Mittwoch, 25. Februar 2026

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„Einfach kurz und schmerzlos“

Warum dringend mehr Darmspiegelungen gemacht werden müssen, und was der Darmkrebsmonat März bedeutet, darüber berichtet Chefarzt und Krebsexperte Dr. Stefan Bollmann von der Helios Klinik Attendorn im Interview.

Herr Dr. Bollmann, Ende Februar haben Sie sich als Chefarzt der Helios Klinik selbst auf die Liege gelegt und eine Darmspiegelung an vornehmen lassen. Warum?

Ich bin in meinem Praxisalltag mit vielen Fällen von Darmkrebs konfrontiert, die hätten vermieden werden können, wenn rechtzeitig jemand nachgeschaut hätte. Daher ist es mir persönlich wichtig, über den Zustand meines eigenen Darmes Bescheid zu wissen. Aber auch, um als gutes Beispiel voranzugehen. Darmspiegelungen sind ein notwendiges Übel, das aber weder wehtut noch irgendwelche Nachwirkungen hat, aber Leben retten. Einfach kurz und schmerzlos.

Der März ist wieder der offizielle Darmkrebsmonat. Warum ist dieser so wichtig?

Er ist aus vielerlei Gründen wichtig. Es geht darum ein Bewusstsein zu schaffen für eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland, da viele Menschen ihr eigenes Risiko wie so oft bei schweren Erkrankungen unterschätzen. Wir Ärzte nutzen diese Zeitspanne, um noch intensiver über Früherkennung zu informieren und Hemmschwellen abzubauen, beispielsweise mit einem kostenlosen Vortrag zu Vorsorge und Therapie am 25. März in der Helios Klinik.

Was ist das Tückische am Darmkrebs?

Der Faktor Zeit und fehlende oder unspezifische Symptome. Der Darmkrebs ist grundsätzlich bei frühzeitiger Erkennung gut heilbar und kann im frühen Stadium sogar im Rahmen einer Darmspiegelung unkompliziert beseitigt werden. Wird der Tumor allerdings zu spät entdeckt, liegt der Schwerpunkt der Therapie leider nicht mehr auf der Heilung, sondern es geht dann darum, die Qualität der verbleibenden Lebensdauer zu sichern. Darum ist eine regelmäßige Vorsorge so wichtig, denn im Frühstadium bemerkt man meistens keine Veränderungen an sich.

Worauf sollte man konkret bei sich achten?

Man muss schauen, ob sich das Verdauungsverhalten ändert. Hat man plötzlich vermehrte Verstopfung, Blähungen, oder Rumoren im Bauch, sollte man das ärztlich prüfen lassen. Vor allem Blut im Stuhl ist ein Warnsignal.

Können Sie Bedenken gegenüber dieser Untersuchung nachvollziehen?

Um es vorwegzunehmen: Eine Darmspiegelung ist absolut nichts Schlimmes! Zur Vorbereitung muss der Darm mit Abführmitteln gereinigt werden. Das ist etwas nervig, weil man dann ziemlich oft zur Toilette muss. Je sauberer der Darm bei der Untersuchung aber ist, desto größer die Aussagekraft. In den meisten Fällen findet die Endoskopie unter einer kurzen Narkose statt und dauert etwa 20 Minuten. Hinzu kommt rund eine Stunde Nachbeobachtungszeit. Dann kann man wieder nach Hause gehen und erhält bei Probeentnahmen nach sieben bis zehn Tagen das Ergebnis.

Wie kann man denn dem Thema Darmkrebs effektiv vorbeugen?

Wir sprachen bereits über erbliche Veranlagung. Diese können wir nicht beeinflussen. Aber was wir selbst in der Hand haben, ist das Thema Ernährung. Nicht förderlich ist der häufige Verzehr von „rotem Fleisch“, also Fleisch von Rind, Schwein, Lamm etc., von Fast Food, kohlenhydratreicher Kost oder Fertigprodukten. Also alles das, was unter den Oberbegriff „Westliche Ernährung“ fällt. Diese Form der Nahrung war von der Natur für uns ursprünglich nicht vorgesehen und – auch wenn es noch so gut schmeckt – unser Körper wird sich nie daran gewöhnen. Das kann man alles „mal“ in Maßen genießen. Bei regelmäßigem Konsum steigt das Risiko für Darmkrebs jedoch signifikant. Das gilt auch und insbesondere für Nikotin und Alkohol.

Dr. Stefan Bollmann ist Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Helios Klinik Attendorn. Zu seinen fachlichen Schwerpunkten gehört die minimalinvasive Chirurgie (insbesondere Hernien-, Darm- und Gallenchirurgie). Darüber hinaus führt er operative Behandlungen bei chronischem Sodbrennen („Reflux-Krankheit“) durch. 

Termin: Attendorner Medizingespräche/ 25. März um 18 Uhr/ Helios Klinik Attendorn
„Darmkrebsmonat März: Vorsorge und Therapie an der Helios Klinik Attendorn“

Eintritt kostenlos. Anmeldung unter 02722-60-0 erwünscht.

Dr. Stefan Bollmann und Dr. Georg Krupp (Chefärzte Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Chefarzt Gastroenterologie, Innere Medizin und Infektionskrankheiten)

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