Freitag, 04. April 2025

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Bus Brü­cke holt Men­schen aus der Ukrai­ne ab

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„Bom­ben­alarm und die Erleb­nis­se,
die uns in der Ukrai­ne wider­fah­ren sind,
haben uns dar­in bestärkt, wie wich­tig es ist,
den Men­schen zu hel­fen, die dort weg möch­ten.“

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Flo­ri­an König, Initia­tor der Bus Brü­cke (Foto: pri­vat)


26 Kin­der, 18 Frau­en und 2 Män­ner konn­te die Bus Brü­cke bei der letz­ten Abhol­ak­ti­on direkt aus der Ukrai­ne mit nach Deutsch­land und damit in Sicher­heit brin­gen. Die Hel­fer und Unter­stüt­zer haben eine unbe­schreib­lich emo­tio­na­le und ner­ven­auf­rei­ben­de Rei­se hin­ter sich. Bom­ben­alarm, Abschieds­sze­nen und elf Stun­den an der pol­nisch-ukrai­ni­schen-Gren­ze, um auf die Aus­rei­se zu war­ten. Flo­ri­an König und Albrecht Brod­hun von der Bus Brü­cke berich­ten von der Abhol­ak­ti­on.


Eine Rei­se in ein Land, in dem Krieg herrscht. Wie hat die Bus Brü­cke das orga­ni­siert?
Wir hat­ten – wie auch die letz­ten Male – Unter­stüt­zung von einer pol­ni­schen Toch­ter­ge­sell­schaft der Pran­ge Grup­pe. Die­se hat uns den Bus ver­mit­telt, die­sen mit Lebens­mit­teln für die Fahrt bestückt und die Rei­se für uns Hel­fer von Polen in die Ukrai­ne orga­ni­siert. Um 2 Uhr am Sams­tag­mor­gen ist die Hel­fer­grup­pe aus dem Sau­er­land in Lem­berg ange­kom­men.

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Foto von Flo­ri­an König auf der Rück­rei­se, kurz bevor die Bus Brü­cke Plet­ten­berg erreich­te


Wie ist der Kon­takt mit den Men­schen, die die Ukrai­ne ver­las­sen woll­ten, und der Bus Brü­cke zustan­de gekom­men?
Vie­le Men­schen hat­ten sich im Vor­feld über Freun­de und Ver­wand­te, die in Plet­ten­berg, Atten­dorn oder gene­rell in Deutsch­land leben, gemel­det, dass sie mit uns die Ukrai­ne ver­las­sen möch­ten. Ande­re haben uns über Face­book und Insta­gram ange­schrie­ben und sind durch das gan­ze Land gereist, um mit uns zu fah­ren. In Lem­berg am Bahn­hof haben wir zudem noch wei­te­re Men­schen auf­ge­le­sen. Wir sind froh, dass wir so vie­len Men­schen unse­re Hil­fe anbie­ten konn­ten.


Vie­le Men­schen ver­las­sen die Ukrai­ne. Was ist das für ein Gefühl, genau in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung, in das Land hin­ein zu fah­ren?
Es ist ein komi­sches und auch beklem­men­des Gefühl. Als wür­de man gegen den Strom schwim­men. Die Stopps an den Check­points im Lan­des­in­ne­ren haben die­ses Gefühl noch ein­mal unter­stri­chen. An jedem Check­point sind Sol­da­ten in die Bus­se gekom­men, um unse­re Päs­se zu kon­trol­lie­ren. Man muss sich in die­ser Situa­ti­on vor Augen füh­ren, wir hat­ten Hel­fer dabei, die selbst erst vor kur­zem aus der Ukrai­ne geflüch­tet sind, eben um dem Krieg zu ent­ge­hen. Jetzt sind sie wie­der mit­ten­drin. Gera­de wäh­rend der Bom­ben­alar­me, die wir mit­er­lebt haben, ging mir die­ser Gedan­ke immer wie­der durch den Kopf. Sie erle­ben das jetzt noch ein­mal mit, weil sie unse­re Orga­ni­sa­ti­on unter­stüt­zen und ande­re Men­schen in der Ukrai­ne hel­fen möch­ten.

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Foto von Flo­ri­an König wäh­rend der Abhol­ak­ti­on in der Ukrai­ne, in Lem­berg


In der Nacht hat die Grup­pe mehr­fach einen Bom­ben­alarm in Lem­berg erlebt.
Der Rake­ten­alarm hat uns aus dem Tief­schlaf geris­sen. Wir muss­ten immer wie­der in den Kel­ler des Hotels, um uns in Sicher­heit zu brin­gen. Die­ses Erleb­nis hat uns noch ein­mal dar­in bestärkt, wie wich­tig es ist, den Men­schen zu hel­fen, die dort weg möch­ten.


