Geschichte der Königskompanie

Die Geschichte der Königskompanie der Schützengesellschaft 1222 e.V.

Mit dem festgesetzten Gründungsdatum der Schützengesellschaft Attendorn von 1222 ist die Verknüpfung mit der Geschichte der Stadt Attendorn mit den Stadtrechten seit 1222 dokumentiert.

Stadt- und Schützengeschichte gehören untrennbar zusammen.

1255 wurde Attendorn Mitglied des Städtebundes.

Dessen Mitglieder waren verpflichtet, eine Wehrmannschaft bereitzustellen, um sich zu verteidigen oder anderen Mitgliedern bei feindlichen Angriffen zu Hilfe eilen zu können.

Die Schützen rekrutierten sich damals aus den Bürgern von Attendorn.

In Zeiten, in denen eine Verteidigung gegen Angreifer nicht erforderlich war, galt es die Kraft der Schützen durch Übungen zu erhalten. Bei entsprechenden Schießübungen wurde jährlich der beste Schütze ermittelt, der – SCHÜTZENKÖNIG -.

Nach der Ermittlung ihres Königs feierten die Schützen ein Fest, das – SCHÜTZENFEST -.

In Attendorn wird durch das Schießen auf einen Holzadler der Vogelkönig und durch das Schießen auf eine Schmuckscheibe der Scheibenkönig ermittelt.

Schon 1599 erzählt Kaspar v. Fürstenberg über seine Anwesenheit beim Vogelschießen zum Schützenfest in Attendorn zu Pfingsten am 31. Mai. ( s. J. Brunabend / 9, S. 97, „Attendorn“ )

Bereits seit 1696 gibt es die Aufzeichnung der ehemaligen Vogel- und Scheibenkönige in fast ununterbrochener Reihenfolge, also seit mindestens 311 Jahren.

( s. H. Forck, Geschichte der Schützengesellschaft in Attendorn. )

Diese Aufzeichnung wird besonders im Zusammenhang mit der Plakettensammlung seit 1692 lebendig.

Die Stiftung der Silberplaketten ( Kleinodien – s. Versilberte Stadtgeschichte ) von namhaften Bürgern Attendorns und den jährlich zwei neuen Königen bis heute nahm und nimmt Bezug auf Berufs- und Familien-, aber auch auf Landes-, Stadt- und Schützengeschichte, und schreibt diese stetig fort.

Die Sammlung der Königsfotos geht zurück bis zum Jahr 1848.

Ebenfalls die von 1978 an bis heute lückenlos zusammengestellte Schmuckscheibensammlung mit ihren bisher 30 Exponaten und einer Sonderscheibe, Stiftungen der amtierenden Scheibenkönige, und der Scheibe der Jungschützen, gilt als außergewöhnliches und visuell eindrucksvolles Geschichtsdokument.

Im Jahre 1907 nun erfolgte der offizielle Zusammenschluss der Gemeinschaft der ehemaligen und der zukünftigen Könige zur – KÖNIGSKOMPANIE -, und zwar auf Veranlassung des damaligen Schützenhauptmanns Josef Hüttemann, genannt „Rotebeetenhännes“, am Schützenfestsonntag, dem 30. Juni 1907.

Anlässlich des Schützenfestes am 29., 30. Juni und 01. Juli 1907 wurde im Protokollbuch des damaligen Vorstandes folgendes festgehalten :

„Am Sonntagnachmittag stellte der Hauptmann die noch lebenden, ortsansässigen Könige vor, welche von jetzt an zu einer besonderen Kompanie vereinigt, an der Spitze der Schützen marschieren sollen. Es waren ihrer vierzig, welche , nachdem eine passende Ansprache gehalten, auf die der König Sattlermeister Carl Schulte ( 1889 SK ) erwiderte, mit dem silbernen Abzeichen dekoriert wurden. Diese Neueinrichtung fand allseitig großen Beifall.“

Grundtenor bei der Königskompanie war stets die Betrachtung von Stadt- und Schützengeschichte, deren Dokumentation, aber auch deren Mitgestaltung und Erneuerung.

Besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Pflege der Requisiten und deren Aktualisierung bezogen auf das Jetzt und Heute lag und liegt ihr besonders am Herzen.

Bemühen um Mitmenschlichkeit und die Bereitschaft aufeinander zu zugehen galt und gilt ihr als Orientierungslinie im Umgang mit den Mitbürgern und auch den Gästen unserer Stadt, und das nicht nur zum Schützenfest, sondern das ganze Jahr über.

Auf Grund dieser Darstellung und dieses Wirkens wurde die Königskompanie schon in den vergangenen Jahrzehnten als das „Herz der Gesellschaft“ bezeichnet.

Von je her zeichnete sich in den Reihen der ehemaligen Könige eine besondere Initiativbereitschaft ab. Es wurden Akzente gesetzt, von denen im Nachsatz einige aufgeführt sind: so stiftete die Königskompanie u.a. 1951 zwei neue Schwenkfahnen, die Sebastians- und die Mutter Anna-Fahne. Dadurch konnten die Fahnen mit den gleichen Motiven aus der Zeit um 1800 geschützt und im Museum aufbewahrt werden.

1994 kam aus Anlass der Festschreibung des Gründungsdatums 1222 der Gesellschaft eine weitere Schwenkfahne mit dem Motiv Bieketurm hinzu.

Des Weiteren initiierte die Königskompanie von 1982 bis 1987 zum Schutz der Originale die Nachbildung des Kaiseradlers, der Silbertaube an der Vogel- und des Silberadlers an der Scheibenkönigskette, die Nachbildung der beiden zinnernen „Willkomm“ wie die Nachbildung der Ausrüstung der Iserköppe.

Der uns mittlerweile alle so begeisternde Sternmarsch wurde 1984 von der KöKo ins Leben gerufen. Dadurch wird ein wichtiger Hinweis auf die geschichtliche Bedeutung der Bürger um die einzelnen P(o)o(r)ten herum gegeben, damals wie heute.

Eine der bemerkenswertesten Aktionen war jedoch 1985 die in Obhutnahme des Bieketurmes durch die Königskompanie als Zeughaus der Gesellschaft.

Mit viel Eifer, ungeheurer Spendenbereitschaft und -effekt, Eigenleistung und Ausdauer wurde aus dem vorherigen Jugendtreff der Turm, wie wir ihn heute kennen, mit seinen drei Ebenen, welche Attendorner Stadt- und Schützengeschichte erzählen. Der Turm ging 2004 in das Eigentum der Gesellschaft über.

Ein weiterer Husarenstreich wurde leider nicht verwirklicht.

Das 1987 von der Königskompanie mit Planunterlagen beantragte Doppelstockparkdeck für den Feuerteich mit rekonstruierter Stadtmauer und Wehrgang entlang des Severngrabens wurde im Rat zwar einstimmig beschlossen, die Durchführung endete jedoch mit dem heute bekannten Ergebnis.

2007 erinnern wir uns nun an den Zusammenschluss der ehemaligen und zukünftigen Könige zur Königskompanie vor 100 Jahren.

Im gleichen Jahr denken wir an die Herstellung der heutigen Außentreppe am Bieketurm zur Erschließung der Obergeschosse für die Jugend vor 60 Jahren im Jahre 1947 auf Initiative unseres VK von 1994 Günter Stumpf.

Des Weiteren kann die Schützengesellschaft in 2007 auf 785 Jahre ihrer Geschichte zurückblicken.

Alles in allem zeigt sich mit 2007 ein Jahr, in welchem wir uns gerne an unsere Geschichte erinnern und diese auch froh feiern sollten frei nach dem Wahlspruch Friedrich Schillers :

„lasset uns am Alten
so es gut ist halten;
aber auf dem alten Grunde
Neues wirken jede Stunde !“

Johannes Höffer
Vorsitzender der Königskompanie