Donnerstag, 03. April 2025

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Der Arbeits­markt zwi­schen glo­ba­len und regio­na­len Her­aus­for­de­run­gen

„Auch wenn vie­le Fak­to­ren im Jahr 2022 gro­ßen Ein­fluss genom­men haben auf das wirt­schaft­li­che Gesche­hen und die Risi­ko­be­wer­tung der regio­na­len Unter­neh­men, der Arbeits­markt hat sich robust gezeigt.  Der Ukrai­ne-Krieg und die damit stark ange­stie­ge­nen Ener­gie- und Roh­stoff­prei­se, die Infla­ti­on und wei­ter­hin Mate­ri­al- und Lie­fer­eng­päs­se sind nur eini­ge Stör­grö­ßen, gegen die sich der Arbeits­markt behaup­ten muss­te“, resü­miert Simo­ne Stuhr­mann, Geschäfts­füh­re­rin Ope­ra­tiv der Sie­ge­ner Arbeits­agen­tur, ein erneut beweg­tes Jahr.

Die Beschäf­ti­gung blieb sta­bil, die Arbeits­lo­sig­keit hat das Niveau vor Coro­na wie­der erreicht und der Bestand an gemel­de­ten Stel­len liegt wei­ter auf einem All­zeit­hoch. „Es ist fest­zu­stel­len, dass sich die Situa­ti­on am Arbeits­markt zuneh­mend von der wirt­schaft­li­chen Lage ent­kop­pelt. Dies liegt dar­an, dass vie­le Betrie­be ihre Fach­kräf­te auch in anspruchs­vol­len Zei­ten hal­ten wol­len“, erklärt Simo­ne Stuhr­mann. „Bei der rück­bli­ckend posi­ti­ven Ent­wick­lung für die Regi­on wis­sen wir um die bestehen­den Her­aus­for­de­run­gen am Arbeits­markt, die Qua­li­fi­ka­ti­ons- und Kom­pe­tenz­er­for­der­nis­se der Unter­neh­men an die Bewer­ber – all das ist durch die Coro­na-Pan­de­mie zeit­wei­lig in den Hin­ter­grund getre­ten und zeigt sich jetzt umso stär­ker wie­der. Im Fokus unse­rer Bera­tungs­ar­beit wol­len wir das Aus­bil­dungs­in­ter­es­se der Jugend­li­chen in der Regi­on schär­fen, in Wei­ter­bil­dung von Arbeits­lo­sen sowie Beschäf­tig­ten inves­tie­ren und Per­so­nen­grup­pen wie Frau­en, Schwer­be­hin­der­te und Älte­re bei der Auf­nah­me einer Beschäf­ti­gung beson­ders unter­stüt­zen“, erklärt Stuhr­mann. 

Der Arbeits­markt in 2022 im Über­blick

Arbeits­lo­sig­keit wie­der auf Niveau vor Coro­na – Anstieg ab Mit­te des Jah­res

Durch­schnitt­lich 10.555 Men­schen waren im Agen­tur­be­zirk Sie­gen im Jahr 2022 arbeits­los. Das sind 990 Per­so­nen oder 8,6 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Die Arbeits­lo­sen­quo­te lag im Durch­schnitt bei 4,5 Pro­zent, im Jahr 2021 lag sie noch bei 4,9 Pro­zent. Auch wenn sich die Arbeits­lo­sig­keit ins­ge­samt wie­der auf dem Niveau vor Coro­na ein­ge­pen­delt hat, seit Mit­te des Jah­res ist sie sprung­haft ange­stie­gen. Haupt­grund dafür ist die Arbeits­lo­ser­fas­sung von rund 2.250 Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne ab Juni 2022 und deren Betreu­ung durch die hie­si­gen Job­cen­ter.

