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Strategien gegen den Fachkräftemangel

Waltraud Hermann zu Gast in Attendorn

Fachkräftemangel ist in aller Munde – doch wie lässt sich ihm konkret begegnen? Antworten darauf gab ein inspirierender Abend in der InfoTastic Academy. Gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), vertreten durch Wolfgang Nies, war die Physikerin, Unternehmerin und Autorin Waltraud Hermann zu Gast und stellte ihr Buch „Wir können alles – auch die Zukunft!“ vor.

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Foto: InfoTastic Academy

Durch das Programm führte Daniel Fitzke, der die Veranstaltung gemeinsam mit der Autorin lebendig moderierte und das Publikum immer wieder aktiv in den Austausch einbezog.

Waltraud Hermann bringt eine Perspektive mit, die Theorie und Praxis verbindet: Über Jahrzehnte war sie in verantwortlicher Position bei Bosch tätig und hat dort Digitalisierung, Organisationsentwicklung und Qualifizierung mitgestaltet. Im Zentrum ihres Vortrags stand die Überzeugung: Der Fachkräftemangel ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Strukturen, die sich verändern lassen.

Besonders eindrücklich wurde dies in ihrem persönlichen Vergleich: Während sie selbst in Rumänien bereits früh intensiv Informatikunterricht hatte, spielt Informatik an vielen deutschen Schulen bis heute nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig entscheiden sich nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler für ein Abitur in diesem Bereich. Für Hermann ist das ein deutliches Signal – und zugleich ein klarer Ansatzpunkt für Veränderung.

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Foto: InfoTastic Academy

Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Problembeschreibung, sondern die Frage, wie sich Kompetenzen gezielt aufbauen lassen. Hermann stellte die These auf, dass Lernen exponentiell verläuft: Wer ein solides Fundament entwickelt, lernt immer schneller weiter. Genau deshalb sei es entscheidend, früh die richtigen Grundlagen zu schaffen. Fehlen diese, wird Kompetenzaufbau aufwendig – und Erfahrung lässt sich nur schwer ersetzen, weil eine hochqualifizierte Fachkraft auf einem ganz anderen Erfahrungsniveau arbeitet als jemand, der diesen Lernprozess erst beginnt.

Ein wichtiger Hebel liegt für sie in einem neuen Verständnis von Bildung. Informatik müsse als Metafach gedacht werden – nicht isoliert, sondern als Grundlage für viele andere Bereiche. Internationale Studien wie die ICILS-Untersuchung zeigen dabei deutlich, dass Deutschland bei digitalen Kompetenzen im internationalen Vergleich zurückliegt und hier dringenden Handlungsbedarf hat.

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Foto: InfoTastic Academy

Gleichzeitig betonte Hermann, dass es nicht nur um Inhalte geht, sondern um die Art des Lernens. Kinder bringen Neugier und Entdeckergeist mit – entscheidend sei, diese zu erhalten und zu fördern. Lernen müsse stärker spielerisch, aktiv und erfahrbar gestaltet werden. Wie das konkret aussehen kann, wurde im Verlauf des Abends auch durch kleine praxisnahe Einblicke der InfoTastic Academy deutlich.

Ihre bekannte Metapher „Es braucht das ganze Dorf“ beschreibt dabei einen klaren Lösungsansatz: Schule, Unternehmen, Eltern und gesellschaftliche Initiativen müssen ihre Kräfte bündeln und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Nur so kann Lernen wieder zu einem Motor für Entwicklung werden.

Der Abend entwickelte sich zunehmend zu einem offenen Austausch. Nach Impulsen folgten immer wieder Fragen aus dem Publikum, die zu lebendigen Diskussionen führten. Besonders zum Ende hin wurde deutlich, wie groß das Interesse an neuen Wegen ist – und wie viele Ideen bereits vorhanden sind.

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Foto: InfoTastic Academy

Bis in die späten Abendstunden hinein wurde diskutiert, weitergedacht und konkrete Ansätze reflektiert. Ein Zeichen dafür, dass es hier nicht nur um Analyse ging, sondern um Perspektiven.

Hermann formuliert klare Leitlinien für eine Aufholjagd im digitalen Zeitalter und stellte dazu konkrete Best-Practice-Beispiele vor, die zeigen, wie sich diese Ansätze bereits heute erfolgreich umsetzen lassen.

Am Ende blieb eine klare Erkenntnis:
Fachkräfte entstehen nicht von allein. Sie werden entwickelt – und das beginnt lange bevor sie ins Berufsleben eintreten.

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