Männliche Küken sind unwirtschaftlich. Also jährlich 45 millionenmal weg damit in unserer Wegwerfgesellschaft.

Ich weiß nicht, ob das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgerichts für die Küken gut oder schlecht ist. Werden sie direkt geschreddert, bleibt ihnen in den großen Brütereien immerhin das unwürdige Warten auf den unvermeidlichen baldigen Tod erspart.

Wie sieht es generell bei uns Menschen mit dem Respekt vor der Spezies „Tier“ aus?

Obwohl wir Menschen uns unseren Planeten Erde mit den Tieren teilen und in Frieden und gegenseitigem Respekt miteinander leben könnten, setzen wir uns einfach die Krone der Schöpfung auf und ignorieren oftmals rücksichtslos das Tierwohl für unsere Zwecke, für unseren Genuss, für unser Aussehen und für unsere Freizeitgestaltung:

So entscheiden wir uns je nach Kultur und persönlicher Einstellung fürs Kuscheln oder für die Pfanne und nennen das Ganze dann Haus- oder Nutztiere.

Wir kaufen billige Tiere aus oft tierquälerischer Züchtung in Internetforen und halten anschließend unsere geliebten Haustiere oft noch nicht einmal artgerecht.

Wir bringen mit Pestiziden zigtausende von Insekten um, nehmen für unsere Zwecke Tieren ihren Lebensraum weg, greifen durch Jagden in das natürliche Gleichgewicht des Waldes ein, fischen gnadenlos die Meere leer und gehen zur Bespaßung mit unseren Kindern oder Enkelkindern auch noch in den Zoo oder Zirkus oder schauen lustige Tierfilme mit dressierten Tieren an, ohne das Tierwohl mit den Heranwachsenden zu reflektieren.

Wir schlafen in kuscheligen Daunenbetten von lebendig gerupften Gänsen, schmücken uns mit Krokodilledertaschen und tragen Kleidung aus Leder, Pelzen und Wolle. Und das alles in einer Welt, in der es mittlerweile für alles tiergerechte Alternativen gibt.

Wir zahlen Geld für Stierkämpfe oder Pferderennen, wo mit Tieren alles andere als artgerecht umgegangen wird. Nur für unser Vergnügen.

Wir genießen unreflektiert die unzähligen und ständig steigenden Angebote an Kosmetika und Pflegemitteln, ohne die grausamen Tierversuche dahinter zu bedenken.

Wir frönen oft mehrmals täglich unserem Fleischgenuss, erwarten eine Riesenauswahl an Fleisch- und Milchprodukten und verlangen dabei auch noch beste Qualität und Niedrigpreise.  Wir haben den Respekt vor dem einzelnen Lebewesen „Tier“ mit all seinen Gefühlen, Bedürfnissen und seiner Leidensfähigkeit verloren.

Unsere ständig steigende, unreflektierte Gier lässt sich mit Tierwohl schon lange nicht mehr vereinbaren. Die Milch- und Fleischindustrie bedient uns gerne. Viele Tiere auf engstem Raum werden aus ökonomischen Gründen zu 98% qualvoll gehalten, im Turbogang gemästet und im Akkord mit vielen Fehlbetäubungen in riesigen Schlachthöfen von Billiglohnarbeitern geschlachtet.

Die Milchkühe leben mit Rieseneutern und das Geflügel mit Riesenbrüsten, weil Putenbrust das am meisten verlangte Fleisch ist. Den Müttern werden ihre Kälber in der Regel direkt nach der Geburt entrissen, damit sie „unsere“ Milch nicht wegtrinken. Millionen männlicher Küken werden geschreddert, Schweine betäubungslos kastriert und kupiert, Kühe enthornt. Aber vor diesen ganzen Wahrheiten machen wir Verbraucher die Augen zu. Wir wollen die Wahrheit gar nicht wissen, da sie uns ein schlechtes Gewissen machen und uns u.U. aus unserer Komfortzone herausholen. Also schauen wir gar nicht erst hin oder verdrängen unliebsame Bilder. Man nennt diese menschliche Fähigkeit kognitive Dissonanz.

Ich wünsche mir mehr Respekt vor Tieren. Jeder von uns kann seinen Beitrag dazu leisten, und wenn er noch so klein ist. Suchen wir uns doch aus der Vielzahl der o.g. Respektlosigkeiten einfach eine heraus und fangen wir an! Es fühlt sich unglaublich gut an und macht das gemeinsame Leben von Mensch und Tier auf der Erde besser und für die Tiere erträglicher.

 

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