Die Attendorner City hat durch die Umsetzung des Innenstadtentwicklungskonzeptes in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen. Durch zusätzliche Angebote wie das Kino oder das Benediktiner Wirtshaus sowie die umfangreichen Sanierungen von Straßen und Plätzen hat die „alte Dame“, die in zwei Jahren ihren 800. Geburtstag feiert, ein vollkommen „Neues Gesicht“  bekommen. Daneben hat eine aktive Einzelhandelsförderung dazu beigetragen, die Zahl der Leerstände deutlich zu senken. Die Vergrößerung der Rossmann-Filiale in der Wasserstraße oder die Ansiedlung von Tedi am Kölner Tor wurden politisch unterstützt und werden von den Kunden positiv angenommen.

Trotzdem verlassen viele Attendorner zum Shoppen ihre Stadt und geben ihr Geld außerhalb der Hansestadt aus. Fachleute sprechen hier von einem Kauftkraftabfluss für eine Kommune. Allein für die Sortimente Lebensmittel sowie Gesundheit und Körperpflege beträgt dieser Kaufkraftabfluss laut dem aktuellen Einzelhandelskonzept 15 Mio. Euro pro Jahr.

Dies wirkt sich leider auch negativ auf den  Einzelhandel in unserer Stadt aus. Insbesondere trägt die im Vergleich zu anderen Städten derzeit offenbar fehlende Auswahl in den Sortimenten Bekleidung, Lebensmittel und Drogeriewaren zu dieser Entwicklung bei. Im Bereich von Lebensmitteln und Drogeriewaren verfügt Attendorn im Gegensatz zu den benachbarten Städten lediglich über einen großen Supermarkt, einen sogenannten Vollsortimenter, und einen Drogeriemarkt. So können Kunden in der Hansestadt derzeit kaum vom Wettbewerb mehrerer Anbieter profitieren.

Da ist es keine Überraschung, dass unsere Bürgerinnen und Bürger Lebensmittel oder Drogeriewaren in Nachbarstädten kaufen und dort dann auch ihre sonstigen Besorgungen erledigen.  Der verdiente Kaffee nach dem Shoppen wird dann eben auch nicht in Attendorn getrunken!

Vor diesem Hintergrund begrüßen die Ratsfraktionen von SPD, CDU, UWG, sowie der Ratsvertreter der Grünen die Projekte Wallcenter (ehem. Busbahnhof) und Cohn-Gebäude in der Wasserstraße.

Beide Objekte sind dazu geeignet, die beschriebenen Defizite abzubauen. Beim Wallcenter verursachte die Corona-Krise und eine nicht mehr zur Verfügung stehende Fläche eine Unterbrechung des Planungsverfahrens. Diese Situation eröffnet allen Beteiligten derzeit die Chance, die Folgen der Krise für den Einzelhandel zu beobachten und das Projekt zu optimieren. Rat und Verwaltung werden sich dabei sehr intensiv mit den während der öffentlichen Auslegung erarbeiteten Plänen und den vorgetragenen kritischen Stellungnahmen auseinandersetzen und konstruktive Anregungen selbstverständlich aufgreifen.

Die Fraktionen von SPD, CDU, UWG und der Ratsvertreter der Grünen sind sich einig, dass ein Verzicht auf das Projekt Wallcenter den Attendorner Einzelhandel im Wettbewerb mit den benachbarten Zentren dauerhaft weit zurückwerfen würde.

Gleichzeitig wird gemeinsam betont, dass die Entwicklung des Einzelhandels in der historischen Stadtmitte eine genau so hohe Bedeutung hat. Deshalb wird die Perspektive, in der Wasserstraße eine große Einzelhandelsfläche für den Bekleidungs-Einzelhandel zu schaffen, begrüßt. Zusammen mit dem Drogeriemarkt Rossmann kann dort parallel ein Kundenmagnet mitten in der Stadt entstehen. Von solchen Magneten an mehreren Standorten in der Innenstadt und den kurzen Laufwegen dazwischen profitieren auch die umliegenden kleineren Geschäfte.

Denn eines steht fest: Eine attraktive Einkaufsstadt muss ein gutes Verhältnis aus großflächigem Einzelhandel und spezialisiertem Fachgeschäften bieten. Attendorn ist eine eng bebaute Stadt mit nur wenigen Möglichkeiten, großflächigen Einzelhandel anzubieten. Deshalb bieten die Projekte Wallcenter und Wasserstraße wertvolle Chancen, die es zu nutzen gilt, um den Aufwärtstrend in der Attendorner Innenstadt weiter fortzusetzen.

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