Samstag, 05. April 2025

Top 5 der Woche

Ähnlich

Acht­jäh­ri­ges Mäd­chen offen­bar jah­re­lang ver­steckt und ein­ge­sperrt

Der Fall des ver­mut­lich jah­re­lang in Atten­dorn ver­steck­ten Mäd­chens ruft auch beim Kreis Olpe gro­ße Betrof­fen­heit her­vor.

Fest steht, dass das Jugend­amt des Krei­ses Olpe mit Unter­stüt­zung der Kreis­po­li­zei­be­hör­de Olpe das Mäd­chen am 23. Sep­tem­ber die­ses Jah­res in dem Haus der Groß­el­tern müt­ter­li­cher­seits gefun­den und es nach ärzt­li­chen Unter­su­chun­gen umge­hend in die Obhut einer Pfle­ge­fa­mi­lie gebracht hat. Ers­ten Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft Sie­gen zufol­ge konn­te das heu­te acht­jäh­ri­ge Mäd­chen das Haus in Atten­dorn nicht ver­las­sen, seit­dem sie rund ein­ein­halb Jah­re alt war. Hin­wei­se auf eine kör­per­li­che Miss­hand­lung oder Man­gel­er­näh­rung lie­gen nicht vor, das Kind steht wei­ter in ärzt­li­cher Behand­lung, spe­zi­ell natür­lich hin­sicht­lich psy­chi­scher Fol­gen.

Laut einer Regis­ter­ein­tra­gung des Ein­woh­ner­mel­de­amts sind die Kin­des­mut­ter und das Kind im Juni 2015 nach Kala­bri­en in Ita­li­en umge­zo­gen, seit­her ist dem Vater ein Kon­takt nicht mehr ermög­licht wor­den. Die Bezie­hung zu dem leib­li­chen Vater bestand schon vor der Geburt des gemein­sa­men Kin­des offen­bar nicht mehr.

Anony­men Hin­wei­sen, dass das Mäd­chen zusam­men mit sei­ner Mut­ter bei deren Eltern in Atten­dorn lebe, ist das Jugend­amt mehr­fach nach­ge­gan­gen, fand aber kei­ne stich­hal­ti­gen Bewei­se, die die­se The­sen bekräf­tig­ten. Vor­wür­fe einer mög­li­chen Kin­des­wohl­ge­fähr­dung konn­ten nicht kon­kre­ti­siert wer­den. Es lagen kei­ne kon­kre­ten Bewei­se vor, dass das Kind nicht in Ita­li­en lebt.

Im Juli die­ses Jah­res berich­te­te ein Ehe­paar, das kei­ne direk­te Ver­bin­dung zu den Fami­li­en hat, von einer mög­li­chen Kin­des­wohl­ge­fähr­dung und Erzäh­lun­gen von Freun­den, die sich sicher sei­en, dass das Kind im Haus der Groß­el­tern gefan­gen gehal­ten wür­de. Dar­auf­hin wur­de am 14. Juli 2022 ein Amts­hil­fe­er­su­chen des Kreis-Jugend­amts beim Bun­des­amt für Jus­tiz zur Wei­ter­lei­tung an die zustän­di­gen Behör­den in Ita­li­en ein­ge­lei­tet. Am 12. Sep­tem­ber 2022 erhielt das Jugend­amt eine E‑Mail des Bun­des­am­tes für Jus­tiz mit der Infor­ma­ti­on der ita­lie­ni­schen Zen­tral­be­hör­de, „dass die Kinds­mut­ter nie unter der in Ihrem Ersu­chen ange­ge­be­nen Adres­se ansäs­sig gewor­den ist“.

Bereits am nächs­ten Tag, am 13. Sep­tem­ber 2022, wur­de per E‑Mail der Sach­ver­halt voll­um­fäng­lich der Poli­zei mit­ge­teilt. Am 23. Sep­tem­ber 2022 hat das Fami­li­en­ge­richt den Eltern Tei­le des Sor­ge­rechts ent­zo­gen und das Jugend­amt zum Ergän­zungs­pfle­ger sowie eine Ver­fah­rens­bei­stän­din bestellt. Fer­ner wur­de die Kin­des­mut­ter ver­pflich­tet, das Kind „unver­züg­lich an das Jugend­amt als Ergän­zungs­pfle­ger her­aus­zu­ge­ben“.

Am glei­chen Tag durch­such­ten Poli­zei und Jugend­amt das Haus der Groß­el­tern müt­ter­li­cher­seits und fan­den das Mäd­chen.

Die Staats­an­walt­schaft Sie­gen hat ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen Miss­hand­lung von Schutz­be­foh­le­nen sowie Frei­heits­be­rau­bung gegen die Kinds­mut­ter und deren Eltern ein­ge­lei­tet. Selbst­ver­ständ­lich prüft der Kreis Olpe die ver­fah­rens­be­zo­ge­nen Vor­gän­ge im eige­nen Haus. Land­rat Theo Mel­cher: „Ich hof­fe, die Ermitt­lun­gen geben Ant­wor­ten auf die uns alle bewe­gen­de Fra­ge, war­um das Mäd­chen über so vie­le Jah­re ver­steckt wur­de und ihm ein ‚nor­ma­les‘ Kin­der­le­ben ver­wei­gert wur­de. Ich freue mich aber, dass das Mäd­chen aus die­ser Situa­ti­on befreit wer­den konn­te und es ihm offen­bar gesund­heit­lich gut­geht.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Beiträge