Freitag, 04. April 2025

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Wenn der Stuhl­gang zur Marathon­sitzung wird

Jeder hat sie, doch (fast) nie­mand spricht dar­über: Hämor­rhoi­den hel­fen, den After­ka­nal im Inne­ren dicht zu hal­ten und die­nen damit der so genann­ten „fei­nen Kon­ti­nenz“. Doch außer­halb des Kör­pers haben sie nichts zu suchen. War­um die Schwell­kör­per aus­tre­ten und wes­halb der Atten­dor­ner Prok­to­lo­ge Dr. Ahmad Farid Nas­ri für vie­le eine der weni­gen Anlauf­stel­len in der Regi­on ist.

Thors­ten W. ist Berufs­kraft­fah­rer und lei­det schon seit Jah­ren an einem Pro­blem, über das nie­mand ger­ne spricht. Stark ver­grö­ßer­te Hämor­rhoi­den behin­dern sei­ne Ver­dau­ung. Als die Blu­tun­gen, das Näs­sen und der Juck­reiz am After so stark wer­den, dass er es kaum noch aus­hält, sucht Thors­ten W. sei­nen Haus­arzt auf. Der All­ge­mein­me­di­zi­ner über­weist sei­nen Pati­en­ten gleich wei­ter zur Fach­be­hand­lung in die Heli­os Kli­nik. Eini­ge Tage spä­ter schon unter­sucht ihn Prok­to­lo­ge Dr. Ahmad Nas­ri, Ober­arzt für All­ge­mein- und Vis­ze­ral­chir­ur­gie.

Der Beruf des 58-jäh­ri­gen Brum­mi­fah­rers ist stres­sig. Unge­sun­des- und unre­gel­mä­ßi­ges Essen sind auf den lan­gen Fahr­ten auf der Auto­bahn vie­le Jah­re stän­di­ge Beglei­ter. Zudem ist er auf die Toi­let­ten auf Rast­stät­ten und Park­plät­zen ange­wie­sen. Der dar­aus resul­tie­ren­de unvoll­stän­di­ge und unre­gel­mä­ßi­ge Stuhl­gang ver­ur­sacht zuneh­men­de Beschwer­den.

Sie beein­träch­ti­gen nicht nur sei­nen All­tag, son­dern ver­ur­sa­chen star­ke Schmer­zen und Blu­tun­gen. Der Atten­dor­ner muss häu­fig zur Toi­let­te. Stän­dig ver­spürt er Stuhl­drang und hat oft auch nach über zwan­zig Minu­ten Sit­zen auf dem WC noch das unan­ge­neh­me Gefühl, sich nicht voll­stän­dig ent­leert zu haben. Bereits eini­ge Minu­ten spä­ter sucht er erneut die Toi­let­te auf und presst stark, um sich wei­ter zu erleich­tern. „Ich habe immer das Gefühl, es müss­te noch was kom­men. Aber es pas­siert dann nichts mehr“, klagt Herr W. über sein Pro­blem beim Stuhl­gang.

Press­zwang ver­ur­sacht Hämor­rhoi­den-Wachs­tum

Laut Dr. Ahmad Farid Nas­ri füh­re der Zwang zum Pres­sen wäh­rend der Stuhl­ent­lee­rung und die Druck­erhö­hung auf den End­darm zur Ver­grö­ße­rung des Hämor­rhoi­dal­ge­we­bes im After­ka­nal. Dadurch wer­de die „inne­re Abdich­tung“ dann beein­träch­tigt, weil sie nicht mehr rich­tig schlie­ße. Der nun unge­woll­te Aus­tritt von Darm­flüs­sig­keit ver­ur­sacht Juck­reiz und Bren­nen im After­be­reich. Ver­stop­fung und zu fes­te Kon­sis­tenz des Darm­in­hal­tes sei­en die Fol­ge und ver­ur­sach­ten zusätz­lich Blu­tun­gen und Schmer­zen, so Dr. Nas­ri.

Zwei­mal wöchent­lich hält er sei­ne prok­to­lo­gi­sche Sprech­stun­de im Atten­dor­ner Kran­ken­haus ab. Sein Fach­ge­biet sind die Erkran­kun­gen des End­darms. Der Andrang ist groß – auch außer­halb der Sprech­zei­ten – denn es man­gelt nicht an Not­fäl­len, die in der Regel nicht abge­wie­sen wer­den.

„Bei bis zu 70 Pro­zent der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung, Män­nern wie Frau­en, tre­ten im Lau­fe des Lebens hämor­rhoi­da­le Lei­den auf. Neben fal­schem Ernäh­rungs­ver­hal­ten kön­nen auch krank­haf­te Stö­run­gen des Dar­mes als Ursa­che vor­lie­gen, die wir mit wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen, zum Bei­spiel Darm­spie­ge­lun­gen, abklä­ren und behan­deln“, erklärt Dr. Nas­ri.

