350 Jahre Semmelsegnen

Am 22.03.08 um 14.00 Uhr werden auf dem Kirchplatz an der
Pastoratsseite der Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist in Attendorn wie seit 350 Jahren die Ostersemmel gesegnet. Das Segnen der Brote am Karsamstag ist in Attendorn zum ersten Mal im Jahr 1658 urkundlich erwähnt worden. Der WDR hat in einer Sendung vor ein paar Jahren das Brauchtum der Stadt porträtiert angereichert mit historischem Material von 1930 aus den Archiven der Attendorner Bürger. Bei uns kurz und bündig: „Semmelsegnen gestern und heute“ in 36 Sekunden.

[googlevideo 3296099494975837685]

 

Etwas ausführlicher hat sich Gerhard Höffer mit dem Thema auseinandergesetzt. Hier seine Abhandlung:

Die Segnung der Ostersemmel (von Gerhard Höffer)

An jedem Karsamstag findet an der Nordseite der Pfarrkirche St. Johannes Baptist um 14 Uhr die Segnung der Ostersemmel statt. Früher betrat der Pastor den Kirchplatz aus einer Tür (mittlerweile zugemauert) vom hinteren Chor aus. Eingeleitet wird die Andacht durch das „Klappstern“. Dazu kommen viele Attendorner und Besucher mit ihren Broten zusammen.

Insgesamt backen die Bäckereien für Karsamstag ca. 12.000 Semmel, die mit Kümmel durchsetzt sind und an beiden Enden je einen Einschnitt haben, so dass die Form einer Fischflosse entsteht. Ein Symbol der Frühchristen, das bereits in den Katakomben zu finden ist.Die eigenartige Form konnte jedoch bislang nicht endgültig geklärt werden. Auch ist dieser Brauch in Westfalen sonst unbekannt.

Semmelsegnen 1658

Im Jahr 1658 erscheint erstmalig eine Aufzeichnung im Rentenbuch des Herrn Pastors Johannes Zeppenfeld, dass am Karsamstag in Attendorn die Brote gesegnet werden.

post prandium quando
hora prima solemniter ad
completorium pulsatur
sacellanus panes benedicit
post chorum in coemiterio.
Nach der Mahlzeit
wird zur ersten Stunden
alljährlich zum Vespergottesdienst aufgerufen
und der Priester segnet das Brot
hinter dem Chor.

 

Vermutlich ist dieser Brauch jedoch älter, da auf dem Gemälde „Die Geburt Maria“ von dem Kupferstecher, Zeichner für den Holzschnitt und Baumeister Albrecht Altdorfer, genannt „Maler von Amberg“ (ca.1480 bis 1538) aus Regensburg, bereits ein Hirte mit einem ähnlichen Brotlaib zu sehen ist. Das Bild hängt in München, Alte Pinakothek. Vielleicht hat der Brauch sich aus der mittelalterlichen Brotsegnung erhalten. In Süddeutschland kannte man noch die Segnung der „Wecke“ am Karsamstag Nachmittag.

Doch sagt man auch, dass die vier Hörner an den Ostersemmeln „Ziegenhörner“ darstellen sollen. Hörner der Ziegen, die der germanische Gott Wodan bei der „Wilden Jagd“ vor seinen Wagen spannte. Durch den priesterlichen Segen sollte das heidnische Brot zu gesegnetem Osterbrot werden.

1936 Mertha, Maria, Otto, Johannes WurmDer Ostersemmel besteht aus 40% Roggen- und 60% Weizenmehl, Sauerteig, Salz und eingeweichtem Kümmel. Der Kümmel wurde zugesetzt, da er nach einer 40tägigen Fastenzeit den Magen beruhigt, der erstmalig wieder eine üppige Mahlzeit bekam.
Früher gaben die Bauern auch ihrem Vieh vom gesegneten Brot etwas ab.
Es sollte vor Krankheiten und Katastrophen schützen.

Am besten soll der Ostersemmel mit guter Butter und westfälischem Knochenschinken schmecken. Ein Osterei passt auch gut dazu.

Aus Anlass des Jubiläums „350 Jahre Semmelsegnen“ spenden die Attendorner Bäcker 350 Ostersemmel. Der Verkaufserlös geht an die Attendorner Tafel.

350 Jahre Semmelsegnen in Attendorn