Fantastisches Auftaktkonzert zur Reihe des Attendorner Kulturringes 2019

mit dem Ensemble „Tango de Concierto“ - die Geschwister Esteban und Germán Prentki (Violine und Cello) - aus Uruguay und dem Gitarristen César Angeleri aus Argentinien

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Das Ensemble „Tango de Concierto“ mit den Geschwistern Esteban und Germán Prentki (Violine und Cello) aus Uruguay (Foto: Hansestadt Attendorn).

Am letzten Freitag hatte der Kulturring und KULTURa der Stadt Attendorn zu einem besonderen Konzert in die Erlöserkirche eingeladen. Zu Gast war das Ensemble „Tango de Concierto“ mit den Geschwistern Esteban und Germán Prentki (Violine und Cello) aus Uruguay und dem Gitarristen César Angeleri aus Argentinien. Schon beim Betreten der Kirche wurde man aus dem Einspielraum  von den typischen Rhythmen des Tangos empfangen.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Tango „9 de Julio“ von José Luis Padula. Gleich zu Beginn war klar, dass diese Musiker den Tango mit der Muttermilch aufgesogen hatten. Virtuose Passagen ebenso wie Zwiegespräche zwischen der Violine und dem Cello ergänzten sich wie aus einem Guss.

Das sich anschließende Medley von Carlos Gardel, den die Franzosen, Argentinier und Uruguayer als ihr „Eigentum“ betrachten, bestach durch den ständigen Wechsel von langsamen und flotten Teilen.

Eingeleitet durch ein Duo zwischen den Brüdern Prentki und dann in hervorragender Art und Weise rhythmisch aufgenommen durch die Gitarre  entfaltete sich ein schwungvolles Medley, welches so manchen Zuhörer zum Mitwippen veranlasste. Der immer wieder zu sehende Blickkontakt zwischen den äußerst engagiert und mit großer Freude musizierenden Künstlern verdeutlichte sehr anschaulich die bestechende Harmonie zwischen den drei Ausnahmekönnern.

Heinrich Waegner, Autor und Theaterpädagoge, brachte den Zuhörern durch seine Lesungen zwischen den einzelnen Werken die besondere Wesensart und Bedeutung des Tangos näher. Nicht nur seine Informationen zu den Komponisten und deren Stücken, sondern auch seine Zitate aus entsprechenden Prosatexten stellten eine abwechslungsreiche Verbindung zwischen den einzelnen Programmpunkten dar.

Das Hauptwerk des ersten Teils, „Die Vier Jahreszeiten“ von Astor Piazzolla entstand zwischen 1964 und 1970. Die Anmerkung von Heinrich Waegner, dass Frühling, Sommer, Herbst und Winter in Argentinien Herbst, Winter, Frühling und Sommer entsprechen, halfen dem Zuhörer, die Musik zu den einzelnen Jahreszeiten besser zu verstehen. So war der Sommer – Winter –  geprägt von Entbehrungen, der Herbst – Frühling –  von Inflation und leeren Versprechungen. Die Kantilene des Cellos, die von der Violine wunderbar abgelöst wurde, ließ die flehende Frustration der Menschen erahnen. Der Winter – Sommer –  bildete den Schluss des Zyklus. Der „gefühlvolle“ Tango für heiße Tage verlangte den Musikern ihr ganzes Können ab.

Den Schlusspunkt des ersten Teils bildete „La muerte del Angel“ (Der Tod des Engels) ebenfalls von Piazzolla. Die sirenenartigen Glissandi der Violine und der Todeskampf am Ende des Stückes ließen den Zuhörer geradezu mit leiden. Mit lang anhaltendem  Beifall gingen die Musiker in ihre wohlverdiente Pause.

Zu Beginn des zweiten Teils erklang „La cumparsita“ von Gerardo Mattos Rodriguez. Der überaus virtuose Cellopart veranlasste den Gitarristen, seinem Musikerkollegen am Cello schließlich ein wenig frische Lust zuzufächern. Das Publikum war begeistert. „El Choclo“ (der Maiskolben) von Angel Villoldo rückte am Anfang die Violine mehr in den Vordergrund, die sich auf einem Rhythmusteppich frei entfalten konnte. Zwischenzeitlich wurde der Korpus der Streichinstrumente als Schlaginstrument zweckentfremdet.

Den Glanzpunkt des zweiten Teils bildete nach Auffassung des  Publikums das „Ave Maria“ von Astor Piazzolla. Schon die emotionale Melodie der Violine zu Beginn versetzte das Publikum in eine völlig andere Stimmung. Fast ehrfürchtig und andächtig und gänzlich ohne Effekte verschmolzen die einzelnen Instrumente zu einem großen Ganzen. Das war Musik auf höchstem Niveau.

Nach „La trampera“ und der „Romance de Barrio“ von Anibal Troilo  gefiel insbesondere „Milonga de mis Amores“ (Tanz meiner Liebschaften) von Pedro Laurenz. Der flotte und akzentuierte Tango verblüffte mit kurzen und überraschenden Haltepunkten und einem fulminanten Schluss.

Mit dem bekannten „Libertango“ (Freiheitstango) von Piazzolla hatten die Musiker ein passendes Schlussstück gewählt. Über einem fast durchgängig, prägnanten Synkopen- Rhythmus, auch mal geklopft oder „geschlagen“, konnte sich das melodieführende Instrument wunderbar ausleben.

Das  tolle Publikum sparte nicht an Applaus und animierte das Trio noch zu zwei Zugaben. Neben dem Notturno, faszinierend durch seine virtuosen Läufe und die zuweilen fast schalkhafte Interpretation durch den Gitarristen César Angeleri, überzeugten die drei mit einer weiteren Version des Libertangos.

Das Publikum belohnte das Ensemble mit stehenden Ovationen. Man kann den Veranstalter nur beglückwünschen, diese Formation engagiert zu haben.

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