Im Zustän­dig­keits­be­reich der bei­den Job­cen­ter Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein und Kreis Olpe (SGB II) ist auf­grund des­sen die Zahl der Arbeits­lo­sen auf ähn­li­chem Niveau wie im Vor­jahr und lag im Durch­schnitt bei 6.761. Im Rechts­kreis der Agen­tur für Arbeit Sie­gen (SGB III) dage­gen ist die Zahl arbeits­lo­ser Men­schen um 935 auf 3.794 Per­so­nen deut­lich gesun­ken.

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Quel­le: Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Bestand Arbeits­lo­se und Arbeits­lo­sen­quo­te sowie Ver­än­de­run­gen zum Vor­jahr, Jah­res­durch­schnitts­wer­te 2008 bis 2022, Agen­tur­be­zirk Sie­gen.

Sta­bi­le Beschäf­ti­gungs­la­ge: Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung ver­zeich­net leich­tes Plus

Die Unter­neh­men in dem Bereich der Agen­tur für Arbeit Sie­gen haben ihre Beleg­schaft trotz unsi­che­rer Zei­ten größ­ten­teils gehal­ten und neue Mit­ar­bei­ten­de ein­ge­stellt. Mit 179.989 Per­so­nen stieg die ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung Ende März 2022, dem letz­ten Quar­tals­stich­tag der Beschäf­ti­gungs­sta­tis­tik mit gesi­cher­ten Anga­ben, um 1,3 Pro­zent zum Vor­jahr.

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Quel­le: Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung sowie die Ver­än­de­run­gen zum Vor­jahr, Bestand Arbeits­lo­se und Arbeits­lo­sen­quo­te sowie Ver­än­de­run­gen März 2017-März 2022, Agen­tur­be­zirk Sie­gen.

Arbeits­kräf­te­nach­fra­ge sta­gniert auf hohem Niveau

Die Anzahl von gemel­de­ten Arbeits­stel­len unter­lag im Jah­res­ver­lauf merk­li­chen Schwan­kun­gen. In der Jah­res­sum­me wur­den 2,9 Pro­zent oder 321 Stel­len weni­ger gemel­det als im Vor­jahr. Der Stel­len­be­stand lag im Jah­res­durch­schnitt bei 4.700 was eine wei­ter­hin hohe Nach­fra­ge der Betrie­be ver­deut­licht.

Der größ­te Bedarf an Arbeits­kräf­ten besteht aktu­ell in der Lager­wirt­schaft, dem Maschi­nen­bau- und der Betriebs­tech­nik sowie der Fahr­zeug­füh­rung im Stra­ßen­ver­kehr.

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Quel­le: Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Zugang gemel­de­ter Arbeits­stel­len, Monats­wer­te Janu­ar 2021 ‑Dezem­ber 2022, Agen­tur­be­zirk Sie­gen.

Kurz­ar­beit

Das Instru­ment­Kurz­ar­beit hat im ver­gan­ge­nen Jahr kei­ne so bedeu­ten­de Rol­le bei der Ent­las­tung der Wirt­schaft gespielt wie in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren. Ins­ge­samt wur­den im Agen­tur­be­zirk Sie­gen im ver­gan­ge­nen Jahr 646 Anzei­gen auf Kurz­ar­beit gestellt, mit 15.221 poten­ti­ell betrof­fe­nen Per­so­nen. Im Vor­jah­res­ver­gleich hat sich die Lage in 2022 sicht­lich ent­spannt, wenn­gleich immer noch mehr Anzei­gen bei der Arbeits­agen­tur ein­ge­gan­gen sind als vor der Pan­de­mie.

