Eine weitere wichtige Frage aus dem Publikum war die nach der Bekämpfung der AfD. Hier verwies Ziemiak auf ein großes Problem: es gebe Regionen, wo die AfD eine große Wählerschaft habe wie in einigen ostdeutschen Landesteilen. Komme er aber beispielsweise wie zuletzt nach Münster, sage man ihm, dort kenne man das Problem mit dem Erstarken der AfD gar nicht. Insofern sei es für die Politiker daher sehr schwierig, hier überhaupt ein Patentrezept zu finden.

Mit Blick auf die Gesundheitspolitik kam die Frage auf, ob wir nicht zuerst unsere eigenen Landsleute in offene Pflegestellen unterbringen sollten und nicht europaweit suchen, wie der Gesundheitsminister Jens Spahn das derzeit mache. Paul Ziemiak erwiderte, dass alle Bewerber, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, in offene Stellen untergebracht werden würden. Ohne ausländische Pflegekräfte würde Deutschland gar nicht mehr zurechtkommen.

Der Besuch Paul Ziemiaks in Attendorn hat den Zuhörern viele neue Denkimpulse gegeben. Er hat mit seinen Ausführungen gezeigt, dass sich die CDU, als Partei der Mitte umso mehr für die Demokratie in unserem Land stark machen soll.

Auf Einladung von Thorsten Wurm, Vorsitzender des CDU OV Attendorn, besuchte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak MdB mit vielen anderen Interessierten im Oktober die Fa. KIRCHHOFF GmbH am Eckenbach.

Im Anschluss an die Werksbesichtigung referierte Paul Ziemiak über viele aktuelle Themen und ging auf die Fragestellungen der Besucher detailliert ein.

Einleitend nahm er direkt Stellung zur aktuellen Klimadebatte. Die Klimadebatte müsse über die Demokratie stehen, nicht umgekehrt. Die Realität zeige, dass die Klimaziele zwar noch nicht erreicht worden seien, aber im Vergleich zu 1990 seien die CO2 Emissionen um 32% gesenkt worden. Er betonte, dass Deutschland das einzige Land sei, das aus Kohle und Atom-Strom gleichzeitig aussteige. Man dürfe auch nicht vergessen, dass es aufgrund der gut laufenden Konjunktur entsprechend hohe Emissionswerte gebe. Bei einer fiktiv niedrigeren Exportrate hätte Deutschland zwar aufgrund weniger Steuereinnahmen eine schlechtere Sozialpolitik betreiben können, dies hätte jedoch dann zu niedrigeren Emissionswerten geführt.

Nach Ansicht Paul Ziemiaks beschäftige sich Europa zu viel mit sich selbst. Während 2016 China mit dem Ausbau der Seidenstraße begonnen habe und damit zeige, dass es das wirtschaftlich mächtigste Land der Welt werden möchte und Trump mit seinem Wahlspruch „America first“ zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden sei, habe Großbritannien das Brexit-Referendum ausgerufen.

Paul Ziemiak fordert eine klare Haltung der CDU. Wie will sich die Partei unabhängig von der großen Koalition zukünftig positionieren? Kritik findet er auch an der Polarisierung vieler Themen, an dem im mehr aufkommenden Schwarz-Weiß-Denken in der Gesellschaft. So auch der Vergleich bei Fragen zwischen Stadt und Land in puncto Windenergie/Mobilität, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Betrachtung der ländlichen Regionen von der Hauptstadt Berlins aus müsse aus einem anderen Blickwinkel erfolgen.

Paul Ziemiak betonte ausdrücklich, dass die CDU nach dem 2. Weltkrieg die einzige Partei gewesen sei, die keine ideologische Haltung mehr haben wollte. Das unterscheide die CDU von allen anderen Parteien. Die CDU strebte nur noch ein Menschenbild aus dem christlichen Bewusstsein heraus an, mit einem christlichen Wertefundament. Die Partei müsse Menschen wieder Mut machen, wieder einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen. Alle Kinder, egal aus welcher Gesellschaftsschicht und Herkunft, sollen die gleichen Bildungschancen haben. Als Voraussetzung für gelungene Integration sieht er ganz klar das Erlernen der deutschen Sprache von frühkindlicher Erziehung an.

Die CDU soll sich darauf konzentrieren, Politik für die große breite Mitte der Gesellschaft zu machen und nicht nur für die sehr gut Verdienenden oder aber Hartz- IV-Empfänger. Sie muss die Gesellschaft zusammenführen, nicht polarisieren.