Nicht jedes Hämor­rhoi­dal­lei­den kommt unter das Mes­ser. Sehr oft rei­chen kon­ser­va­ti­ve Behand­lungs­maß­nah­men und Emp­feh­lun­gen aus. „Über 90 Pro­zent unse­rer Pati­en­ten haben Pro­ble­me bei der Stuhl­ent­lee­rung. Dar­um the­ma­ti­sie­ren wir im Behand­lungs­ge­spräch zunächst aus­führ­lich das Ess­ver­hal­ten“, führt Dr. Nas­ri aus. Und akut hel­fe auch oft der Ein­satz von Wund- und schmerz­stil­len­den Sal­ben, ein Weg, für den Pati­en­ten immer Geduld mit­brin­gen müss­ten, die sich am Ende aber aus­zah­le. „In frü­hen Sta­di­en der Krank­heit kön­nen eine fach­ge­rech­te Bera­tung, Stuhl­re­gu­la­ti­on und Ernäh­rungs­be­ra­tung schon genü­gen“, so Dr. Nas­ri, der als einer der weni­gen Medi­zi­ner im Kreis Olpe auf die­ses The­ma spe­zia­li­siert ist.

Schlech­tes Ernäh­rungs­ver­hal­ten und Bewe­gungs­man­gel

Zu schnel­les und schlecht zube­rei­te­tes Essen sind häu­fig der Aus­lö­ser des Pro­blems. Und das beginnt schon im Mund. Wenn es nicht aus­rei­chend gekaut wird, gelangt es kaum- oder unver­daut in den Darm. Um es zu ver­ar­bei­ten, muss der Darm sehr vie­le Bak­te­ri­en pro­du­zie­ren, um die Nah­rung zu zer­set­zen. Die­se wie­der­um set­zen viel Stick­stoff frei. Die Fol­ge sind mit­un­ter schmerz­haf­te Blä­hun­gen und dass der Stuhl auf sei­nem Weg nach drau­ßen von der Luft­bar­rie­re im Darm blo­ckiert wird. Das alles kann man häu­fig mit einer Umstel­lung auf bal­last­stoff­rei­che Kost und einem bewähr­ten Haus­mit­tel stop­pen: Floh­sa­men­scha­len.

Das ursprüng­lich aus Indi­en stam­men­de Getrei­de ist in vie­len Dro­ge­rien und Reform­häu­sern erhält­lich. Es bil­det im Darm ein Gel, wel­ches sich um den Stuhl legt und die Gleit­fä­hig­keit ver­bes­sert. Per­so­nen mit Hämor­rhoi­den, aber auch Ver­stop­fung oder Anal­fis­su­ren pro­fi­tie­ren von einer ver­bes­ser­ten und erleich­ter­ten Darm­ent­lee­rung.

So wie hof­fent­lich Thors­ten W., der kürz­lich eine Floh­sa­men­scha­len-Kur begon­nen hat. „Ich ver­su­che zusätz­lich mit einer Ernäh­rungs­um­stel­lung, vor allem weni­ger Fleisch und Zucker und mehr vege­ta­ri­sche Kost, mein Stuhl­pro­blem in den Griff zu bekom­men – und damit um eine OP her­um­zu­kom­men“, blickt er vor­sich­tig-opti­mis­tisch in die Zukunft.

Die prok­to­lo­gi­sche Sprech­stun­de an der Heli­os Kli­nik Atten­dorn

Die prok­to­lo­gi­sche Sprech­stun­de fin­det mon­tags und don­ners­tags von 13:00 Uhr bis 14:30 Uhr statt. Pati­en­ten mel­den sich tele­fo­nisch unter 02722/60–2336 an und erhal­ten neben den Ter­mi­nen indi­vi­du­el­le Hin­wei­se zur Vor­be­rei­tung auf die Unter­su­chung.

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Foto: Heli­os

Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung

Im Rah­men der Vor­trags­rei­he „Atten­dor­ner Medi­zin­ge­sprä­che“ hält Dr. Ahmad Farid Nas­ri am 30. Okto­ber um 17 Uhr einen Vor­trag mit dem Titel: „Erkran­kun­gen des Afters – wenn es schmerzt, juckt oder blu­tet“.

  • Wo: Heli­os Kli­nik Atten­dorn, Gro­ßer Kon­fe­renz­saal
  • Kei­ne Anmel­dung oder Ein­tritt erfor­der­lich
  • Die Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung rich­tet sich an Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge

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