Jah­res­bi­lanz Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein

Im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein waren 2022 durch­schnitt­lich 7.701 Per­so­nen arbeits­los. Das sind 775 Men­schen weni­ger als im Vor­jahr. Die Arbeits­lo­sen­quo­te lag bei 5 Pro­zent. Im Vor­jahr lag sie noch bei 5,4 Pro­zent. Im Zustän­dig­keits­be­reich des Job­cen­ters Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein (SGB II) ist die Zahl der Arbeits­lo­sen um 109 gesun­ken und lag im Durch­schnitt bei 5.179. Dar­un­ter zäh­len auch die 1.400 Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne die seit Juni 2022 im Job­cen­ter betreut wer­den. Im Rechts­kreis der Agen­tur für Arbeit Sie­gen (SGB III) ist die Zahl arbeits­lo­ser Men­schen ver­gleichs­wei­se deut­li­cher um 666 auf 2.522 Per­so­nen gesun­ken. Der Arbeit­ge­ber-Ser­vice hat im letz­ten Jahr 6.696 Stel­len akqui­riert. Das sind 96 Stel­len mehr als im Vor­jahr. Der Bestand lag im Jah­res­durch­schnitt bei 3.065 Stel­len, 31,5 Pro­zent mehr als im Vor­jahr.

Jah­res­bi­lanz Kreis Olpe

Im Kreis Olpe waren 2022 durch­schnitt­lich 2.854 Per­so­nen arbeits­los. Das sind 215 Men­schen weni­ger als im Vor­jahr. Die Arbeits­lo­sen­quo­te lag bei 3,6 Pro­zent. Im Vor­jahr lag sie noch bei 3,9 Pro­zent. Im Zustän­dig­keits­be­reich des Job­cen­ters Kreis Olpe (SGB II) ist die Zahl der Arbeits­lo­sen um 54 gestie­gen und lag im Durch­schnitt bei 1.582. Im Rechts­kreis der Agen­tur für Arbeit Sie­gen (SGB III) ist die Zahl arbeits­lo­ser Men­schen um 269 auf 1.272 Per­so­nen gesun­ken. Das Anstei­gen der Arbeits­lo­sen­zah­len in der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (Sozi­al­ge­setz­buch II) ist auch mit dem Zugang von rund 800 Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne zu begrün­den.

Der Arbeit­ge­ber-Ser­vice hat im letz­ten Jahr 3.945 Stel­len akqui­riert. Das sind 417 Stel­len weni­ger als im Vor­jahr. Der Bestand lag im Jah­res­durch­schnitt bei 1.636 Stel­len, 34 Pro­zent mehr als im Vor­jahr.

Aus­blick

Mit Aus­blick auf das neue Jahr befin­det sich der Arbeits­markt wei­ter im Wan­del: Das Vor­an­schrei­ten des demo­gra­fi­schen Wan­dels stellt die Regi­on und die Unter­neh­men vor eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. In den kom­men­den fünf Jah­ren wer­den 9,1 Pro­zent der Beschäf­tig­ten das Alter von 65 Jah­ren errei­chen und somit nach und nach aus dem Erwerbs­le­ben aus­schei­den. Schon heu­te haben Unter­neh­men Pro­ble­me den Bedarf an erfor­der­li­chem Nach­wuchs durch eige­ne Aus­bil­dung zu decken, da die Jugend­li­chen zu einem län­ge­ren Ver­bleib im Schul­sys­tem ten­die­ren oder sich ver­mehrt gegen eine Aus­bil­dung und für ein Stu­di­um ent­schei­den. Eine Chan­ce liegt in der eben­falls vor­an­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung, durch die auch kom­ple­xe Tätig­kei­ten zuneh­mend auto­ma­ti­siert wer­den kön­nen und so feh­len­de Arbeits- und Fach­kräf­te teil­wei­se kom­pen­siert wer­den kön­nen. „Mit Abklin­gen der Pan­de­mie rücken die bekann­ten glo­ba­len wie regio­na­len Her­aus­for­de­run­gen wie­der deut­lich in den Vor­der­grund: Arbeits­kräf­te­be­darf, Struk­tur­wan­del und Digi­ta­li­sie­rung. Durch die abge­stimm­te Zusam­men­ar­beit aller am Arbeits­markt betei­lig­ten Akteu­re an die­sen The­men kann die Regi­on und der Wirt­schafts­stand­ort Süd­west­fa­len nicht nur gestärkt aus der Kri­se her­vor­tre­ten, son­dern sich auch mit Blick auf den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb behaup­ten“, fasst die Arbeits­markt­ex­per­tin zusam­men.

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