Eine Frage aus dem Publikum betraf die Flüchtlingspolitik der CDU. In welche Richtung solle diese ihrer Meinung nach gehen? Herr Seehofer möchte ein Viertel aller in Malta ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Laut Herrn Ziemiak werde das Problem dadurch aber nicht gelöst. Das Gegenteil sei der Fall. Dies sei das falsche Signal. So würden Menschen eher noch animiert, sich auf die Flucht zu begeben. In Europa bekomme man zudem keine Quote mit einem Verteilmechanismus hin. Schade seien Behauptungen aus der Bevölkerung, es werde seitens der Asyl- und Flüchtlingspolitik nichts gemacht

Die Wahrheit sei, dass es in Deutschland die strengste Verschärfung des Asylrechts nach Gründung der Bundesregierung gebe. Realität in Deutschland sei aber auch, dass Abschiebungen boykottiert würden. Vertrauen der Wähler würde hiermit verspielt.

Eine weitere Frage aus dem Publikum betraf die Wählerschaft der CDU in den Großstädten. Welche Strategie haben die Politiker, um dort ein besseres Wahlergebnis zu erzielen? Ziemiak sagte, dass das größte Problem bei der Wahl in Großstädten die Personalrekrutierung sei, da die Menschen dort einfach anonymer wohnen würden. Auf dem Land bekomme man viel eher mit, welche Leute untereinander vernetzt seien, welche man ansprechen könne, um über diese Personen leichter CDU Wähler gewinnen zu können. Eine klare Lösung für eine größere CDU Wählerschaft in Großstädten sei somit schwierig.

Sehr interessant für die Zuhörer war die Frage nach einer offenen Kanzlerkandidatur. Die Basis der CDU sei für eine offen geführte Debatte. Hierzu nahm Herr Ziemiak ganz klar Stellung: die Debatten nach einer offen geführten Kanzlerkandidatur stürze die Partei ins Unglück. Denn die Journalisten würden jede Gelegenheit nutzen, die Kandidaten gegenseitig auszuspielen. Die Sorge Ziemiaks ist, dass die Partei bis zur Wahl in mehrere Lager gespalten wird. Es gehe dann nicht mehr ums Parteiprogramm, sondern nur noch um Personendebatten. Das schade dem Wahlkampf immens. Deshalb sein Appell an die CDU, die Energie nicht wie bei der SPD auf Personalfragen, sondern auf die „drängenden Sachfragen“ zu konzentrieren.

Trotz allem wurde seitens des Publikums bzgl. der personellen Besetzung einzelner Bundes-Ministerien geäußert, dass man aufgrund der bisherigen Ergebnisse durchaus über einen Führungswechsel durch die CDU nachdenken solle (z. Bsp. Verkehrsministerium).

Bei der Frage, wie Deutschland als Industrieland zukünftig die Energieversorgung sicherstellen möchte, argumentierte Ziemiak mit der Förderung von Gas, Windenergie und staatlich geförderten Kraftstoffen.

Das Planungsrecht beim Ausbau alternativer Energien werde „entschlackt“ und der Umsetzungsprozess deutlich verkürzt. Zudem müsse die Elektromobilität für urbane Zentren vorangetrieben werden. Die Mischung verschiedener Energietechnologien sei am besten.

Seitens des Publikums wurden auch konkrete Probleme dargestellt, dass in Teilen Firmen versuchen, mit der Eigenerzeugung regenerativer Energie CO2 neutral zu agieren – Problem sei meist, dass die vorhandenen Strom-Netze zur Einspeisung und „Zwischenspeicherung“ nicht geeignet seien und Firmen dadurch gehalten sind, kostenintensive „Eigenlösungen“ zu entwickeln und vorzuhalten.

Bericht Arndt Kirchhoff

KIRCHHOFF Automotive GmbH ist ein in der vierten Generation geführtes Familienunternehmen. Das im Jahr 1785 gegründete Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf die Herstellung aller Sorten von Nadeln aus erstklassigem Gussstahlnadeldraht. Heute ist das Unternehmen Entwicklungspartner der Automobilindustrie für komplexe Metall- und Hybridstrukturen für Rohkarosserie und Fahrwerk sowie Crash Management Systeme und Armaturentafelträger. Das Unternehmen gehört zur heuten KIRCHHOFF Gruppe, die sich aus den vier Geschäftsbereichen Automotive, Ecotec, Mobility und Witte Tools zusammensetzt.

Die Fa. KIRCHHOFF Automotive GmbH ist mit derzeit 59 Werken in 21 Ländern vertreten, vornehmlich in Europa, Nordamerika und Asien. Mit ca. 13.000 Mitarbeitern weltweit macht es einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr. Der Hauptumsatz wird europaweit getätigt, gefolgt von Nordamerika. Asien macht nur einen kleinen Anteil am Umsatz aus, da dort das Enteignungsrisiko droht – ein wichtiger Aspekt, der durch die Firma beim Risikomanagement zu beachten ist.

