Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ wird am Donnerstag, 23. Januar 2020, im JAC Kino in Attendorn präsentiert. Für Schulklassen besteht am folgenden Tag die Möglichkeit zur Filmvorführung.

In Zusammenarbeit mit dem Regionalen Bildungsnetzwerk im Kreis Olpe und der Initiative „Jüdisch in Attendorn“ und unter der Schirmherrschaft und mit Unterstützung der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, findet am Donnerstag, 23. Januar 2020, um 19.00 Uhr im JAC Kino in Attendorn eine Sondervorführung des vielbeachteten Kinodokumentarfilms von Karin Kaper und Dirk Szuszies statt.

Breslau – jüdische Schulklasse von 1938. Ein Foto aus der Zeit des Naziterrors. Auch viele Kinder überlebten die Schreckensherrschaft nicht (Quelle: Karin Kaper Film GbR)

Zum Inhalt: Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wroc?aw, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Abraham Ascher mit Teilnehmerinnen des Workshops (Quelle Karin Kaper Film GbR)

Der Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies hat unter anderem den Deutsch-Polnischen Kulturpreis erhalten sowie die Ehrenmedaille der Europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw. Zudem wurde der Film weltweit eingeladen auf bedeutende Filmfestivals und im Jahr 2018 von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgewählt. Ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Ein filmisches Denkmal, erschütternd und erhellend. Unter anderem das Aufeinandertreffen der letzten Zeitzeugen des Naziterrors mit Mädchen und Jungen von heute wird behutsam inszeniert.

Zeitzeugen kommen im Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau” zu Wort: im Bild Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch mit deutschen und polnischen Jugendlichen im Gefängnishof von Wroclaw. (Quelle Karin Kaper Film GbR)

Im Attendorner JAC Kino findet die Sondervorführung am Donnerstag, 23. Januar 2020, ab 19.00 Uhr statt mit einer Einführung durch den Regisseur Dirk Szuszies und einem anschließenden Filmgespräch. Schon jetzt sind Online-Reservierungen über die Kino-Homepage https://www.jac-kino.de/ möglich.

Bereits im November des vergangenen Jahres wurde der Film im Cineplex Olpe als Sondervorführung und als Schulvorführung gezeigt. Und auch in Attendorn haben die Schulen am Vormittag des 24. Januar 2020 die Möglichkeit zum Kinobesuch inclusive Austausch mit Regisseur Dirk Szuszies. Interessierte Schulen können sich für Informationen und Anmeldungen (bis zum 21. Januar 2020) an Volker Sommerhoff vom Kreis Olpe wenden, Tel. 02761/81-353, E-Mail v.sommerhoff@kreis-olpe.de.

Nach den Erfahrungen im Vorjahr in Olpe freut sich Volker Sommerhoff auf die Wiederholung in Attendorn: „Der Film hat mich in beeindruckender Weise überzeugt. Die ausgewählten Schicksale der Breslauer Juden sind hervorragend dokumentiert und erzählt. Die Gespräche mit diesen Zeitzeugen und die Unterschiedlichkeit der Lebenswege waren für mich mehr als bewegend. Und die Möglichkeit, im Anschluss an den Film mit dem Filmemacher Herrn Szuszies zu diskutieren fügte sich hervorragend ein. Dieser Film erlaubt zudem einen Brückenschlag zu brandaktuellen Themen wie Migration und Flucht und ist in meinen Augen hervorragend geeignet für junge Menschen, sich mit Themen wie „Nationalsozialismus“ und „Antisemitismus“ auseinanderzusetzen.“ 

Weitere Informationen zum Dokumentarfilm gibt es auf der Homepage www.judenausbreslaufilm.de.

Wolfgang Nossen mit Teilnehmern des Workshops auf Neuem Juedischen Friedhof (Quelle Karin Kaper Film GbR)
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