Und mit der Aus­rei­se kam die Erleich­te­rung?
Es war schon ein Gefühl der Erleich­te­rung, es unver­sehrt aus dem Land her­aus geschafft zu haben – gera­de nach der Nach­richt, dass unmit­tel­bar nach­dem wir Lem­berg ver­las­sen haben, Rake­ten ein­ge­schla­gen sind und es Tote und Ver­let­ze gibt. Trotz der pre­kä­ren Lage wür­den wir aber jeder­zeit wie­der hin­fah­ren, um Men­schen aus dem Land und hier­hin zu holen. Dafür benö­ti­gen wir nur genü­gend Wohn­raum, um den Men­schen auch eine Unter­kunft anbie­ten zu kön­nen. Wir bit­ten des­halb jeden, der eine Woh­nung anbie­ten kann, dies zu tun. Sie ermög­li­chen den Men­schen in Sicher­heit zu leben und ret­ten damit Leben. Der­zeit hört man in den Medi­en, dass ver­mehrt Geflüch­te­te zurück­rei­sen. Ins­be­son­de­re nach den Erleb­nis­sen am Wochen­en­de glau­be ich, dass die­se Men­schen sich in fal­scher Sicher­heit wägen. Viel von dem, was in der Ukrai­ne pas­siert, bekom­men wir in Deutsch­land gar nicht mit.


Wie lässt sich die Atmo­sphä­re in der Ukrai­ne beschrei­ben?
Es herrscht eine gro­ße Hilfs­be­reit­schaft. Gleich­zei­tig ist die Atmo­sphä­re sehr gedrückt. Läden, Restau­rants und Bars sind in Lem­berg geöff­net, aber man sieht kein ein­zi­ges Lächeln. Die Angst und die Unge­wiss­heit sind all­ge­gen­wär­tig. Vor allem die Angst, einen gelieb­ten Men­schen nicht wie­der­zu­se­hen. Einen sol­chen Moment habe ich selbst mit­er­lebt. Es war sehr ergrei­fend. Mar­ga­ri­ta, eine unse­rer ukrai­ni­schen Hel­fe­rin­nen, traf sich in Lem­berg mit ihrem bes­ten Freund. Er kam aus Kiew dort­hin, wo sie bei­de her­kom­men, um ihr eini­ge Sachen zu brin­gen. Die Wie­der­se­hens­freu­de nach meh­re­ren Wochen war groß. Noch viel ergrei­fen­der war am Ende des Tref­fens jedoch der Abschied. Man konn­te den bei­den anse­hen, wie schwer ihnen das fiel. Sie haben Angst, dass sie sich nie wie­der sehen. Und das geht nicht nur bes­ten Freun­den so. Das sind Frau­en, die sich von ihren Män­nern ver­ab­schie­den, Kin­der von ihren Vätern und es ist ein­fach kein Ende des Krie­ges in Sicht. Das ist unend­lich trau­rig und erschüt­ternd.


Ins­ge­samt elf Stun­den hat die Grup­pe mit dem Bus bei der Aus­rei­se an der Gren­ze ver­bracht
Wir stan­den mit dem Bus in einer Schlan­ge und muss­ten war­ten, dass wir aus der Ukrai­ne aus­rei­sen kön­nen. Unse­re Päs­se und das Gepäck wur­den mehr­fach kon­trol­liert. Es war sehr viel los, aber das recht­fer­tigt mei­nes Erach­tens kei­ne elf Stun­den. Wir fra­gen uns, war­um das so lan­ge gedau­ert hat. Das hat mir den Ein­druck ver­mit­telt, dass man den Men­schen in der Ukrai­ne der­zeit Bar­rie­ren auf­bau­en möch­te, um ihnen die Aus­rei­se zu erschwe­ren.

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Foto von Flo­ri­an König wäh­rend der Abhol­ak­ti­on in der Ukrai­ne, in Lem­berg


Wie geht es den Men­schen jetzt, die mit der Bus Brü­cke am Wochen­en­de nach Deutsch­land gekom­men sind?
Es war ein bewe­gen­des und anstren­gen­des Wochen­en­de. Alle Men­schen, die mit uns gekom­men sind, konn­ten wir noch am Abend der Ankunft in ihre Unter­künf­te brin­gen. Sie sind sehr dank­bar, dass wir ihnen gehol­fen haben. Auf der lan­gen Fahrt wur­de mehr­fach gefragt, wo wir mit ihnen hin­fah­ren und war­um die Rei­se so lan­ge dau­ert. Das ist voll­kom­men ver­ständ­lich. Vie­le haben Angst ver­schleppt zu wer­den. Des­halb war es uns auch so wich­tig, Unter­stüt­zer bei uns zu haben, die die Spra­che spre­chen und ver­mit­teln kön­nen, dass wir nur gute
Absich­ten haben und hel­fen wol­len.


Die Bus Brü­cke möch­te auch wei­ter­hin vor Ort hel­fen. Das ist aller­dings nur mög­lich, wenn Woh­nun­gen vor­han­den sind – nicht nur im Mär­ki­schen Kreis und im Kreis Olpe, auch dar­über hin­aus. Betref­fen­de, die Woh­nun­gen für Fami­li­en zwi­schen vier und sie­ben Per­so­nen anbie­ten möch­ten, kön­nen sich bei Vivi­en Kös­ter unter der Tele­fon­num­mer 0171–1688734 oder per E‑Mail an busbruecke@akzente.org mel­den. Wenn Sie ihre Woh­nung bereits bei Ihrer Kom­mu­ne regis­triert haben, aber seit Wochen kei­ne Zuwei­sung erhal­ten haben, spre­chen Sie uns bit­te eben­falls an.

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