Bei der Betriebsbesichtigung im Werk in Attendorn fiel der hohe Automatisierungsgrad der einzelnen Fertigungsprozesse auf – Hr. Kirchhoff betonte, dass der Automatisierungsgrad der Bearbeitungsprozesse noch weiter steigen wird (z. Bsp. durch Einsatz computergesteuerte Gabelstapler). Arbeitsprozesse werden umstrukturiert – z. Zt. werden viele Mitarbeiter aus „Automobilfertigung“ fremden Berufen beschäftigt.

Eine in der Branche derzeit sehr beliebte Frage ist die nach „Dem Griff in die Kiste“. Gemeint ist ein vom jetzigen chinesischen Konzern KUKA AG entwickelter Roboter, ausgestattet mit Siemens Software, der präzise Teile aus einer Kiste (trotz Lageungenauigkeit) herausholen kann. Hier konnte sich der Besucher anschaulich ein Bild von den Entwicklungen Industrie 4.0 machen. Herr Kirchhoff betonte hier die branchenweite Bedeutung der LEWA aus Attendorn für die Entwicklung und Fertigung komplexer Fertigungsmaschinen.

Um eine stetige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen, werden die Maschinendaten der KIRCHHOFF Gruppe weltweit von einem SAP gesteuerten System zusammengeführt und verglichen. Durch dieses „Benchmarking“ ist es möglich, weltweit Fertigungsprozesse zu optimieren.

Weltweit tauschen sich die Werksleiter und Fertigungseinheiten untereinander aus – so können gegenseitig Verbesserungsvorschläge und Optimierungen im Fertigungsprozess vorgenommen werden.

Für Arndt Kirchhoff bringen die digitale Auswirkung auf die heutigen Arbeitsplätze, die Energie- und Mobilitätswende einen Meilenstein an Veränderung mit sich. Kirchhoff: „Diese Komplexität an Veränderung muss im Gleichschritt erfolgen. Aufgaben der Unternehmen und Gewerkschaften ist es, diese Veränderungen in einer Geschwindigkeit erfolgen zu lassen, dass die Menschen nicht abgehängt werden. Arbeitsplätze sollen so gesichert werden – dies setzt eine ständige betriebliche Weiterbildung voraus!“.

Mit einem alleinigen Stahlverbrauch von 75.000to für den Fertigungsprozess von Kirchhoff Automotive GmbH in Attendorn, ist neben weiteren Firmen in Attendorn (hier z. B. Fa. Mubea und Gedia) die Grenze der Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur erreicht – eine Bundesweit geforderte Verlagerung von Gütern auf die Schiene ist anhand der vorhandenen Eisenbahninfrastruktur vor Ort nicht machbar.

Auf Nachfrage von Hr. Wurm, ob sich die Fertigungsprozesse (neue Fügetechnik), die Qualitätssteigerung von Produktionsmaterialien, sowie der Einsatz neuer Materialien positiv auf die Gewichtsreduktion der Kfz ausgewirkt hat, musste dies Hr. Kirchhoff bejahen aber auch verneinen – die erreichten Gewichtsvorteile in der Rohkarosserie wurden bereits durch die erhöhten Sicherheitsstandards und die technologische Weiterentwicklung der Fahrzeuge weitestgehend wieder aufgebraucht.

Mit Blick auf die verschiedenen Energieträger-Technologien (u. a. Diesel, Benzin, Gas, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe) ist es Arndt Kirchhoff wichtig, diese Diskussion in der Gesellschaft sehr offen zu führen. Seiner Ansicht nach soll der Verbraucher entscheiden dürfen, welche Technologieform für ihn die Passendste ist. Welche Technologieform für welches Gebrauchsschema richtig ist, muss auch unter Berücksichtigung der Kosten für die Infrastruktur (Stichwort E-Mobilität – Ausbau eines Smart Grid Netzes, Ausbau der Ladeinfrastruktur) und die Stromkosten betrachtet werden.

Nach Ansicht von Arndt Kirchhoff hat Deutschland genügend Patente, um von Deutschland aus weltweit technologisch wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber das gehe nur, wenn die Unternehmer in Deutschland auch die richtigen Voraussetzungen dafür finden. Je mehr die Diskussion zur Energiewende ideologisch geführt wird, desto mehr wird die Freiheit für die Unternehmer in Sachen Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt.

Deutschland müsse nun beweisen, dass es bei der Energiewende erfolgreich ist. Nur dann werde sich weiterhin der Erfolg einstellen und weltweit Nachahmer finden. Die Rahmenbedingungen (Schutzplanken) hierfür muss als Erstes die Bundespolitik schaffen.

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