„Telemann und die Franzosen“, Ensemble „Le Retrouvé“

im Foyer des Südsauerlandmuseums in Attendorn am 19.05.2019

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Die Siegener Musiker Lukas Schneider (Gambe), Torben Klaes (Cembalo) und Arnim Klüser (Traversflöte) gefielen den neugierigen Zuhörern und Liebhabern der „Alten Musik“ durch ihre gefühlvollen aber auch verspielten, liedhaften und romantisch gefärbten Harmonien (Foto: Kulturring).

 „Ich hätte noch ganz lange zuhören können“, so die einhellige Meinung der vielen Zuhörer, die am vergangenen Sonntagnachmittag der Einladung des Kulturrings der Stadt Attendorn zum Konzert des Barockensembles „Le Retrouvé“ gefolgt waren.

Die Siegener Musiker Lukas Schneider (Gambe), Torben Klaes (Cembalo) und Arnim Klüser (Traversflöte) gefielen den neugierigen Zuhörern und Liebhabern der „Alten Musik“ durch ihre gefühlvollen aber auch verspielten, liedhaften und romantisch gefärbten Harmonien.

Passend zum Motto „Telemann und die Franzosen“ stand selbstverständlich zu Beginn des Konzerts die Triosonate in a-moll von Georg Philipp Telemann auf dem Programm. Vier Jahre älter als seine Freunde Bach und Händel, war er ihnen stets um eine Nasenlänge voraus und hatte seine Vorlieben für die französische Ouvertüre und die italienische Triosonate. So spiegeln sich auch in der vom Ensemble „Le Retrouvé“ vorgetragenen Sonate Tanzsätze im Stile der Suite aber auch Konzertsätze wider.

Ganz gefühlvoll wurde hier in den langsamen Sätzen Andante und Adagio musiziert, während die beiden Allegro-Sätze vor allem durch den perlenden Anschlag Torben Klaes‘ am Cembalo viel Spielfreude zeigten.

In der darauf folgenden Chaconne des eher unbekannten französischen Komponisten Jacques Morel, der zur Zeit Telemanns lebte und in Paris tätig war, konnte man bei den drei Musikern die ganz typischen instrumentenspezifischen französischen Artikulationen hören. So wirkte das Stück denn auch ganz besonders leichtfüßig und tänzerisch und ließ einen Hauch von Frühling erahnen.

Jean-Philippe Rameau entwickelte dagegen einen ganz eigenen Stil und ging vor allem technisch weit über alles hinaus, was man bis dahin (nicht nur) in Frankreich an Virtuosität kannte. Die Ecksätze „La Forqueray“ und „La Marais“ seines „Cinquième Concert“ sind zwei berühmten Musikerkollegen gewidmet, die für ihr Gambenspiel berühmt waren: dem temperamentvollen Italiener Antoine Forqueray und Marin Marais, der dem lieblichen Stil der Franzosen treu blieb. Entsprechend hat sie Rameau charakterisiert: lebhaft und aufbrausend den ersten in der freien Fuge des Kopfsatzes, elegant tänzelnd den zweiten im Rondeau des Finales. Dazwischen steht das wundervolle langsame Rondeau „La Cupis“. Diese kontrastreichen Sätze forderten den drei Musikern einiges an Virtuosität, Temperament und Ausdrucksstärke bei den schönen lyrischen Melodiebögen ab.

So wurde das Angebot in der Konzertpause sehr gerne genutzt, um mit den heimischen Musikern über ihre Instrumente, die Besonderheiten der „Alten Musik“ und das Zusammenspiel als Trio zu fachsimplen.

Auch im zweiten Teil begeisterten der gerade erst 20-jährige Student Lukas Schneider, Torben Klaes und Arnim Klüser mit Ihrem hervorragenden Zusammenspiel. Immer wieder mischte sich gerade der weiche Klang der Holzflöte wunderbar mit dem sonoren Klang der Gambe, umspielt von den angerissenen und gezupften Tönen des Cembalos.

Mit der Triosonate D-Dur von Jean-Marie Leclair beendete das Trio das kurzweilige Konzert und erfreuten noch einmal mit schönen harmonischen Klangfarben, emotionalen Spannungsbögen und beeindruckender Fingerfertigkeit in dem mit „Allegro Assai“ überschriebenen letzten Satz.

Das vollbesetze Foyer des Südsauerlandmuseums bildete wieder einmal eine wunderbare Konzertkulisse, aus der die begeisterten Zuhörer die Musiker natürlich nicht ohne eine Zugabe und viel Applaus entließen.

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