Ev. Kirchengemeinde vor dem Aus – Gründung einer neuen Kirchengemeinde “Attendorn-Lennestadt” geplant

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Zahlreiche Gemeindeglieder beteiligten sich in der Gemeindeversammlung in Attendorn an der Diskussion über die weitere Entwicklung der Diaspora-Kirchengemeinden des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg Fotos: Karl-Hermann Ernst

Dass man erst durch die öffentliche Einladung zu dieser Gemeindeversammlung erfahren habe, dass sich die evangelische Kirchengemeinde der Hansestadt zum 31. Dezember 2019, 24 Uhr auflöst und zum 1. Januar 2020 eine neue Kirchengemeinde bestehend aus den bisherigen Kirchengemeinden Attendorn, Finnentrop, Grevenbrück und Lennestadt-Kirchhundem entstehen solle, erregte den Unmut der in der Gemeindeversammlung anwesenden Gemeindeglieder. Die Gemeinde habe keine Chance gehabt, bei der vom Presbyterium gefassten Beschluss mitzuwirken. Sie werde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Zuvor hatte der Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, zu dem die vier Kirchengemeinden gehören, die Gründe für diese Entscheidung erläutert. Da sei zum einen die finanzielle Situation der einzelnen Gemeinden: „Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse und das bei sinkenden Gemeindegliederzahlen“ so Superintendent Klaus Majoress. Zum anderen müsse die personelle Situation bedacht werden.

Superintendent Klaus Majoress stand bei der Gemeindeversammlung Rede und Antwort

Zur Zeit habe man noch sechs Pfarrer in den vier Gemeinden. Durch den Eintritt von Pfarrer Hans-Joachim Keßler in Grevenbrück in den Ruhestand verringere sich die Pfarrstellenzahl auf nur noch fünf. Auch sei in den nächsten fünf Jahren damit zu rechnen, dass die Zahl altersbedingt weiter sinke, so dass für die vier Gemeinden nur noch drei Pfarrer zur Verfügung stünden. „Es gibt insgesamt in Westfalen zu wenig neue Pfarrerinnen und Pfarrer; und wir im Sauerland sind nicht gerade die Wunschgegend für sie“ erklärte Klaus Majoress die Situation. Trotzdem solle erreicht werden, dass es weiterhin vier Haupt-Gottesdienststellen gäbe.

Um auf diese Veränderungen reagieren zu können, seien die Presbyterien mit einem Strukturausschuss seit eineinhalb Jahren damit beschäftigt, Antworten auf die auf sie zukommende Entwicklung zu finden. Schließlich handele es sich um ein Gebiet von rund 500 Quadratkilometern bei ungefähr 9 000 Gemeindegliedern.

Nachdem sich die vier Presbyterien ausführlich mit der Situation befasst hätten, hätten sie die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen gebeten, die notwendigen Schritte einzuleiten, um eine Neugründung und die Auflösung der vier alten Kirchengemeinden herbeizuführen

Die neue Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt (Klaus Majoress: „eine bessere Lösung ist uns nicht eingefallen, sind aber für jede Idee dankbar“) wird ein gemeinsames Presbyterium haben, das zu Beginn des Jahres 2020 gewählt wird, Bezirksausschüsse werden die Arbeit in den einzelnen Regionen verantworten. Neben einer gemeinsamen Verwaltung in Grevenbrück werden die bisherigen Gemeindebüros stundenweise besetzt bleiben. So soll verhindert werden, dass sich die Kirche weiter von ihren Mitgliedern entfernt, räumlich wie inhaltlich.

Dass eine Reduktion des Gebäudebestandes im Zuge der Neugründung nicht vorgesehen ist, führe wohl nicht zu einer Ersparnis, wie ein Gemeindeglied es trefflich ausführte. Ob eine Einsparung nur durch Einsparungen von Pfarrstellen die nötige finanzielle Sicherheit bringe, bezweifelte nicht nur er.

Zahlreiche Gemeindeglieder beteiligten sich in der Gemeindeversammlung in Attendorn an der Diskussion über die weitere Entwicklung der Diaspora-Kirchengemeinden des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg
Fotos: Karl-Hermann Ernst

Auf die abschließende Frage aus der Versammlung, wie es denn nun weiter gehe, ob man weiterhin die Ergebnisse – wenn überhaupt – erst im Nachhinein aus der Presse erfahre, wies der Vorsitzende des Presbyteriums, Wolfgang Dröpper, auf den Gemeindebrief und die Internetseite der Gemeinde hin, in denen die weitere Entwicklung mitgeteilt würde. Darüber hinaus bot der Superintendent an, weiterhin Gemeindegruppen in den Gemeinden, wie Jugend, Frauenhilfe etc. persönlich zu informieren.

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