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„Tut gut, wenn der Auftrag läuft!“

Arbeit fördert Teilhabe und bietet Chancen

Menschen mit Down-Syndrom haben ein Chromosom mehr. Ansonsten sind sie wie andere Menschen auch: verschieden und einzigartig. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag, an dem zum Symbol häufig unterschiedlich farbige Socken getragen werden, rücken Menschen mit der genetischen Besonderheit „Trisomie 21“ und ihre Chancen auf Teilhabe und Inklusion in den Mittelpunkt. Rund 60.000 Menschen in Deutschland leben mit dem Down-Syndrom. Einer von ihnen ist Michael Kirchhoff: „Ich lebe nicht nur mit meiner Behinderung, ich arbeite auch mit ihr“, betont der 46-Jährige aus Dünschede.
Seit September 2002 ist Michael Kirchhoff Beschäftigter in der Montagegruppe 4 der Werthmann-Werkstätten in Attendorn – ein „alter Hase“, wie er selbst schmunzelnd sagt. Für ihn war sofort klar, dass er nach seiner beruflichen Bildung das Team Dienstleistung unterstützen möchte. Die Montagegruppe besteht aus 25 Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Behinderungen. Gemeinsam setzen sie Bauteile zusammen, verpacken Produkte und erfüllen vielfältige Aufträge für teils langjährige Kunden und Industriepartner. Ihre Tätigkeit erfordert Teamarbeit, Präzision und Verlässlichkeit.

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Michael Kirchhoff bei der Arbeit (Foto: Caritasverband in Südwestfalen)

Partnerschaften als Schlüssel zu Arbeit und Teilhabe

„Wenn wir einen Auftrag gut und termingerecht abgeschlossen und als Team gut zusammengearbeitet haben, macht uns das sehr stolz“, berichtet der Beschäftigte. „Besonders wichtig ist das Vertrauen der Industriekunden in unser Tun“, erklären auch die beiden Gruppenleitungen Gisela Sommer und Daniel Stoltz. Schließlich seien es die externen Aufträge, die „Arbeit möglich machen“. „Ohne das Vertrauen unserer Kunden wäre unsere Arbeit nicht realisierbar. Sie ermöglichen uns, sichtbar etwas zu leisten“, erklärt Michael Kirchhoff dankbar. Die Menschen in der Montagegruppe 4 sind stolz darauf, eine wertvolle Rolle in der Arbeitswelt zu spielen – auch wenn sie nicht direkt auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind. „Es ist schön zu wissen, dass unsere Arbeit geschätzt wird und wir in der Gemeinschaft Verantwortung übernehmen können“, so Michael Kirchhoff.
Die Bedeutung der externen Partnerschaften wird von den beiden engagierten Gruppenleitungen unterstrichen: „Jeder Auftrag schafft Struktur, Verantwortung und Wertschätzung. Es ist entscheidend, dass auch zukünftig regelmäßig Aufträge an uns vergeben werden, damit wir die Teilhabe und Perspektiven der Menschen mit Behinderung sichern und als Werkstattgemeinschaft wachsen können.“

Mehr als ein Arbeitsplatz – Raum für Entwicklung und Gemeinschaft

Aktuell arbeitet die Gruppe um Michael Kirchhoff für einen langjährigen Industriekunden an Dressing-Shakern. In sieben Arbeitsschritten werden die Einzelteile montiert, geprüft, verpackt und für den Versand vorbereitet – ein Prozess, der Präzision, Teamgeist und Verlässlichkeit erfordert. „Es ist toll zu sehen, wie aus mehreren kleinen Teilen ein fertiges Produkt wird“, erzählt der 46-jährige, der vor kurzem in den Caritas-Wohnhof Am Grafweg, mitten in der Attendorner Innenstadt, gezogen ist. „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig“, lautet die Devise von Michael Kirchhoff, der auch gerne am vielfältigen Kursangebot der Werkstätten teilnimmt.
Neben musikalischen und künstlerischen Aktivitäten, fördern auch sportliche Angebote sowie lebenspraktische Kurse die persönliche Entwicklung und stärken die individuellen Fertigkeiten der Beschäftigten in der Werthmann-Werkstatt auf dem „Askay“. „Besonders gerne spiele ich Fußball“, so der bekennende Schalke-Fan, dessen markante blaue Brille seine Verbundenheit für den Verein schon erahnen lässt. „Gemeinsame Rituale und übergreifende Gruppenkontakte bereichern mein Werkstattleben“, ergänzt Michael Kirchhoff lächelnd. „Teil eines tollen Teams zu sein, finde ich genauso toll, wie die Arbeit selbst“, gibt er offen zu. Und genau das ist der Wert, der in den Werthmann-Werkstätten täglich gelebt wird: Jeder Mensch zählt, jeder Mensch kann seinen ganz eigenen Beitrag zum Miteinander beisteuern.

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