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Ergreifende Jesus-Passion auf dem „Heiligen Berg“ in Attendorn

Musical am St.-Ursula-Gymnasium vor der Karwoche

Nach zwanzig Jahren wieder auf der Musical-Bühne des St.-Ursula-Gymnasiums. In vier komplett ausverkauften Vorstellungen zeigte das Musical-Team „Jesus Christ Superstar“. Es war die 26. Produktion am Attendorner Gymnasium. Und von Ermüdungserscheinungen keine Spur. „Was fällt euch eigentlich noch alles ein?“ so die Reaktion eines Zuschauers. In diesem Jahr war das Bühnenbild radikal reduziert. Eigentlich wurden nur große Baukästen verschoben und kleine Requisiten eingesetzt. Dafür war es ein Fest der Kostüme. Allein Judas, mit voller Wucht und großer Verzweiflung dargestellt von Jonas Kraft und Jost Leowald in Doppelbesetzung, wechselte achtmal das Outfit. Pelzjacke und Ledermantel, weißer Partyanzug und Fransenjacke, der Kostümfundus wurde voll ausgeschöpft.

Die Strategie der Doppelbesetzung hatte sich bewährt. Jesusdarsteller Lukas Hüppe ging mit seinem Spiel bis an die absolute Leistungsgrenze. Er berührte die Herzen der Zuschauer. Aber es war doch ein gelungener Coup, Julian Stöcklein noch kurzfristig für diese Rolle zu gewinnen. Vor genau 10 Jahren betrat er erstmals die Musicalbühne in Attendorn und ist seitdem diesem Genre treu geblieben. Gleiches gilt auch für Theresa Poggel, die ebenfalls vor zehn Jahren als Schauspielerin dabei war. In diesem Jahr stieg sie zur Regieassistenz auf und bewies als aktuelle Referendarin Engagement für die Schule.

Im gesamten Stück ist kein einziger Sprechsatz zu hören. Vielmehr bewältigen alle Hauptdarsteller ihre Aufgabe mit Gesang in teils herausfordernden Soli. Die monatelange Probenarbeit und das Gesangstraining zeigten durchweg bejubelte Ergebnisse.

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Große Besetzung im Orchester (© Wolfgang Hesse)

Von einem Musical erwarten die Gäste Massenszenen mit viel Power auf der Bühne. Dem Anspruch wurden Raphaele Voß mit ihrer Inszenierung und Christoph Schulte als musikalischer Gesamtleiter mehr als gerecht. 56 Schauspielerinnen und Schauspieler, 72 Tänzerinnen und ein (!) Tänzer machten die Bühne zum Ort eines Ereignisses. Das Orchester hatte mit 32 Musikerinnen und Musiker eine bisher nicht gekannte Größe erreicht. Doch die reine Zahl war nicht so entscheidend. Vielmehr führte Christoph Schulte am Flügel sein Orchester zu echten Höhenflügen und zu ergreifend sanften musikalischen Passagen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass im Klangkörper sowohl aktuelle junge Schülerinnen und Schüler ihren Platz fanden als auch erfahrene Gäste und ehemalige Abiturienten. Gabus Nake am Schlagwerk hatte Schwerstarbeit zu leisten und konnte nach der zweiten sonntäglichen Aufführung nur noch ermattet hinter seinem Schlagzeug durchschnaufen. Der Chor mit 26 Mitgliedern war ein gut eingespieltes Ensemble mit Stimmkraft. Die jungen Leute erlebten zudem, dass Gesang im Chor modern sein kann und viel Freude macht.

Dazu kam eine ausgefeilte Technik. Klaus Schmalenbach als Chef der Tontechnik und Simon Wagner mit seinem Lichtteam setzten viele überraschende und gleichwohl kreative Akzente.

Produzent Markus Pröll managte den Backstagebereich. Seine Entscheidung für den digitalen Ticketverkauf erwies sich als goldrichtig. Nur so gelang es, dass wirklich kein Stuhl unbesetzt blieb. In seinem Team auch Kevin Risch und Pater Sebastian Springob. Beide zog es auch auf die Bühne. Risch als Hoher Priester und Springob, abwechselnd mit Felix Schade, als verdorbener Machtmensch Herodes verstanden ihre Rollen als Show im besten Sinne.

Die vielleicht herausforderndste Rolle übernahmen Angelina Braun und Ida Kuhlmann. Sie gaben Maria Magdalena. Ihre Darstellung legten sie mit vielen leisen Töne an. Sie waren hin und her gerissen zwischen ihrer Liebe zu Jesus und der Sorge um die Jünger und die kleine jesuanische Gemeinde. Ihre Darstellung war geprägt von leisen Zwischentönen. Fantastisch ihr Solo „Wie kann ich ihn nur lieben?“ Fast allein auf der riesigen Bühne. Im Zuschauerraum glitzerte es feucht in einigen Augen.

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Lukas Hüppe als Jesus (rechts) und Ida Kuhlmann als Maria (rotes Kleid) (© Wolfgang Hesse)

Und weil ein Musical von Gegensätzen lebt, setzen die Soul-Girls den Kontrapunkt zu den beiden Marias. In silbernen Minikleidchen und auf High Heels rockten sie die Bühne und gaben ganz nebenbei auch die Prostituierten in der spektakulären Szene von der Vertreibung aus dem Tempel.

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Die Soul-Girls rockten die Bühne (© Wolfgang Hesse)

Schulleiter Markus Ratajski konnte in seiner Begrüßung auf die stressige, aber glückliche Fügung hinweisen, dass die Aufführungstermine in das Ende der christlichen Fastenzeit und in die Tage vor der Karwoche gelegt werden mussten. Im Januar zerfetzte ein Grippevirus alle Besetzungslisten. Da half nur noch die Notbremse. Die Spannung unter allen Beteiligten um acht lange Woche zu halten, war nicht ganz einfach. Aber im Rückblick war es Glück. Jesus Christ Superstar dockt an die Zeit der christlichen Erinnerung an die Passion Jesu an. Und sie setzt ein kleines Zeichen christlich geprägter Hoffnung in der Zeit der kirchlichen Passion der Gegenwart. Jedenfalls darf es als eine mutige und gleichwohl gelungene Entscheidung gewertet werden, Themen der Bibel mit rund 200 Aktiven vor rund 1.500 Zuschauern auf die Bühne gebracht zu haben.

Jesus Christ Superstar war der erste große kommerzielle Erfolg von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Der Musik merkt man an, dass Woodstock noch nicht weit zurück lag. Damals gab es christlich-konservativen Protest. Dargestellt werden die letzten sieben Tage Jesus’ von Nazareth in freier Anlehnung an die Bibel. Es ist keine Leidensgeschichte, sondern eine Geschichte von Revolution gegen Unterdrückung und Geldgier, für Frieden und die große Liebe.

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Im Finale feierten die Aktiven mit Raphaele Voß und Christoph Schulte den Erfolg (© Wolfgang Hesse)

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