnell wur­den uns gute, per­spek­tiv­ge­ben­de, indi­vi­du­el­le Ange­bo­te unter­brei­tet und ganz per­sön­li­che Wege auf­ge­zeich­net. Mit dem Zer­ti­fi­kat in der Hand mache ich mich jetzt auf mei­nen eige­nen Weg.“

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